Anleger flüchten: „Sommer des Schreckens“ erwartet

US-Notenbanker bringen die Börsen zum Sinken. Aber auch andere Einflüsse drücken die Stimmung an der Börse.

US-Notenbanker bringen die Börsen zum Sinken. Aber auch andere Einflüsse drücken die Stimmung an der Börse.

Die heftigen Kursschwankungen an den Börsen gehen weiter. Nun haben die Märkte wieder den Rückwärtsgang eingeschaltet. Was die neue Verkaufswelle auslöste und warum Profiinvestoren dem Sommer mit Bangem entgegensehen.

Noch gestern früh, den 17. Mai, war der Dax über 10.000 Punkte. Doch seither geht es mit dem deutschen Aktienindex und anderen Indizes bergab. Der Dax notiert nur noch bei 9.864 Punkten. Der ATX rutschte seit gestern früh von 2.227 Punkte unter die 2.200-Punkte-Marke. Und die Kurverluste dürften weitergehen. Auch asiatischen Börsen gerieten in den Abwärtssog.

USA können Zinsen heuer noch drei Mal erhöhen

Die Märkte belasten vor allem die Aussagen des US-Notenbankers Dennis Lockhart, wonach es in den USA noch in diesem Jahr zu zwei oder gar drei Leitzinserhöhungen kommen könnte. Höhere Zinsen sind Gift für die Börsen, könnten Anleger ihr Geld doch von risikoreicheren Aktien wieder in attraktivere Zinspapiere umschichten. Nach Einschätzung des Präsidenten der regionalen US-Notenbanken könnte die erste Zinsanhebung noch vor dem britischen Referendum über einen Austritt Großbritanniens aus der EU passieren.

US-Inflation zieht an, Europa rutscht wieder in die Deflation

Die robusten US-Konjunkturdaten sprechen für den nächsten Zinsschritt. So steigt die Inflationsrate in den US – ein wichtiger Hinweis für ein anziehendes Wirtschaftswachstum. So lag die Inflationsrate im März in den USA bei 0,9 Prozent, im April bereits bei 1,1 Prozent. Das ist zwar auch nicht hoch, aber deutlich höher als in der EU. Im Februar betrug die Inflationsrate in Euroland Minus 0,2 Prozent, im März null Prozent. Im April ist die Inflation in der Eurozone mit Minus 0,2 Prozent wieder in den negativen Bereich gefallen. Vor allem die schwachen Energiepreise halten die Inflation unten. Die Preise für Energie gaben im Jahresvergleich um 8,7 Prozent nach.

Bargeld-Quote von Fondsmanagern so hoch wie zu Lehman-Pleite

Die kommenden Monate verheißen für die Börsen nichts Gutes. In der monatlichen Umfrage durch die Bank of America unter 200 Investoren, die 610 Milliarden Dollar verwalten, zeichnet sich ein düsteres Bild ab. Viele der befragten Fondsmanager flüchten regelrecht aus Aktien. Die Bargeld-Quote der Geldmanager liegt im Schnitt bei 5,5 Prozent. Klingt nicht viel, ist aber derzeit ähnlich hoch wie zu Zeiten der Lehmann-Pleite. Auch als die Griechenland-Krise auf ihrem Höhepunkt war, waren die Bargeldbestände in den Fondsdepots ähnlich hoch. Laut der Studie von Merrill Lynch flüchten die Investoren in Bargeld, um für einen „Sommer der Schreckens“ in Sicherheit zu sein.

Brexit: Der große Risikofaktor

Das größte Risiko stellt aus der Sicht der Fondsmanager ein möglicher Austritt Großbritanniens aus der EU dar. 27 Prozent der befragten sehen, das als größtes Risiko. Die Chancen, dass die Briten aussteigen, erachten dennoch 71 Prozent der Befragten als unwahrscheinlich. 21 Prozent stuften einen weiteren Konjunkturabschwung in China als größtes Risiko ein. Aber nur 15 Prozent der von Merill Lynch befragten Manager glauben, dass die Notenbanken bei ihrer Geldpolitik versagen.

Bullish für Schwellenländer

Stark erhöht haben die Fondsmanager ihr Exposure in Schwellenländern. Die Investoren erhöhten in diesem Bereich zum ersten Mal seit 17 Monaten. So hat sich nach Einschätzung der britischen Bank HSBC die Gefahr neuer Turbulenzen in den Emerging Markets verringert. Auch vom bisherigen Sorgenkind China kommen bessere Nachrichten. "Dank expansiver Geld- und Fiskalpolitik hat sich neben der Stimmung in der Industrie vor allem der Immobiliensektor spürbar belebt. Mittlerweile erscheint es realistisch, dass China sein Wachstumsziel von 6,5 bis sieben Prozent erreicht", sagt Soo Nam NG, Leiter für asiatische Aktien in Asien bei Columbia Threadneedle.

Gold unterbewertet

Trotz eines Kursanstiegs des Goldpreises von 20 Prozent halten die Geldprofis Gold nach wie vor für unterbewertet.

Wirtschaft belebt sich weltweit wieder

Deutlich optimistischer als in der Vergangenheit sind die Investoren was das globale Wirtschaftswachswachstum betrifft. 15 Prozent der Teilnehmer erwarten, dass das Wachstum zulegt. Im Vormonat waren es erst zehn Prozent gewesen. 39 Prozent rechnen damit, dass die europäischen Wirtschaft anzieht. Noch im Vormonat waren es nur ganze sechs Prozent. 86 Prozent der Manager erwarten für Europa keine Rezession.

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