Die Angst der Rentenmärkte vor dem Brexit

Daumen hoch oder Daumen nach unten? Wenn sich die Briten für einen Verbleib in der Europäischen Union entscheiden, haben die Renditen Luft nach oben, andernfalls dürfte die Reise in die andere Richtung gehen.

Brexit Europakarte

Brexit Europakarte

In den letzten Wochen bestimmten zwei Themen die Entwicklung an den Rentenmärkten: Die Tatsache, dass die EZB begonnen hat, auch Unternehmensanleihen in ihr Anleihenkaufprogramm aufzunehmen, und das anstehende Referendum der Briten zum Brexit.

Das große Bild zeigt derzeit zwar noch eine gewisse Wahrscheinlichkeit für einen Verbleib der Briten in der EU, an den Märkten ist die Unsicherheit über die möglichen Folgen dennoch enorm. So fielen 10-jährige deutsche Renditen am Dienstag erstmals unter Null, während Emerging Markets und Hochzins - Anleihen deutlich verloren. Bis zum 23 Juni, dem Tag der Brexit Entscheidung, dürften die Märkte sehr anfällig bleiben. Erst nach dem endgültigen Ergebnis wird man sich wieder auf fundamentale Daten besinnen.

Sollten sich die Briten für einen Verbleib entscheiden, hätten die Renditen Potential nach oben, bei einem "leave" würde sich das Sicherheitsbedürfnis hingegen - zumindest kurzfristig - noch verstärken.

Der Brexit und die Fed

Interessant ist in dem Zusammenhang, dass der drohende „Brexit“ auch bei der jüngsten Sitzung der US Notenbank offenbar durchaus eine Rolle gespielt hat. Die Fed beließ die Zinsen unverändert, senkte allerdings ihre Prognose vor allem für die Zahl der Anhebungen in 2017 und 2018. Für heuer hält sie weiter an zwei geplanten Anhebungen fest, die Zahl jener Mitglieder, die nur eine Anhebung sehen, steigt aber.

Bei der Entscheidung spielte der schwache US Arbeitsmarktbericht für Mai wohl eine große Rolle – es wurden ja nur 38.000 neue Stellen geschaffen. Aber auch die Gefahr, dass sich die Briten am 23. Juni für ein Ausscheiden aus der EU aussprechen könnten, sei ein Thema gewesen, so die Vorsitzende Yellen bei der Pressekonferenz. Offenbar will die Fed unmittelbar vor dem so wichtigen Referendum dem Markt keine weitere Liquidität entziehen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Tatsache, dass einige US Beobachter über die Berücksichtigung solcher internationaler Faktoren bei der Entscheidungsfindung der Fed nicht glücklich sind. Natürlich ist die US Notenbank nur dem Kongress verpflichtet und hat sich per Gesetz ausschließlich auf die US Konjunktur zu konzentrieren. Dennoch ist auch die USA Teil einer globalisierten Welt und muss daher mit der Rückkoppelung der internationalen Entwicklungen leben.


Monika Rosen ist Chefanalystin, Bank Austria Private Banking.
Twitter: @Monika_Rosen

Monika Rosen

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