Roter Montag an Europas Börsen: DAX unter 9.000 Punkten

Roter Montag an Europas Börsen: DAX unter 9.000 Punkten

Der deutsche Aktienmarkt ist seit Monaten unter Druck. Hauptgründe: Ölpreis-Verfall und schlechte Konjunkturdaten vor allem aus China. Auch der ATX und andere europäische Börsen mussten am Montag Federn lassen.

Der DAX ist zum ersten Mal seit eineinhalb Jahren wieder unter die Marke von 9.000 Punkten gefallen. Die anhaltenden Sorgen vor einem globalen Wirtschaftsabschwung ließen den deutschen Leitindex bis zum Montagmittag um rund 3 Prozent abrutschen.

Seit Monaten steht der Aktienmarkt unter Druck. Analyst Christian Albrecht von der DZ Bank: "Die Aktienmärkte befinden sich seit einigen Monaten in einem negativen Feedbackkreislauf, bestehend aus verhaltenem Gewinnwachstum, Deutungsschwierigkeiten des Marktes zur Rohölpreisentwicklung und Sorgen um das zukünftige Wachstum."
Das alte Jahr hatte der DAX noch bei gut 10.700 Punkten beendet. Seitdem ging es fast durchgängig abwärts. Hauptgründe sind der Ölpreis-Verfall und schlechte Konjunkturdaten insbesondere aus China. Zudem hatte sich jüngst der Euro wieder etwas gefestigt, was den Export erschwert. Auch Bankwerte kamen massiv unter Druck. Alleine seit Jahresbeginn stürzte die Aktie der Deutschen Bank um 33 Prozent ab. Der Grund: Die Bank musste Verluste in Höhe von sieben Milliarden Euro im Vorjahr bekanntgeben.

Wie weit es noch abwärts geht, darüber sind sich die Experten uneins. Jochen Stanzl von CMC Markets hält einen weiteren DAX-Rückgang bis 8.300 Punkte in den kommenden Wochen für möglich. Nach einer Umfrage des Forschungsinstituts Sentix ist die Stimmung der Anleger im Euroraum im Februar auf den tiefsten Stand seit Anfang 2015 gefallen

Wien und Europa unter Druck

Die Wiener Börse ist am Montag ebenfalls mit massiven Verlusten in die Woche gestartet. Der ATX fiel um 103,54 Punkte oder 4,86 Prozent auf 2.026,40 Punkte und damit den tiefsten Stand seit Oktober 2014. die Performance anderer europäischer Börsen um 17:30 Uhr: FTSE/London -2,65 Prozent und CAC-40/Paris -3,16 Prozent.

Belastet wurden Europas Börsen vom anhaltenden Ölpreisverfall, dem zuletzt erstarkten Euro und Sorgen um die Weltkonjunktur. Ausgelöst wurden diese auch von einigen zuletzt schwach ausgefallenen Konjunkturdaten aus China. Neue Nachrichten gab es zu Wochenbeginn zwar nicht, die jüngsten Börsenverluste dürften aber zu einer verschlechterten Charttechnik, Anschlussverkäufen und einer gewissen Eigendynamik der Märkte geführt haben, hieß es.

Für den Erste Group-Analysten Hans Engel sind die sich laufend eintrübenden Gewinnerwartungen der wichtigste Hintergrund der Börsenverluste. "Die Konsensusschätzungen für die Unternehmensgewinne wurden in diesem Jahr immer weiter nach unten revidiert", erklärt der Experte für internationale Aktienmärkte. Nach vielen Jahren steigender Gewinne seit 2009 könnte dieser Zyklus nun zur Neige gehen, so der Analyst.

Banken kommen unter die Räder

Besonders stark unter die Räder kamen zu Wochenbeginn europaweit die Bankwerte. Aus den aktuellen Konjunkturängsten erwachsen derzeit Sorgen über die Stabilität des Bankensektors, heißt es in einem Markkommentar von CMC-Markets. "Es werden böse Erinnerungen an die Finanzkrise wach", schreibt der CMC-Chef-Marktanalyst Jochen Stanzl. Einige internationale Bankkonzerne hatten zuletzt Milliardenverluste für das abgelaufene Jahr gemeldet.

Auch in Wien kamen die Bankwerte kräftig unter Druck. Erste Group büßten 7,57 Prozent auf 23,49 Euro ein. Raiffeisen verloren 6,86 Prozent auf 10,39 Euro. Noch kräftiger nach unten ging es mit Wienerberger, die Aktie des Ziegelherstellers büßte 11,01 Prozent auf 12,78 Euro ein.

Viele andere ATX-Schwergewichte schlossen ebenfalls tief im Minus. Immofinanz verloren 6,44 Prozent, Andritz büßten 4,23 Prozent ein und voestalpine 2,57 Prozent. Die einzigen Gewinner im prime market waren Valneva mit einem Plus von 0,45 Prozent auf 3,15 Euro. Das Unternehmen prüft nach eigenen Angaben derzeit die Entwicklung eines Zika-Impfstoffs. Dessen Erreger ist mit dem Virus verwandt, der die in Asien verbreitete Japanische Enzephalitis verursacht. Hierfür hat Valneva einen Impfstoff bereits im Angebot.

Neue Impulse werden jetzt von den am Freitag anstehenden US-Wirtschaftsdaten erwartet. Analysten erhoffen sich von den Zahlen vor allem Hinweise auf die Nachhaltigkeit des US-Konsums. Für Bewegung könnte auch die Ergebnisberichtssaison sorgen. Am Dienstag werden die Jahresergebnisse der Telekom Austria erwartet, am Mittwoch stehen Quartalszahlen der voestalpine an.

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