Apple braucht jetzt geistigen Beistand

Apple braucht jetzt geistigen Beistand

Apple-Chef Tim Cook bei Papst Franziskus war dieser Tage die erste Überraschung. Die Apple-Comunity bekommt heute die nächste serviert.

Heute Abend wird Apple die Zahlen aus dem üblicherweise starken Weihnachtsquartal präsentieren. Es könnte eine negative Überraschung werden - trotz Rekordgewinn. Die iPhone-Käufe sollen angeblich bei Apple stagnieren. Und die Anleger von Apple sind verwöhnt, was die Kursfantasie betrifft.

Geistigen Beistand hatte Apple-CEO Tim Cook Ende voriger Woche beim Pontifex Maximus in Rom. Cook bekam eine Privataudienz bei Papst Franziskus. Ein Schelm, wer glaubt, dass der Apple-Chef angesichts eines erwartet wohl nicht berauschenden Ergebnisses zumindest auf geistigen Beistand hofft. Das Quartalsergebnis des normalerweise starken "Weihnachtsquartals" könnte sogar zu einem Desaster für Apples Ober-Koch werden.

Seit 2013 ist Apple von einem Rekord zum nächsten geeilt. Die Apple (ISIN US0378331005) schien nur eine Richtung zu kennen: Steil nach oben. Doch damit ist schon seit Sommer Schluss, als sich die Anzeichen mehrten, dass der Smartphone-Markt in eine Sättigungsphase kommt. Ein weiteres Manko: Apple hat stark auf China gesetzt, dessen Wirtschaft bereits seit Frühjahr nach unten zeigt und das nun in eine veritable Wirtschaftskrise geschlittert ist. Das trifft nicht nur Apple. Auch Smartphone-Weltmarktführer Samsung hat vor Weihnachten bekannt, dass es Problem mit dem Wachstum und somit dem Absatz neuer Smartphones gibt.

Doch nun lässt offenbar Apples Top-Produkt iPhone offenbar aus. Und das vor allem im stets starken "Weihnachtsquartal", in dem Apple üblicherweise Rekordergebnisse schreibt und die Richtung vorgibt. Der Verkauf des iPad war zuletzt auch rückläufig - um fast zehn Prozent. Unter "Service" und "Other Product" (etwa Smart Watch) wird zwar Wachstum verbucht, allerdings auf zu niedrigem Niveau. Die beiden Sparten tragen rund vier und acht Prozent zum Umsatz bei. Der Gewinn pro Aktie soll nun 3,23 Dollar betragen, nach 3,06 Dollar im Vorjahreszeitraum.

Neuer Rekord, aber...

Laut Analysten könnte Apple im "Weihnachtsquartal" 2015, das gleichzeitig das 1. Quartal des Geschäftsjahres 2016 ist, rund 76 Millionen iPhones verkauft haben, was eine Steigerung von einer Million Stück gegenüber dem Rekordquartal des Vorjahres entsprechen würde. Ob das die Anleger zufriedenstellt und der Aktie einen Aufwärtsdrall gibt, darf bezweifelt werden.

18,2 Milliarden Dollar Gewinn erwarten die Analysten bei einem Umsatz von 76,6 Milliarden Dollar. Im Vorjahresquartal waren es 18 Milliarden Dollar Gewinn bei einem Umsatz von 74,6 Milliarden Dollar.

Von CNN befragte Analysten rechnen sogar damit, dass der Verkauf von iPhones unter dem Wert des Vorjahres liegen könnte. Es wäre das erste Mal seit 2013, dass Apple nicht mit einem neuen Rekord aufwarten kann. Und es wäre ein Signal dafür, dass auch Apple wie Samsung zuvor massive Probleme bekommen könnte, das Wachstumstempo alleine mit dem Verkauf von Mobiltelefonen zumindest zu halten.

Rund 60 Prozent des Gesamtumsatzes macht Apple mit dem Smartphone. Rund 70 Prozent des Gewinnes kommt von dem Verkauf des Mobiltelefons. Jetzt scheint vor allem das Geschäft in China, Apples Hoffnungsmarkt, sowie im ebenfalls bedeutenden Russland wegen der Sanktionen in Gefahr zu sein. Und damit auch die Aussichten auf Renditen.

Anfang Dezember mehrten sich bereits die Gerüchte, Apples Verkäufe dürften rückläufig sein. Der US-Konzern soll seine Bestellungen bei den Zulieferern massiv gekappt haben. Die Einbrüche bei den Aktienkursen der Zulieferer in Asien werden darauf und nicht nur auf die Krise in China zurückgeführt.

