ATX: 10% Aufwärtspotenzial bis Ende 2020

ATX: 10% Aufwärtspotenzial bis Ende 2020

Die Analysten der Erste Bank sehen beim ATX bis Ende 2020 weiteres Aufwätspotenzial .

Die Analysten der Erste Group sehen beim österreichischen Aktien-Index ATX bis Ende des nächsten Jahres ein intaktes Aufwärtspotenzial von rund 10%. Mit einer ersten Zinsanhebung der EZB rechnen sie frühestens 2022.

Gestützt von Unterbewertungen vieler Aktien, intaktem Gewinnwachstum der Unternehmen und der günstigen ökonomischen Verflechtung mit CEE billigen die Erste-Group-Analysten dem Wiener Börse-Leitindex ATX bis Ende 2020 einen 10-prozentigen Anstieg zu. Die technischen Indikatoren würden klare Kaufsignale geben, an Aktien führe in dem Negativ- bzw. Nullzinsumfeld kein Weg vorbei.

Bis Ende 2020 könnte der ATX laut Chefanalyst Fritz Mostböck auf 3.500 Punkte klettern, "das erscheint realistisch". Aktuell liegt der Index bei rund 3.100 Zählern.

Christoph Schultes, Chief Equity Analyst Österreich, führt als Die Gründe: Das Interesse ausländischer Investoren sei weiter da, auch wenn das Handelsvolumen zuletzt schwächer war. Der langfristige Abwärtstrend des ATX sei nun gebrochen, technisch gebe es klare Kaufsignale. Allerdings müssten auch Spezifika des ATX beachtet werden, nämlich einerseits die voraussichtlich weiterhin erhöhte Volatilität des Wiener Marktes und dass ein Drittel des Index von Finanztiteln abhängig sei, für die sich die Niedrigzinsen und der Druck auf die Rendite negativ auswirken würden.

ATX im Index-Vergleich

Mostböck, Leiter des Bereichs Group Research, verwies auf das in Wien stabile, im Vergleich zu anderen Börsen bessere Sentiment CEE, darunter auch das intakte positive Wachstumsdifferenzial CEE gegenüber der Eurozone. Die BIP-Zuwachsraten seien für den CEE-Raum für 2020 und 2021 rund doppelt so hoch wie für die Eurozone zu erwarten. Die Bewertung der ATX-Titel bleibe für 2020 und 2021 mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von knapp über 10 attraktiv. Gemessen an der historischen KGV-Entwicklung liege der ATX deutlich unter dem historischen Durchschnitt, betonte Schultes. Das Gewinnwachstum sei zwar etwas verhaltener als zuletzt, bleibe aber intakt, verwies Mostböck auf prognostizierte Zuwächse von 5,5 Prozent kommendes und von 4,0 Prozent übernächstes Jahr.

Hinter namhaften Aktienindizes wie Dow Jones, DAX, CAC-40 oder SMI ist der Austrian Traded Index (ATX) heuer zurückgeblieben, sie legten in der betrachteten Zeitspanne um 21,7 bis 26,6 Prozent zu, während es beim ATX nur 15,9 Prozent waren. Jedoch ist der ATX, anders als etwa der deutsche DAX, ein Preisindex, es müssten also noch 3 1/2 bis 4 Prozent Dividendenrendite addiert werden, dann komme man auch an die 20 Prozent Plus, betonte Schultes dazu. Für 2020 und 2021 erwartet die Erste Group Dividendenrenditen von 4,2 bzw. 4,6 Prozent. Die gesamte Gewinnrendite von Aktien sieht man bei +9,7 Prozent, verglichen mit einer negativen Rendite von -0,14 Prozent bei 10-jährigen Staatsanleihen (Stand Ende November). Investoren würden nach wie vor eine hohe Risikoprämie verlangen, so Schultes, der die Wiener Börse als "eindeutig unterbewertet" ansieht.

ATX-Werte unter der Lupe

Bevorzugt werden von den Erste-Analysten "Unternehmen mit klaren Geschäftsmodellen und hoher Visibilität". Auf der Empfehlungsliste haben sie momentan Immofinanz, s Immo, RBI, AT&S, FACC, SBO sowie DO&CO. Die Immo-Titel würden weiter vom Niedrigzinsumfeld profitieren - die beiden genannten Werte würden, anders als die CA Immo, weiter deutlich unter dem EPRA-NAV (Nettovermögenswert) notieren. Beide Aktien hätten Aufholpotenzial, sagt Schultes, der mittelfristig mit einer Entflechtung rechnet, nachdem erst kürzlich offiziell die Fusionsgespräche ergebnislos für beendet erklärt wurden; damit gebe es jetzt wenigstens Klarheit.

Bei der Raiffeisen Bank International (RBI) sieht Schultes eine mögliche Dividenden-Anhebung als "Trigger": Bisher habe die RBI ihre Ausschüttung auf 25 Prozent des Gewinns beschränkt, aus seiner Sicht sei aber möglich, dass die Pay-Out-Ratio erhöht wird. Der Luftfahrtzulieferer FACC dürfte die Probleme nun im Griff haben, so der Experte. Von den Aktien des durch eine Analyse "heruntergeprügelten" Ölfeldausrüsters SBO erwarte sich die Erste für kommendes Jahr viel. Und bei DO&CO geht Schultes auch für 2020 von einem zweistelligen Umsatzplus der Caterers aus.

Auf "Reduce" hat die Erste den Verbund. Die Aktien des Stromkonzerns hätten besser performt als erwartet. Sie würden wie eine Anleihe betrachtet, die Bewertung sei aber schon "extrem hoch", "unserer Meinung schon zu hoch, auch im Hinblick auf die Dividendenrendite, meinte Schultes.

Die erste Zinsanhebung durch die Europäische Zentralbank (EZB) bei der Einlagen-Fazilität sieht Mostböck "frühestens im ersten Quartal 2022", doch seien auch für diese Prognose die Risiken erheblich. In den USA sollten die Zinsen 2020 unverändert bleiben, sagte er.

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