Die ATX-Prognosen der Analysten bis Jahresende

Die ATX-Prognosen der Analysten bis Jahresende

Die ATX-Analysten beim Finanzjournalistenforum: v.l. Roland Neuwirth, Fondsmanager bei Salus Alpha, Friedrich Mostböck, Erste-Bank-Aktienchef, Wolfgang Ules, Veranlagungschef der Capital Bank, Alois Wögerbauer, Austro-Aktienmanager der 3-Banken-Generali und Günther Schmitt, Manager des Raiffeisen-Österreich-Aktien Fonds.

Renommierte Analysten und Fondsmanager, die auf ATX-Aktien spezialisiert sind, haben eine Prognose über die Entwicklung des Wiener Aktienindex bis Jahresende abgegeben. Wie die Optimisten und die Pessimisten ihre Prognosen begründen.

Das Jahr hat schon mal gut angefangen. Seit Jahresanfang ist der Wiener Aktienindex ATX um mehr als fünf Prozent auf 2.796 Punkte gestiegen. Seit dem Tiefstand Anfang Juli 2016 betrug der Zuwachs gar mehr als 25 Prozent. Dem war allerdings ein jahrelanges Siechtum vorausgegangen. Seit dem Börsencrash 2009 war es für Anleger Wien ein holpriges Pflaster, kaum waren ein paar Prozent Gewinne gemacht, haben sie sich oft auch schon wieder in Luft aufgelöst. Der Kurszuwachs der vergangenen fünf Jahren bis zur jüngsten Rallye spricht Bände: Knapp neun Prozent.

Luft nach oben, ist trotz der Börsenrausch in Wien nach wie vor genug. Der ATX ist vom Höchststand von rund 4.900 Punkten im Jahr 2007 nach wie vor Meilenweit entfernt.

Wie es jedoch an der Wiener Börse bis Jahresende weitergehen wird, darüber sind sich die Analysten, die vom Finanzjournalisten Forum zur Abgabe ihrer Prognose in die Capital Bank geladen wurden, nicht einig. Doch eines vorweg: Die Optimisten überwiegen deutlich.

Bis zu 20 Prozent Kursgewinn bis Jahresende prognostiziert

Am bullischten für den Markt ist Wolfgang Matejka, Manager des Mozart One Fonds (ISIN: AT0000A0KLE8). Er erwartet bis Jahresende für den ATX 3.400 Punkte. Das würde einen Kursgewinn von gut zwanzig Prozent bedeuten. Den Austro-Aktienprofi stimmen vor allem die Gewinnschätzungen der Unternehmen für dieses und kommendes Jahr optimistisch. Für 2017 rechnet er mit einem Gewinnwachstum der ATX-Unternehmen von im Schnitt 9,5 Prozent. 2018 soll dieses in ähnlicher Höhe ausfallen. „Wenn die Probleme sich mit Russland lösen, könnte es sogar zu einem weiteren Kursschub kommen“, glaubt Matejka.

„Sollten nicht glauben, dass wir weiter vom Glück verwöhnt werde“

Dieser Begeisterung kann sich Roland Neuwirth nicht anschließen. Der langjährige ATX-Staranalyst der Deutschen Bank, der nun für die Investmentgesellschaft Salus Alpha RN Special Situations (ISIN: LU1280956597) managt, gibt dem Austro-Index bis Jahresende gerade einmal 2.800 Punkte. Der Fonds investiert rund 60 bis 80 Prozent seines Anlagevermögens in Österreich-Aktien. Nach Einschätzung von Neuwirth ist der Markt nach dem Aufschwung der vergangenen Monate bereits heiß gelaufen. „Wir wurden in den vergangenen vier Monaten von steigenden Aktienkursen verwöhnt, sollten aber nicht glauben, dass wir weiterhin vom Glück verwöhnt werden.“ Der ATX-Spezialist rechnet kurzfristig deshalb vielmehr mit einer Korrektur.

