Anleger flüchten aus Italien: Die Zukunft sieht düster aus

Anleger flüchten aus Italien: Die Zukunft sieht düster aus

Anleger fürchten eine italienische Populisten-Regierung, die einen Schuldenerlass von der EU fordert.

In Italien findet derzeit die große Flucht aus Anleihen und Aktien statt. Dort könnte eine neue Regierung zum Alptraum werden. Die Zukunft schätzen Analysten für das Land düster ein. Welche Branche kurz vor dem Kollaps steckt.

In Italien findet derzeit der große Abverkauf statt. Nicht von Mode, sondern von immer gefährlicher werdenden Staatsanleihen. Die Angst vor einem harten Konfrontationskurs der künftigen italienischen Regierung gegen die EU hat Anleger in den vergangenen Tagen dazu veranlasst Staatsanleihen des Lands aus den Depots zu werfen.

Nur griechische Anleihen werden als noch riskanter eingestuft

Die Renditen der zehnjährigen Staatspapiere und damit die Refinanzierungskosten des hoch verschuldeten Lands stiegen so auf ein 14-Monats-Hoch von 2,45 Prozent an. Von den 19 Ländern der Euro-Zone bieten die italienischen Staatsanleihen damit aufgrund des hohen Risikos die zweithöchste Rendite. Es ist die stärkste Rally seit anderthalb Jahren. Derzeit notieren nur zehnjährige griechische Staatsanleihen mit 4,8 Prozent Rendite höher. Spanischen und portugiesischen Staatsanleihen notieren da mit 1,4 Prozent beziehungsweise rund 2 Prozent nahezu auf bescheidenem Niveau.

Doch es könnte italienische Anleihen noch wesentlich härter treffen. Dann könnte es zu einem Dominoeffekt kommen. "Wenn es richtig kracht, dürften auch die Spanier und Portugiesen das massiv zu spüren bekommen," so ein Händler. Noch setze der Markt darauf, dass die EU das zu verhindern wisse. Dennoch profitiere Deutschland von seinem Status als sicherer Anlagehafen. So stieg der Kurs der zehnjährigen deutschen Bundesanleihen leicht.


Italien ist die Achillesferse der Eurozone

Die Panik der Anleger kommt nicht von ungefähr. Das neue Regierungsprogramm der Rechtspopulisten liest sich für Anleger und die Europäische Union wie ein Drehbuch für einen Wirtschaftskrimi. Sie fordern etwa einen Erlass der Staatsschulden von der EU in Höhe von bis zu 170 Milliarden Euro. Die EU-Kommission warnte vor Ansteckungsgefahren in der Eurozone. Auch viele Investoren sehen dieses Risiko, weshalb in den vergangenen Tagen bereits auch die Renditen der spanischen und portugiesischen Staatsanleihen leicht anzogen. "Italien ist die Achillesferse der Eurozone", fasste Analyst Eugen Keller vom Bankhaus Metzler die Stimmung zusammen. Statt sündteure Wahlversprechen zu geben, fordert die EU Strukturreformen und das Haushaltsdefizit unter Kontrolle zu halten.

Anleger ziehen an der Börse die Reißleine


Die Aktien der Mailänder Börse haben in der vergangenen Woche ebenfalls reagiert und sind um fast drei Prozent gefallen. Damit wurde an der Börse ein Wert in Höhe von 22 Milliarden Euro vernichtet. Zuvor hatte der Börsenindex MIB seit Jahresbeginn noch ein Plus von elf Prozent verbucht.

Verbleib in der Eurozone nicht in Stein gemeiselt

Für weitere Nervosität an den Märkten sorgt auch, dass die künftigen Regierungsparteien Italiens den Verbleib in der Eurozone in Frage stellen. „Die Preise europäischer Vermögenswerte reagieren nach wie vor empfindlich auf steigende Risiken, dass die Eurozone auseinanderbrechen könnte", so Hilton von Columbia Threadneedle
Die Experten der Investmentgesellschaften gehen jedoch nicht davon aus, dass die Eurozone durch eine neue rechtspopulistische Regierung einem existenziellen Risiko ausgesetzt sei. Denn verfassungsrechtliche Hürden erschwerten einen Austritt des Landes aus der Union, auch wenn die öffentliche Meinung in diese Richtung tendiere.

