ATX: So stehen die Chancen für eine Aktienrallye 2021

Die Wiener Börse hat in den vergangenen drei Monaten ein Kursfeuerwerk gezündet. Einzelne Titel sind um bis zu 55 Prozent gestiegen. Welche Entwicklung für den ATX 2021 erwartet wird und welche Einzeltitel zum Kaufen empfohlen werden.

ATX: So stehen die Chancen für eine Aktienrallye 2021

2021 werden stark steigende Firmengewinne erwartet, vieles davon hat die Börse bereits vorweggenommen.

Die Aktien an der Wiener Börse haben seit Wochen einen grandiosen Lauf. In den vergangenen drei Monaten schossen die Kurse um 33,6 Prozent in die Höhe. Seit dem 21. Dezember hat die Dynamik noch zugelegt. Seither ist der Kurs um gut 14 Prozent auf 2.964 gestiegen. Seit Jahresanfang hat der ATX in seiner Kursentwicklung sogar sämtliche wichtige Indizes mit einem Zuwachs von knapp sechs Prozent. Der deutsche Index Dax schaffte nur 1,5 Prozent, der US-Index S&P 500 2,3 Prozent.

Dem ist jedoch, wie an den anderen Märkten weltweit, eine steile Talfahrt vorangegangen. Der ATX zählte mit einem Kursverlust von Februar bis Oktober von knapp 37 Prozent international zu jenen Börsen mit den stärksten Einbußen. Noch Mitte Februar notierte das Wiener Börsenbarometer bei 3.210 Punkten. Trotz der starken Kursentwicklung zu Jahresende lag der Aktienindex auf Jahressicht im Minus. Der Indexrückgang betrug knapp neun Prozent.

Die Highflyer 2020: Kursplus bis zu 56 Prozent
Dennoch wurden 2020 nicht alle Aktien im ATX aufgrund des Wirtschaftseinbruchs abgestraft. Es gab auch Papiere mit kräftigen Zuwächsen. Spitzenreiter war der Verbund mit einem Kurszuwachs von 56 Prozent. Steigende CO2-, Kohle- und Gaspreise, die als Zeichen für steigende Strompreise gelten, pushten den Aktienkurs. Hoch im Kurs war auch der Wert von Mayr-Melnhof Karton. Die Aktie kletterte im Vorjahr um 38 Prozent in die Höhe. Die Aktie profitierte von der steigenden Nachfrage nach Gütern des täglichen Bedarfs und einer soliden Unternehmensführung. Gegen Jahresende kündigte das Unternehmen die Übernahme des finnischen Frischfaserkartonspezialisten Kotka Mills an. Diese Verpackung wird für Lebensmittel, pharmazeutische Produkte, Kosmetik, Luxusgüter und Spirituosen eingesetzt. Raiffeisen erachtet die Transaktion als positiv. AT&S hat seinen Kurs seit Ende Oktober fast verdoppelt. Sehr gute Unternehmensergebnisse, positive Nachrichten der Halbleiter-Industrie, gute Aussichten in der Medizintechnik und verbesserte Aussichten in der Autobranche waren dafür die Hauptgründe.

Verbund, Mayr Melnhof und AT&S top, Uniqa, OMV und Schoeller-Bleckmann flop.

Weitere Kurszuwächse erwartet
Noch sind die alten Kurshöhen vor Ausbruch der Pandemie damit aber noch nicht erreicht. Experten der Erste Bank und von Raiffeisen sehen jedoch gute Chancen, dass der Höchststand vom Februar 2021 wieder erreicht werden kann und die Kursentwicklung sogar noch eins drauf setzt. So erwartet die Erste Bank einen Kursanstieg um zehn Prozent, was einem Kursniveau von 3.250 Punkten entspricht. Das entspricht dem langfristig durchschnittlichen KGV von etwa 13x bezogen auf die prognostizierten Unternehmensgewinne von 2022.

Hohe Gewinnzuwächse prognostiziert
Begründet werden die Erwartung steigender Kurse mit prognostizierten Gewinnzuwächsen der ATX-Ergebnisse von mehr als 70 Prozent. So geht die Erste Bank, wie viele andere Experten, trotz Pandemie, von einer Erholung der Wirtschaft aus. „Höhere Bewertungen auf Basis von KGVs sollten nicht beunruhigen, da eine vollständige Rückkehr zur Normalität und zu Gewinn-Niveaus von 2019 voraussichtlich erst 2022 erreicht werden dürften", so Erste-Bank-Research-Chef Friedrich Mostböck. Das Zinsumfeld spricht zusätzlich für Aktien. "Der ATX könnte zusätzlich von den stabilen Rahmenbedingungen und positiven Wachstumsaussichten in Zentral- und Osteuropa profitieren. Die CEE-Region sollte im laufenden Jahr mit einem BIP-Wachstum von 3,6 Prozent stabile Zuwächse liefern und damit eine solide Basis für ATX-Unternehmen bilden“, argumentiert Erste-Banker Mostböck. Der ATX werde aufgrund seines zyklischen Charakters von der Wirtschaftserholung und steigenden Gewinnen, besonders profitieren.

Einzeltitelauswahl wird wichtiger
Im Durchschnitt sind die ATX-Werte jedoch nicht mehr günstig. „Stock Picking gewinnt an Bedeutung, also die gezielte Auswahl interessanter Einzeltitel“, so Raiffeisen in einem Ausblick. Drei Kennzahlen hält Raiffeisen bei der Beurteilung einer Aktie für elementar: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) und die Dividendenrendite.

Die Aktientipps von Raiffeisen - Unterbewertete Titel
Im Idealfall sind bei einem Titel gleichzeitig KGV, KBV, und Dividendenrendite in der Nähe des Marktdurchschnitts oder besser noch darunter (KGV, KBV) bzw. darüber (Dividendenrendite) liegen. Vor diesem Hintergrund haben wir den österreichischen Kurszettel nach Schnäppchen durchforstet. Die Kriterien für die Auswahl von Raiffeisen: ein einstelliges 2021er-KGV, ein KBV von jeweils unter 1,0 sowie eine überdurchschnittliche Dividendenrendite von mindestens 3,5 Prozent. Nur vier Aktien auf dem Wiener Kurszettel erfüllen derzeit diese strengen Kriterien: BAWAG, RBI, Uniqa und VIG – zwei Banken und zwei Versicherungen. Die Bawag sticht dabei mit einer Dividendenrendite von über fünf Prozent pro Jahr (siehe Tabelle).

Diese Titel im ATX sind noch Schnäppchen.

Die Aktientipps der Erste Bank - Aktien mit starker Kursdynamik
Die Erste Bank favorisiert bei den Einzelwerten solche mit starkem Momentum: Das sind derzeit AT&S(55 Prozent in drei Monaten), Andritz (+30 Prozent in drei Monaten), RBI, CA Immo(+34 Prozent) und Immofinanz(+23 Prozent in drei Monaten). „Für die AT&S als Technologiewert sprechen der langfristige Ausblick und steigende Wachstums- und Gewinndynamik, die RBI und Andritz sollten überproportional von der Wirtschaftserholung profitieren. „Immobilienwerte werden derzeit noch etwas skeptisch betrachtet, wir gehen jedoch davon aus, dass sich die Kurse mittelfristig wieder den Nettoimmobilienwerten annähern werden“, so Schultes.

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