US-Wahl: Die Analyse der Börsenexperten

US-Wahl: Die Analyse der Börsenexperten

Wird Wahlsieger Donald Trump seine Versprechungen umsetzen und wenn ja mit welchen Auswirkungen?

Drohen nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten Rezession und ein Börsencrash? Große Investmentgesellschaften sehen die Entwicklung nicht so schwarz und sind vorsichtig optimistisch. Analysten zu den Auswirkungen der Wahl in den USA auf die Finanzmärkte.

Donald Trumps Wahlsieg hat die Finanzmärkte der Welt eiskalt erwischt. Doch der Schock währte zumindest unter Börsianern nur kurz. Die großen Märkte erholen sich vielfach bereits wieder. Nun stellt sich die Frage, ob ein Präsident Trump nun eine Gefahr für die Wirtschaft und die Börsen oder gar eine Chance ist? trend.at fasst die ersten Analysen renommierter Investmentgesellschaften zusammen.


Deutsche Bank

Kurzfristig erwarten die Asset Manager der Deutschen Bank, dass die Kursschwankungen im Schatten der Wahlen weiter hoch bleiben.
"Doch mittelfristig gibt es einige Gründe, wieder mit Entspannung zu rechnen", so die Deutsche Asset Management in ihrer heutigen Analyse: "Historisch betrachtet haben die Märkte republikanische Siege an den Wahlurnen tendenziell goutiert. Republikaner an der Macht bedeuten normalerweise Bürokratieabbau, zügigen Fortschritten bei der Reform der Unternehmenssteuer, und auch sonst niedrigeren Steuern.

Bei diesen Themen findet sich Trump auf einer Linie mit der republikanischen Führung im Kongress. Gut möglich also, dass am Ende eine mehr oder weniger konventionelle republikanische Politik herauskommt und man auf die Umsetzung von wirtschaftlich schädlichen Wahlversprechen etwa im Außenhandel oder bei der Zuwanderung noch lange warten wird." Die Deutsche Asset Management zitiert dazu Trumps Aussage vom Mai:

"Schauen Sie, alles was ich heute sage – ich bin nicht der Präsident. Alles sind nur Vorschläge. (…) Ich bin total flexibel, bei vielen, vielen Themen, und glaube, das muss man auch sein."

Die Deutsche Asset Manager weiter: "Trump hat gerade die amerikanische Präsidentschaft gewonnen, ohne jemals davor für ein öffentliches Amt kandidiert zu haben. Er lernt offensichtlich schnell."


Union Investment

Björn Jensch, Portfoliochef, des deutschen Investmentriesen Union Investment, schreibt in einem ersten Statement: "Das Bild ist nicht eindeutig negativ, sondern schlicht unklar."

Im besten Fall erwachse daraus eine Politik, die lange aufgeschobene Projekte und Reformen umsetze und damit die US-Wirtschaft nachhaltig stärke. Die heftigen Marktbewegungen im Anschluss an die Wahlnacht würden aber zeigen, dass die Märkte dieses Szenario noch nicht einpreisen. Das Bild könne sich ändern, wenn mehr Klarheit hinsichtlich der politischen Agenda und der Besetzung von Schlüsselpositionen im Präsidentenstab herrsche. Jensch: "So lange sich nicht abzeichnet, in welche Richtung Donald Trump die USA politisch und wirtschaftlich steuert, wird die Unsicherheit an den Märkten hoch bleiben. Dementsprechend erwarten wir eine anhaltend hohe Schwankungsintensität ohne zwingend negativen Trend quer durch alle Assetklassen."

Jensch rät Anlegern daher:

  • Besetzung von Schlüsselpositionen im Auge behalten: Als Investor ist es unerlässlich, ein Auge darauf zu haben, wen Trump in seinen Beraterstab und in die Ministerien beruft. Auch auf die Besetzung von Supreme Court und US-Notenbank, beides für die Märkte von höchster Wichtigkeit, hat der US-Präsident Einfluss.
  • Entwicklung der internationalen Beziehungen der USA beobachten Trump hat im Wahlkampf unter anderem durch protektionistische Tendenzen international für einigen Aufruhr gesorgt. Wichtig ist daher die Frage, wie er globalen Handelspartnern sowohl auf inhaltlicher als auch auf persönlicher Ebene begegnen wird.

Assenagon

Martin Hüfner,Chefvolkswirt des Vermögensverwalters Assenagon, dessen Haus rund 17 Milliarden Euro verwaltet, meint: "Erfahrungsgemäß werden Risiken überschätzt, die Grundstruktur der Volkswirtschaften dagegen unterschätzt."

