Anlage in Zertifikaten: Rendite bei Gegenwind

Auch wenn das Barometer an den Börsen auf Sturm steht - mit Zertifikaten, die auf Aktien oder Indizes als Basiswerte setzen, können Anleger Gewinne mit Risikobremse erzielen.

Anlage in Zertifikaten: Rendite bei Gegenwind

Ukraine-Krieg, Coronakrise, Inflation, Nullzinsphase -für Anleger hat es schon ruhigere Zeiten gegeben. Das Barometer an den Aktienbörsen steht auf Sturm. "Mit Kriegsausbruch hat sich die Stimmung verschlechtert. Es gibt zwar keine Panikverkäufe, aber die Anleger stehen an der Seite und warten ab", beschreibt Uwe Kolar, Head of Retail & Sparkassen Sales der Erste Group, die Stimmung.

Gibt es denn gar keine Möglichkeit, zumindest die Geldentwertung abzufangen, ohne voll ins Risiko zu gehen? Für Philipp Arnold, Head of Structured Products in der Raiffeisen Centrobank, gibt es sehr wohl Angebote, die zu turbulenten Börsenphasen passen. "Zertifikate sind gerade für die derzeitige Situation besonders geeignet. Das höhere Risiko, das aktuell im Markt ist, können Anleger nutzen, um höhere Erträge zu erzielen." Tatsächlich bieten Aktienanleihen und ähnliche Instrumente in Form vom Zertifikaten derzeit Renditen bis zu zwölf Prozent. Gefährdet sind diese nur bei einem Totalabsturz der Börsen.

Eine Rendite von rund fünf Prozent (abzüglich Steuer und Spesen) bringt das "Dividendenaktien Bonus &Sicherheit"- Zertifikat der Raiffeisen Centrobank (ISIN: AT0000A2WCB4). Sofern der Stoxx Global Select Dividend-Index die vorsichtig angesetzte Barriere von 49 Prozent nicht berührt oder unterschreitet, erhalten Anleger nach fünf Jahren für je 1.000 Euro Nominale 1.280 Euro zurück. Tritt der "Schadensfall" dennoch ein, bestimmt der Indexstand am Laufzeitende die Auszahlung. Mehr als 1.280 Euro gibt es aber nicht, auch wenn der Index mehr als 28 Prozent zugelegt hat. Sowohl Basiswert als auch Barriere machen das Zertifikat selbst für risikoaverse Anleger geeignet. Die Zeichnung ist bis 27. April möglich.



"Zertifikate sind gerade für die derzeitige Situation besonders geeignet."

PHILIPP ARNOLD, RAIFFEISEN CENTROBANK


Höhere Rendite bei höherem Risiko offeriert die bis 2. Mai in Zeichnung befindliche RCB "9,5% Europa Aktienanleihe" (ISIN: AT0000A2WV00). Basiswerte sind hier AXA, BMW und Siemens. Wird die Barriere, die bei 59 Prozent liegt, während der Laufzeit von zumindest einem Schlusskurs einer der zugrundeliegenden Papiere verletzt und schließt zumindest eine dieser Aktien am letzten Bewertungstag unter ihrem jeweiligen Basispreis, kommt es statt einer Barauszahlung am 3. Mai 2024 zur Lieferung der betreffenden Aktie.

Auf den zu erwartenden Aufschwung der Windenergie setzt die Erste Group mit ihrer "ERSTE Multi Fix Kupon Express Anleihe Windenergie 22-26" (ISIN: AT0000A2WSY2). Basiswerte dieser mit sechs Prozent p. a. verzinsten Aktienanleihe sind Vestas (Windkraftanlagen) und Örsted (Offshore-Windenergie). Eine vorzeitige Tilgung ist jährlich bei positive Entwicklung der Basiswerte möglich. Für den Fall der Verletzung der 50-prozentigen Rückzahlungsbarriere am Laufzeitende orientiert sich die Rückzahlung am Kurs der schlechter performenden Aktie, die physisch geliefert wird. Begebungstag ist der 2. Mai.

Jenes österreichische Papier, das von den hohen Energiepreisen am meisten profitiert, ist die Verbund-Aktie, die den Basiswert der "Erste Fix Kupon Express Anleihe auf Verbund" (ISIN: AT0000A2WST2) bildet. Die Bedingungen ähneln der "Fix Kupon Express Anleihe Windenergie", die Verzinsung beträgt allerdings - dem geringeren Risiko entsprechend - 4,5 Prozent.

Anleger, die ihr Verlustrisiko minimieren wollen, sind bei der "HVB Anleihe mit 98 %Mindestrückzahlung 05/2030" (ISIN: DE000HVB6HV1) gut aufgehoben. Das Papier bietet eine volle Partizipation an der positiven Performance des "Infrastructure Strategy Index". Die Zeichnungsfrist endet am 13. Mai, Rückzahlungstag ist der 17. Mai 2030.

Zum Teil sind die aktuell hohen Inflationsraten auf drastische Verteuerung von Rohstoffen zurückzuführen. Die wichtigsten europäischen Unternehmen dieses Bereichs sind im "Stoxx Europe 600 Basis Resources"-Preisindex zusammengefasst. Diesen aussichtsreichen Grundstoffindex hat die "HVB Indexanleihe mit Barriere, bezogen auf den STOXX® Europe 600 Basic Resources (Price) Index (ISIN: DE000HVB6J16) als Basiswert, gewählt. Die einjährige Indexanleihe ist mit 8,65 Prozent verzinst. Die Zeichnungsfrist endet am 22. April. Eine Rückzahlung zu 100 Prozent erfolgt, sofern der Index am letzten Beobachtungstag, dem 20. April 2023, die Barriere von 80 Prozent nicht verletzt hat. Rutscht der Index aber tiefer ab, orientiert sich die Rückzahlung an der negativen prozentuellen Entwicklung dieses Index.

Für Anleger, die das volle Aktienrisiko meiden wollen, bieten diese Zertifikate die Chance auf teils beachtliche Seitwärtsrenditen.


Der Artikel ist der trend. PREMIUM Ausgabe vom 15.4.2022 entnommen-

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