Anleger brauchen gute Nerven

Wie geht es nun mit dem Kurs der Apple-Aktie (ISIN US0378331005) weiter? Die Einschätzung der Analysten zeigen ein uneinheitliches Bild. Zuletzt hatten sechs von insgesamt 52 Analysten die Apple-Papiere mit "Kauf" empfohlen. 115 bis 200 Euro Kursziel werden prognostiziert. 45 Analysten haben Apple als Kauf-Tipp, sechs empfehlen die Papiere mit "Halten", ein Analyst von ABG Sundal Collier gibt wenig auf die Performance des US-Konzern und empfiehlt die Papier zum Verkauf. 65 Dollar ist sein Kurslimit.

Fakt ist: Der Aktienkurs schwächelt. Apple scheint derzeit nicht über die Hürde von 103 Dollar zu kommen, um einen positiven Aufwärtstrend zu schaffen. Die Apple-Aktie (ISIN US0378331005) notiert derzeit bei 99,44 Dollar. Am Montagabend haben die Papier rund zwei Prozent nachgegeben.

Seit der Abwärtstrend an der Börse im Frühjahr 2015 eingesetzt hat, hat das Apple-Papier um satte 26 Prozent verloren. Apple ist derzeit 551,3 Milliarden Dollar wert. Alphabet (ehemals Google) folgt dem Computer- und Smartphone-Hersteller dicht auf den Fersen und bringt es auf 496,3 Milliarden Dollar.

Entscheidend für den weiteren Aktienkurs dürfte nur nicht ein rückläufiger Verkauf des iPhone sein, wenngleich Apple auf jeden Fall vom iPhone-Absatz abhängig ist. Der US-Konzern könnte den Zulieferern noch mehr Preisnachlässe herauspressen, um die eigene Profite und somit die Anleger wieder milde zu stimmen.

Der Verkauf der Apple Watch ist noch immer unter der Wahrnehmungsgrenze. Sie hat offenbar noch nicht die Herzen der Apple-Nutzer erreicht. Wenngleich Apple angekündigt hat, die Massenproduktion im ersten Quartal 2015 zu starten. Und selbst Milliardenumsätze in Rekordhöhe beim Verkauf von Apps und Musik können die totale Abhängigkeit nicht hinwegtäuschen, falls die Wachstumsziele nicht erfüllt wurden.

Aber auch an der Finanzfront droht Apple Ungemach. Die irische Steuerbehörde soll das Steuermodell des US-Konzerns unter die Lupe genommen haben. Acht Milliarden Dollar, hieß es kürzlich, könnte die nun anstehende Nachzahlung schwer sein.

Außerdem beobachten Finanzexperten genau die Vorgänge um neue Produkte. Apple will angeblich ein Auto bauen. Dieses Vorhaben würde allerdings trotz des satten Finanzpolsters des Unternehmens eine Riesenanstrengung werden. Jedenfalls soll Apple bereits eine ganze Armada an Ingenieuren für die Entwicklung des Autos beschäftigt haben. US-Medien kolportieren, dass im Jahr 2020 ein Apple-Auto vom Band rollen könnte. MIt den Education-Programmen will Apple außerdem stärker in Schulen hineindrängen.

Spezielles iPhone

Technologisch will Apple freilich schon recht bald nachrüsten. Die Cashcow iPhone soll Zuwachs bekommen. Schon im März will Apple unbestätigten Gerüchten zufolge ein neues iPhone-Modell auf den Markt bringen. Nur mit einem 4 Zoll großen Display soll es unter dem Produktnahmen 5S enhanced oder SE (Special Edition) auf den Markt kommen. Das neue Gerät würde somit kleiner ausfallen, als das bisherige iPhone 6. Es soll sich in der Form an den bisherigen Modellen 6 und 6S orientieren.

Aber auch ein größeres Gerät soll Apple bereits entwickeln und bald zur Produktreife haben: Das iPhone 7 soll mit einem Speicher von 256 Gigabyte ausgestattet sein, einen Akku mit deutliche verbesserter Betriebsdauer sowie mit einem 5,5 Zoll großen Display die Wünsche der Intensivnutzer erfüllen. Im September 2016 soll das Gerät Gerüchten zufolge auf den Markt kommen. Und zum kommenden Jahresschlussquartal 2016 neue Rekorde bringen. Wie es dann um die Aktie steht bleibt abzuwarten.

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