Zumal die Wirtschaft in Italien gar nicht so schlecht läuft. Das Wirtschaftswachstum wurden zuletzt sogar auf 1,5 Prozent nach oben korrigiert. Dafür ist die Staatsverschuldung bei 131,8 Prozent des BIPs. Zum Vergleich: In der EU liegt die Verschuldung im Schnitt bei 83,1 Prozent.


Das volle Ausmaß wird sich erst zeigen

"Möglicherweise könnte von der künftigen Italo-Regierung sogar der europäische Markt betroffen sein", warnt etwa die britische Investmentgesellschaft Columbia Threadneedle in einem aktuellen Kommentar. „Das volle Ausmaß des Schadens wird sich erst zeigen, wenn das prekäre Regierungsprogramm in Politik umgesetzt wird“, schreibt Adrian Hilton, Leiter des Bereiches globale Zinsen und Währungen bei Columbia Threadneedle.

Viele Banken droht die Pleite

In Italien sind vor allem die Banken unter Druck und das nicht seit gestern. Nun könnten der neue Regierungskurs und dessen Auswirkungen auf die Wirtschaft, Kredite und Anleihen, vielen endgültig das Genick brechen. Schon vor den Wahlen war ein substanzieller Teil der regionalen und nationalen Banken nicht wettbewerbsfähig, vergaben nicht annähernd genug Kredite und waren mit zu vielen Schulden belastet. "Zwar zeigte der Rettungsfonds der Regierung seine Wirkung, die Bankenrettung der Monte dei Paschi im letzten Jahr war allerdings keine Blaupause, an der sich irgendjemand orientieren möchte. Einige der Banken werden nun insolvent gehen, viele werden fusionieren müssen", so Andrew Fraser, Head of Financial Credit Research bei Aberdeen Standard Investments.

Viele Ungewissheiten

Die aktuelle politische Unsicherheit beginnt damit dem Sektor besonders zuzusetzen, der ohnehin damit zu kämpfen hat, sich auf den Füßen zu halten. "Die Unsicherheit ist sogar so groß, dass es schwer ist, die Auswirkungen auf die Banken abschätzen zu können", warnt Fraser. Einerseits könne es dem notleidenden Kreditmarkt schweren Schaden zufügen, sollten die kürzlich geänderten Insolvenz-Gesetze wieder zurückgedreht werden. Andererseits könnte laut dem Kreditexperten von Aberdeen jede finanzpolitische Lockerung dem Wachstum und damit den Banken helfen. Es könnte aber ebenso die Schuldenstandsquote erhöhen, die bereits so hoch ist, dass sie unter Umständen auf die Banken zurückfallen könnte.

Unicredit vor nächstem Abschwung geschützt

Allerdings sind nicht alle Banken von dieser Untergangsstimmung betroffen. Unicredit und Intesa Sanpaolo haben die Substanz den jüngsten Ausverkauf selbst zu meistern. Außerdem haben beide Schritte in die Wege geleitet, um sich vor dem nächsten Abschwung zu schützen. Zusätzlich zur Abwicklung der Altlasten fauler Kredite, haben sie viel investiert, um ihr Risikomanagement und das Deckungssystem zu verbessern, was sicherstellen sollte, dass sich kürzlich bewilligte Kredite im nächsten ökonomischen Zyklus weitaus besser entwickeln.

Geld

Jeans-Ikone Levi's mit starkem Comeback an der Börse

Kommentar

Geld

Österreichische Aktien kaufen, bevor wieder Vernunft einkehrt

Geld

US-Aktien: Stehen neue Kursrekorde bevor?