ATX: So schwach lief die erste Halbzeit – plus Ausblick

Das erste Halbjahr verlief für Anleger in den Wiener Leitindex ATX alles andere als erfreulich. Trend.at zieht Bilanz, nennt die Ursachen für das besonders schwache Abschneiden der Wiener Börse und sprach mit Investmentspezialisten Horst Simbürger über die Aussichten für das zweite Halbjahr. Welche Titel es 2018 bisher schwer erwischt hat und welche Underdog zu den neuen Stars zählt.

ATX: So schwach lief die erste Halbzeit – plus Ausblick

Minus 12 Prozent alleine seit Mitte Mai: Anleger in den ATX sind derzeit schwer geprüft.

Das erste Halbjahr 2018 war für Anleger an der Wiener Börse eine Niederlage. Nach dem steilen Anstieg der Kurse seit Juni 2016 war schon bald nach dem verklingen der Silvester-Knaller Schluss mit lustig. Der Leitindex ATX büßte seither insgesamt 4,8 Prozent ein. Richtig zur Sache gegangen ist es aber erst ab dem 23. Jänner. Der Kurseinbruch betrug seither 11,7 Prozent.

ATX hat es vergleichsweise hart getroffen

Im Schnitt hat es den österreichischen Leitindex damit stärker erwischt als andere europäische Börsen. „Es hat vor allem Indizes mit stark exportorientierten Unternehmen, wie den ATX, stärker getroffen“, analysiert Horst Simbürger, Managing Director der Wiener Investmentgesellschaft Convertinvest und zuletzt Aktienchef von Union Investment Österreich. Seit Anfang Mai, seither ging es im ATX nochmals steil bergab, brachen die Kurse um neun Prozent ein, der DAX dagegen mit einem Verlust von sieben Prozent etwas weniger. Weniger abbekommen hat auch der Eurostoxx mit minus sechs Prozent.

Aktien wie Voest oder OMV an der Börse ein Debakel -. Verbund wird zum Star

Die heftigen Einschläge im ATX sind wenig verwunderlich. Die Austro-Börse ist schließlich voll mit Industrie-Titeln wie die OMV, Voestalpine, Wienberger oder Andritz. Industrie-Werte wie diese hat es im ersten Halbjahr und um den Globus erwischt. Wie stark solche Papiere im ATX vertreten sind zeigt ein Beispiel. Alleine die Papiere der OMV machen im Wiener Börsenbarometer ATX 16 Prozent aus. Konservative Werte wie die CA-Immo, die Immofinanz und der Verbund schaffen das zusammen nicht. Ihr Anteil beträgt elf Prozent. Papiere wie die Verbund haben derzeit an der Börse auch einen exzellenten Lauf: Die Aktie ist in den vergangenen zwölf Monaten um rund 66 Prozent nach oben geklettert. Seit Jahresbeginn liegt das Plus bei 45 Prozent.
Die Bilanz der Industrie-Titel seit Jahresbeginn hat es in sich: Die OMV hat nur seit Mitte Mai knapp 13 Prozent abgegeben. Die voest, ebenfalls Mitten drin im Trumpschen Zoll-Tsunami, wurde an der Börse ebenfalls zum Opfer. Die Aktie hat seither fast 17 Prozent ihres Wertes eingebüßt.

Andritz nach Mega-Deal wieder im Aufwärtstrend

Der Grazer Maschinenbauer Andritz hat nach dem Kauf des US-Unternehmens Xerium Technolgies an der Börse Ende Juni wieder die Kurve gekriegt und ist mit minus 1,2 Prozent in den vergangenen drei Monaten nicht ganz so stark bedient. Der Kaufpreis für Xerium betrug übrigens stolze 830 Millionen Dollar. Andritz verfügt über Anlagen für die Produktion von Zellstoff, mit denen unter anderem Papier hergestellt werden kann. Xerium verfügt weltweit über 28 Produktionsstätten und betreibt in Österreich eine Fabrik in Gloggnitz. Im vergangenen Jahr erzielten die Amerikaner einen Gewinn von 85 Millionen Dollar.