Daraus ergebe sich die Neigung, bei Marktausblicken die Risiken höher zu gewichten als die Chancen. Die fundamentalen Bedingungen des kommenden Jahres seien jedoch nicht schlecht: "Es gibt Wachstum in der Weltwirtschaft. Es ist zwar nicht so hoch, wie wir uns das wünschen. Aber es ist groß genug, dass die Unternehmen weiter expandieren und Geld verdienen können", argumentiert Hüfner. Er habe unter den wichtigen Prognosen für das nächste Jahr keine gesehen, in der eine stärkere Rezession für die USA oder für Europa angenommen wird. Sein Tipp: "Schauen Sie auch nach den US-Wahlen nicht nur auf die Risiken, sondern auch auf die fundamentalen Stärken und Schwächen der Volkswirtschaften."

Die ökonomischen Fundamentaldaten sind laut Hüfner intakt. Die Arbeitslosigkeit hat in vielen Ländern abgenommen. Es werden wieder Stellen geschaffen. Der Geldwert ist stabil. Die Deflation, die immer das Risiko eines Absturzes mit sich bringt, ist nach Einschätzung von Hüfner eingedämmt. Andererseits gibt es keine Gefahren, dass die Preise zu stark steigen könnten. "All das bildet insgesamt eine gute Basis für die Börsen im kommenden Jahr", so der Chefvolkswirt.


Alpenbank

Die US-Wirtschaft als auch die europäische Wirtschaft sind in einer stabilen Verfassung, glaubt auch die Alpenbank. "Schockartige Reaktionen seien daher sehr unwahrscheinlich. Es droht keine Rezession, weder in den USA noch in Europa. Dies sollte insbesondere die Aktienmärkte auch mittelfristig eher stützen."


Risiken nach den Wahlen in den USA

"Die Unberechenbarkeit Trumps und seine politische Unerfahrenheit sind Grund genug, die kommenden Monate etwas vorsichtiger anzugehen. Die Berichterstattung dürfte negativ dominiert bleiben. Würde er nur die Hälfte seiner markigen Versprechungen aus dem Wahlkampf einlösen, dürfte dies bereits für viel Unruhe sorgen", glaubt Stefan Kreuzkamp, Chefinvestor der Deutsche Asset Management.

Das größte Problem sehen die Analysten darin, dass sie Trumps Wahlversprechunen nicht trauen. "Wir sind unsicher, ob die Ankündigungen vor Trumps Wahl auch tatsächlich umgesetzt werden", so Mark Burgess, Aktienchef von Columbia Threadneedle. Die britische Fondsgesellschaft verwaltet 414 Milliarden Euro.

Risiko Protektionismus

  • Strafzölle. Sollte Trump den angekündigten Handelsprotektionismus umsetzen und in Folge dessen das geplante Handelsabkommen TTIP nicht umsetzen. "Es kann als sicher angesehen werden, dass TTIP tot ist", so die Alpenbank. Laut Einschätzung von Raiffeisen Research handelsoffene Volkswirtschaften leiden. "Dazu zählen Länder, die stark in die USA exportieren, vor allem Mexiko, China, Deutschland oder Kanada", analysiert Krentschker Vorstand Eberan. Einfuhren aus China und Mexiko will er beispielsweise mit hohen Strafzöllen belegen, das könnte einen Handelskrieg auslösen und letztendlich die US-Wirtschaft erheblich belasten. Ein Viertel der US-Exporte fließt nach Mexiko und nach China. Wenn die Importe aus diesen Ländern mit Strafzöllen belegt würden, ist davon auszugehen, dass diese Länder umgekehrt auch die Importwaren aus den USA mit einem Strafzoll belegen. Die DZ Bank: "Letztendlich wären Belastungen für die US-Exportwirtschaft die Folge und gerade die einkommensschwächeren Haushalte würden unter verteuerten Konsumgütern leiden."
  • Ölpreis und Emerging Markets Zudem dürften laut Raiffeisen Protektionismus-Sorgen auch große Emerging Markets und den Ölpreis belasten. Alexander Eberan, Vorstand der Krentschker Privatbank: „Da Handelsabkommen zu Arbeitsteilungen führen, könnte das zu Handelskonflikten mit negativen Auswirkungen auf die US-Außenpolitik und die US-Wirtschaft führen.“ Union Investment in einem Statement: "Wichtig ist daher die Frage, wie er globalen Handelspartnern sowohl auf inhaltlicher als auch auf persönlicher Ebene begegnen wird." Sollte Trump dieses Vorhaben jedoch umgesetzen, ist "der angekündigte Handelsprotektionismus die wahrscheinlich die größte Bedrohung für die Wirtschaft", so Threadneedle Aktienboss Burgess.
  • Wachstumsdynamik. Mittelfristig dürfte der Politikentwurf von Donald Trump jedoch aufgrund des geplanten Protektionismus zu einer spürbar geringeren Wachstumsdynamik binnenwirtschaftlich wie global führen, so die DZ Bank.
  • Russland. "Trotz einiger Pro-Russland Äußerungen von Trump, die Hoffnungen auf einen raschen Ausstieg aus den Sanktionen machen, steigen auch die Ereignisrisiken", analysiert Raiffeisen Research. Der Effekt protektionistischer Maßnahmen könnte eine mögliche Annäherung USA-Russland überlagen, so die Begründung.

