Die Angst vor Trump: Die Flucht in sichere Anlagen beginnt

Die Angst vor Trump: Die Flucht in sichere Anlagen beginnt

Sieht so der neue Präsident der Vereinigten Staaten aus? Die Anleger fürchten das zumindest mehr denn je.

Das neuerliche Hochkochen der E-Mail-Affäre Clintons durch Ermittlungen des FBI hat die Anleger in Angst und Schrecken versetzt. Welche Geldanlagen als Schutz vor Trump nun gefragt sind und aus welchen die Flucht eingesetzt hat und wie Profis die weitere Entwicklung einschätzen.

Eine Woche vor den US-Wahlen sind die Anleger hochgradig nervös. Grund dafür, ist die Aussicht, dass Donald Trump doch die US-Präsidentenwahl gewinnen könnte. Zum ersten Mal seit Mai liegt Donald Trump in einer Umfrage des Senders "ABC" und der "Washington Post" vor Hillary Clinton.

Seit das FBI offenbar ernste Ermittlungen gegen Hillary Clinton, wegen der privaten Nutzung ihres Servers für dienstliche Mails, durchführt, herrscht nicht nur unter Wählern, sondern auch unter Anleger, pure Angst. Angst dass Trump gewinnen könnte und so die Entwicklung des Landes auf den Kopf stellen könnte. Trump gilt wegen seiner Unberechenbarkeit bei den meisten Analysten als Börsenschreck. So wird unter anderem befürchtet, dass nach einem Wahlsieg Trumps, die Unabhängigkeit der US-Notenbank in Frage gestellt werden könnte. Einer von vielen Gründen warum Anleger ihre Devisen in Sicherheit bringen und ihr in Dollar denominiertes Geld in Euro oder Schweizer Franken umschichten und wieder verstärkt auf Gold setzen und aus Aktien flüchten.

Raus aus dem Dollar, rein in den Franken und den Euro

So ist der Dollar zu allen Währungen unter Druck geraten. "Die US-Wahl ist der entscheidende Treiber am Devisenmarkt", so Ulrich Leuchtmann, Devisenspezialist bei der Commerzbank. Die Flucht in sichere Währungen macht sich auch beim Euro bemerkbar. Die europäische Gemeinschaftswährung ist seit Freitag gegenüber dem Dollar auf 1,104 Dollar gestiegen. Zeitweise kostete der Dollar nur 1,096.

Der Euro gewinnt gegenüber dem Dollar wieder an Wert.

Der Euro gewinnt gegenüber dem Dollar wieder an Wert.

Die Aussichten für einen stärken Dollar earchtet Richard Lawrence vom US-Investmentgiganten Legg Mason dennoch als gut. Sollte Trump gewinnen, könnte dies eine starke Rallye des Dollar nach sich ziehen, da der Markt dann mit einer eher protektionistischen Haltung rechnet. Diese würde den Dollar pushen, da die US-Konsumenten in einem solchen Umfeld weniger importierte Waren kaufen würden.“ Doch ganz praktisch betrachtet, seien Trumps Möglichkeiten, das in seinen Augen schlimmste Handelsabkommen überhaupt, das nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA), „zu zerreißen“, eher begrenzt. „NAFTA ist ein Doppelabkommen und Mexiko ist für 21 der US-Staaten der erste oder zweite Exportmarkt“, fasst Lawrence zusammen.

Schweizer Franken im Aufwind

Auch der Schweizer Franken, die klassische Fluchtwährung, stieg sowohl gegenüber dem Dollar als auch gegenüber dem Euro kräftig. Der Franken bleibt deutlich überbewertet“, sagte der Präsident der Schweizerischen Notenbank SNB, Thomas Jordan. Das läuft den Interessen der Schweizer jedoch massiv zuwider, ist es doch das Ziel der Notenbank den Franken zu schwächen, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln.

Gold auf Monatshoch

Der Goldpreis hat seit der Veröffentlichung des FBI-Berichts über Clinton am 31 Oktober ebenfalls zugelegt, nachdem der Goldpreis in den vergangenen drei Monaten knapp fünf Prozent nachgegeben hat. Sinkt der Wert des US-Dollar weiter, steigen die Chancen, dass Gold in der Gunst der Anleger ebenfalls weiter steigt, sind diese beiden Entwicklungen doch meist miteinander gekoppelt.

Wenn die Welt unsicher wird, wird Gold immer wieder aufs Neue zum Fels in der Brandung.

Dass sich bei einer Wahl Trumps sich die Anleger mit Gold eindecken, glaubt Edelmetallexperte Martin Siegel von der Investmentboutique Stabilitas aber nicht.

An den Aktienmärkten geht es bergab

Eine Woche vor der US-Wahl rutschen die Aktienkurse weltweit ab. Nachdem es an der Wall Street und den Börsen in Asiens abwärts ging, verliert auch der Dax weiter. Die Unsicherheit hat eine Woche vor den US-Wahlen deutlich zugenommen, was auch an einem steigenden Volatilitätsindex (VIX) abzulesen ist, der auf dem höchsten Stand seit Mitte September notiert.

Der deutsche Aktienindex Dax: Das Absacken der Kurse der vergangenen Tage spiegelt die Angst der Börsianer vor Trump wider.

Trump-Sieg nicht eingepreist

All das bietet einen Vorgeschmack was passieren könnte, wenn der umstrittene Kandidat doch das Rennen macht. Der Fondsgesellschaft Columbia Threadneedle Investments zufolge scheinen die Märkte und die Volatilität keinen Trump-Sieg eingepreist zu haben. „Das könnte ein Risiko darstellen, falls das Unerwartete doch eintritt“, schreibt Mark Burgess, Chef globale Aktien-Chef bei Columbia Threadneedle Investments in einem aktuellen Kommentar.

Nach Trump-Wahl bald wieder Status quo an den Märkten oder beginnt das Desaster?

Wie die Börsen nach einer möglichen Wahl Trumps reagieren würden, darüber sind sich die Experten nicht einig. Burgess gibt Entwarnung: „Wie auch immer die Wahl ausgehen wird, aus der Vergangenheit wissen wir, dass es nach Amtsantritt eines neuen Präsidenten zumeist zu einem deutlichen, aber kurzfristigen Kurseinbruch an den Aktienmärkten kommt, bevor der Markt wieder zum Status quo zurückkehrt.“ Obwohl beide Parteien eine größere Neigung zu einer lockeren Geldpolitik zeigten als in der Vergangenheit, könne es angesichts der politischen Gräben im Land kurzfristig nicht kommen. Pessimistischer dagegen ist Martin Siegel von der Investmentboutique Stabilitäs: "Die Wahl Trumps wären für die Börsen ein Desaster."

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