Europa werden Zölle am härtesten treffen

Das schwache Ergebnis, das auch viele andere Börsen im ersten Halbjahr verzeichneten, hat einen Namen: Donald Trump. „Die Handelspolitik des US-Präsidenten macht die Märkte nervös. Keiner kann einschätzen, ob es tatsächlich zu einem Handelskrieg kommt“, so Simbürger. Auch mögliche Auswirkungen höherer Zölle auf Unternehmen und Konjunktur sind schwer vorhersehbar. „Sicher ist aber, dass es Europa am stärksten treffen wird“, stellt Convertinvest-Boss Simbürger klar. Daimler hat deshalb auch vor kurzem eine Gewinnwarnung herausgegeben. „Das könnte aber auch eine Ausrede sein“, schränkt Börsenprofi Simbürger ein. Noch ist schließlich nichts beschlossen.

Hohe Gewinnerwartungen für ATX-Unternehmen

Doch worauf sollten sich Anleger im zweiten Halbjahr gefasst machen? „Es ist alles eine Frage wie sich Trump in der Zollfrage entscheidet. Wenn er einen Rückzieher macht, sieht es für die Märkte gut aus“, erklärt Simbürger. Bisher ist bei vielen Firmen abwarten abgesagt. Deshalb wurden auch die Gewinnschätzungen der Unternehmen noch nicht stark nach unten revidiert. „Zwischen Kursentwicklung und Gewinnerwartung klafft derzeit eine Lücke“, so der Experte. Sollte Trump moderatere Töne was geplante Strafzölle anschlagen, könnten Anleger, nach Einschätzung Simbürgers, von dieser Bewertungslücke profitieren.

ATX zweite Halbzeit: Anschnallen und festhalten

Nichts für schwache Nerven bleibt auch im zweiten Halbjahr die Börse Wien. Sie zählt innerhalb Europas weiterhin zu den riskantesten Märkten. So liegen die Gewinnerwartungen der Unternehmen hier aktuell im Schnitt bei 20 Prozent. „Eine Vorgabe, die nicht ohne ist“, warnt Simbürger. Zum Vergleich: Im deutschen DAX liegt die Gewinnerwartung bei nur sieben Prozent. „Führt Trump tatsächlich höhere Zölle wird es die Wiener Börse entsprechend härter treffen“. Löst sich alles in Wohlgefallen auf, zählen Anleger mit Investments an der Wiener Börse wohl zu jenen, die sich über hohe Gewinne freuen können.

Simbürger geht auch nicht von einem Worst-Case-Szenario aus. „Trump ist so eitel und schreibt sich im Grund jeden Kursgewinne im US-Index S&P selber zu“, glaubt Simbürger. Bisher hat es den US-Leitindex nur moderat erwischt, wenn es das US-Börsenbarometer seit Jahresbeginn auch kräftig durchgerüttelt hat. Die US-Investoren sehen die Drohungen ausländische Güter mit teils hohen Strafzöllen zu belegen bisher relativ gelassen, wenn auch viele US-Unternehmen indirekt von den Zöllen gegenüber Europa oder auch China betroffen sein dürften. Sollten auch Anleger in den USA in eine pessimistischere Stimmung verfallen, „dürfte Trump bei der Zollfrage einen Rückzieher machen und eine gesichtswahrende Lösung finden“, so der Aktienmanager.

Weiterhin höhere Aktienquote empfohlen

Ein Ende des Bullenmarktes würde zudem die Chancen auf die Wiederwahl des US-Präsidenten im Jahr 2020 verringern. Die Schoellerbank hält in diesem Umfeld die Kombination einer höheren Aktienquote mit qualitativ hochwertigen Anleihen für richtig. Interessant auch, dass inflationsgeschützte Anleihen über die letzten zwölf Monate gegenüber den klassischen Pendants die Nase vorn hatten. Zittern und hoffen vor den Entscheidungen Trumps bleibt aber auch in der zweiten Spielhälfte an der Börse the name of the game.

Das AG Capital Team rund um Daniel Jennewein (links) und Karl Lankmayr (2. v. rechts)

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