Anleger setzen auf EZB-Chef Draghi - Börsen ziehen an

Anleger setzen auf EZB-Chef Draghi - Börsen ziehen an

EZB-Präsident Mario Draghi - Europas Wächter an den Geldschleusen.

Am Donnerstag wird Mario Draghi in der letzten Sitzung der Europäischen Zentralbank Stellung nehmen, ob er weiterhin Geld in den Anleihemarkt pumpen will. Und er wird auch ein Signal setzen, was die EZB An der Frankfurter Börse herrscht Rally-Stimmung: Der Leitindex DAX klettert auf ein neues Jahreshoch. Die 11.000er-Marke ist wieder in greifbarer Nähe. Anleger erwarten positive Signale seitens der EZB.

Legt Mario Draghi am Donnerstag noch ein Schäuferl nach? Das ist die Frage, die eigentlich von den Anlegern ein Tag davor schon beantwortet wurde. An den Börsen herrscht Hochstimmung. Die Anleger haben am Mittwoch vor allem an der Frankfurter Wertpapierbörse eins drauf gelegt. Und den Leitindex DAX in die Höhe gezogen. Ein Plus von 1,44 Prozent bedeutet einen Anstieg auf 10.929 Punkte - Jahresrekord. Erste Analysten glauben bereits, dass die Marke von 11.000 Punkten bald erreicht wird. Und auch der Londoner FTSE-100 sowie Euro-Stoxx-50 konnten am Tag vor der Draghi-Verkündung kräftig zulegen.

Wurde vorige Woche noch der Fall einer Ablehnung des Referendums in Italien größte Unsicherheiten für EU und Euro bezeichnet, einige Beobachter sahen gar die Gefahr einer Finanzkrise wie im Jahr 2008 dämmern, ist offenbar vom Tisch.

Die Anleger vertrauen offenbar auf Mario Draghi, dass er die Geldschleusen weiter geöffnet hält. Und auch bei den Ökonomen wurden letzte Zweifel beseitigt, dass der EZB-Rat unter Draghis Führung nicht weiterhin mit Anleihenkäufen in großem Stil einkauft. Bis März 2017 ist das Anleihenkaufprogramm vorerst terminiert. Ein vorzeitige Ende wird also nicht erwartet. aktuell pumpt die EZB rund 80 Milliarden Euro in den Markt. Denn die Inflationsrate in der Eurozone ist noch immer vom Zielwert in der Höhe von zwei Prozent entfernt. Es wird bereits damit gerechnet, dass die Anleihekäufe um weitere sechs Monate verlängert werden. Fraglich ist derzeit nur, wie viel Geld die EZB künftig einsetzen will.

Die Anleihenkäufe helfen nach Ansicht vieler Ökonomen vor allem hoch verschuldeten Staaten wie Italien, ihre Zinslast erträglich zu halten. Italien hat derzeit massive Probleme im Bankensektor. Das Bankhaus Monte dei Paschi (BMPS) muss sich einer Totalsanierung unterziehen. Das älteste Bankhaus der Welt will Schulden in Höhe von fünf Milliarden Euro in Aktien wandeln.

Die Sache mit dem Öl

"Mario Draghi wird nicht noch zusätzliches Öl ins Feuer gießen wollen", erklärte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der Liechtensteiner VP Bank zu Reuters. Hektische Reaktionen sind deshalb von der EZB nicht zu erwarten. So zeigte sich EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny schon kurz nach dem Referendum vom Sonntag vergleichsweise gelassen. Auch nach dem Nein der Italiener sei ein Ausscheiden des Landes aus dem Euroraum kein Thema, sagte der österreichische Notenbankchef: "Ich sehe überhaupt kein Anzeichen in diese Richtung."

Ein wenig anders sieht die Situation der Chef des deutschen ifo-Instituts Clemens Fuest. Er plädiert dafür, dass die Notenbank ab April die Anleihenkäufe allmählich auslaufen lassen soll. "Das Argument der EZB, die Inflationsrate im Euroraum sei zu niedrig, trägt 2017 nicht mehr", sagt Fuest. Die Teuerung wird demnach bis im Frühjahr anziehen und knapp unter der den von Draghis definierten 2,0 Prozent landen, weil der dämpfende Effekt der Ölpreise ab dem Jahr 2017 auslaufe. "Der Ausgang des Italien-Referendums ändert daran nichts", bekräftigt Fuest.

Warnungen vor der Rally

Der Optimismus der Anleger, die vor allem Bankentiteln eine Rally bescheren, wird nicht von allen Ökonomen geteilt. Es gibt Warnungen vor übereilten Käufen. "Anleger lehnen sich weit aus dem Fenster", warnte Jochen Stanzl, Analyst des Online-Brokers CMC Markets. "Sie nehmen Nachrichten vorweg. Geht das schief, ist am Ende die Ernüchterung groß."

Der europäische Banken-Index legte um 1,9 Prozent zu und sein italienisches Pendant sogar um 4,8 Prozent. Insidern zufolge will der italienische Staat seine Beteiligung an der krisengebeutelten Banca Monte dei Paschi di Siena (BMPS) aufstocken. Die Aktien des Geldhauses stiegen daraufhin um bis zu 10,7 Prozent.

Am deutschen Aktienmarkt gehörten Deutsche Bank und Commerzbank mit Kursgewinnen von bis zu 6,2 Prozent zu den Favoriten. An der Züricher Börse legten Credit Suisse zeitweise sogar 8,7 Prozent zu. Das Geldhaus strich zwar seine Gewinnziele zusammen, kündigte aber gleichzeitig zusätzliche Einsparungen von umgerechnet gut 900 Milliarden Euro an.

Auch am Anleihemarkt wetteten Investoren auf weitere EZB-Stützungskäufe. Dies drückte die Renditen der zehnjährigen Bundestitel auf 0,346 von 0,373 Prozent. Die vergleichbaren italienischen Papiere rentierten bei 1,894 Prozent, nach 1,958 Prozent am Vortag.

Die Anleger setzen ihr Vertrauen in die EZB - der DAX wieder auf dem Weg an die 11.000er-Marke.

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