Auch für das zweite Halbjahr hat der ATX-Profi wenig Aufmunterndes parat: „Es könnte eher ungemütlich werden.“ Als Ursache sieht er die Wende in der US-Zinspolitik, die sich auch auf Europa auswirken werde. „Die Fed wird die Zinsen rasch erhöhen. Da Spar- und Anleihenzinsen die wichtigste Alternative gegenüber Aktien sind, werden viele Anleger ihr Geld bei steigenden Zinsen wieder in konservativere Papiere umschichten“, sagt Neuwirth. Selbst für den Fall, dass der Markt weiter anzieht, hält der Salus-Alpha-Manager das Knacken der 3.000 Punkte-Marke „für eine harte Nuss“. In den vergangenen sieben Jahren wurde diese für Anleger psychologisch wichtige Hürde nur einmal zwischendurch genommen.

Gewinnentwicklung so positiv wie in den vergangenen fünf Jahren nicht

Zu den Bullen am Markt zählt auch Erste-Bank-Chefanalyst Friedrich Mostböck. Wenn auch der nicht glaubt, dass die 3.000-Marke fällt. Sein Kursziel für den ATX bis Jahresende: 2.900 Punkte. „Die Gewinnentwicklung der ATX-Unternehmen ist so positiv wie in den vergangenen fünf Jahren nicht mehr“, so sein Resümee. Zwar hat es Jahr für Jahr immer wieder geheißen, jetzt ziehen die Gewinn an, doch eingetreten ist der Aufschwung nie. Das sei nun anders, so Mostböck.

Alois Wögerbauer, Manager des 3 Banken Österreich-Fonds (ISIN: AT0000662275), rechnet ebenfalls mit steigenden Kursen. „Es ist das erste Mal seit Jahren, dass sich der Konjunkturoptimismus nicht übertrieben erscheint.“ Vor allem in den Industriebetrieben sei die Wende spürbar. Global betrachtet seien großen Risiken der Vergangenheit wie Turbulenzen in China oder Brasilien nicht zu erwarten. Wögerbauer geht davon aus, dass für die Eurozone die Konjunkturprognosen heuer sogar noch angehoben werden. „Die EZB wird nach Jahren auch wieder beginnen über Zinsanhebungen zu diskutieren“ Bis zur ersten Anhebung sei der Weg aber noch weit. Die US-Notenbank hat das erste Mal nach dem Finanzcrash 2012 über eine Anhebung der Zinsen beratschlagt.

„Wiener Börse zu 80 Prozent von Osteuropa-Entwicklung abhängig“

Politische Risiken in Europa sieht Wögerbauer gelassen: „Die Anleger sind mittlerweile an politische Risiken gewöhnt.“ Der Aktienmarkt in Wien sei zudem selbst bei politischen Tretmienen höchstens kurzfristig gefährdet. „Die Wiener Börse ist zu 80 Prozent von der Entwicklung in Osteuropa bestimmt. Die restlichen 20 Prozent der Unternehmen im ATX setzen sich aus globalen Nischenplayern zusammen, die mit der Entwicklung der Eurozone wenig zu tun haben.“ Auch der Brexit hat und werde auch künftig die Austro-Börse nicht tangieren. Bis auf die Wienerberger hätten die börsenotierten Austro-Unternehmen kaum Schnittpunkte mit Großbritannien.

Die ATX-Prognosen der Aktien- und Fondsspezialisten bis Jahresende im Überblick:

  • Robert Binder , Semper Constantia: 2.940 Punkte
  • Isabella de Krassny , Donau Invest: 3.095 Punkte
  • Wolfgang Matejka , Matejka & Partner: 3.400 Punkte
  • Bernd Maurer , RCB: 2.900 Punkte
  • Friedrich Mostböck , Erste Bank: 2.900 Punkte
  • Roland Neuwirth , Salus Alpha: 2.800 Punkte
  • Günther Schmitt , RCM: 3.050 Punkte
  • Horst Simbürger , Union Investment: 2.900 Punkte
  • Christoph Stangelberger , Allianz Invest: 3.370 Punkte
  • Alois Wögerbauer , 3Banken-Generali: 3.000 Punkte
  • Manfred Zöhrer , Capital Bank: 2.900 Punkte

Durchschnitt der Prognosen: 3.023 Punkte.


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