Risiko Geldmärkte

  • Notenbank Fed. Als Präsident hat Trump hat großen Einfluss auf Wahl des nächsten Notenbankchefs. Er hat wiederholt die Unabhängigkeit der Zentralbank stark in Frage gestellt. Ungewiss ist, wer in Zukunft bei der US-Notenbank den Ton angibt. "Das Verhältnis des neuen US-Präsidenten zur US-Notenbank ist völlig unklar. Seine Aussagen im Wahlkampf zur US-Geldpolitik waren widersprüchlich. Dementsprechend kann man jetzt nicht mehr vorhersagen, in welche Richtung sich die US-Geldpolitik in den kommenden Monaten entwickeln wird", warnt die Alpenbank.
  • Inflation. Die Inflation könnte der Einschätzung von Columbia Threadneedle und der Deutschen Asset Management zufolge steigen.
  • Rentenmärkte. Höhere Inflation und höhere Zinsen durch Konjunkturprogramme könnten zudem die Rentenmärkten einbrechen lassen.

Weitere Risiken

  • Massenabschiebung. Als Gefahr für das amerikanische BIP-Wachstum gilt die von Trump geplante Abschiebung von illegalen Ausländern. Diese sind Konsumenten und zumeist billige Arbeitskräfte. Experten gehen davon aus, dass - falls der Plan exekutiert wird - fünf bis sechs Millionen Arbeitskräfte das Land verlassen müssen. Die Inhaftierung und Abschiebung dieser Arbeitskräfte dürfte einige Betriebe in diesen Branchen in ernsthafte Schwierigkeiten bringen. Vor allem die Branchen Landwirtschaft, Gastronomie und Bauwirtschaft wären betroffen.
  • Kapitalabfluss. Massive Kapitalabflüsse aus den USA erwartet die DZ Banker zunächst nicht, glaubt aber, dass sich das Volumen der Neuinvestitionen rückläufig entwickeln könnte.
  • Schwacher Dollar. „Die Faktoren, die das Wachstum der USA hemmen könnten, würde den Dollar schwächen“, so Eberan von Krentschker. Er fürchtet auch höhere Kursschwankungen bei der Währung.

Chancen nach den Wahlen in den USA

  • Wirtschaftswachstum, Arbeitsplätze. Trump hat Steuersenkungen in Höhe von insgesamt 4,4 Billionen US-Dollar in den nächsten zehn Jahren angekündigt. Durch seine Steuerpolitik soll das Wirtschaftswachstum auf rund vier Prozent steigen, wodurch dann rund 25 Millionen neue Arbeitsplätze entstehen würden. Die Einkommenssteuer soll nur noch mit drei statt mit sieben unterschiedlichen Tarifsätzen erhoben werden und der Spitzensteuersatz soll von knapp 40 auf 33 Prozent gesenkt werden.
  • Unternehmenssteuern Nimmt man Trump beim Wort, so plant der Republikaner insgesamt deutlich niedrigere Steuern und höhere Ausgaben. Unternehmenssteuern könnten von 35 auf 15 Prozent sinken.Die Alpenbank dazu: "Trump wird vor allem die Unternehmenssteuern senken. Das ist sicherlich ein Vorteil für den US-Aktienmarkt."
  • Konjunkturpaket. Höhere Ausgaben laufen de facto auf ein milliardenschweres staatliches Konjunkturprogramm hinaus. Das zu einem Zeitpunkt, an dem die USA bereits ohnehin nahe an der Vollbeschäftigung sind. Die Deutsche Asset Management: "Sollte dies nur annähernd so umgesetzt werden, würde das kurzfristig höheres Wachstum bringen, gefolgt von höherer Inflation und höheren Zinssätzen. Die relative Ruhe im Rentenmarkt wäre wohl nur von kurzer Dauer."
  • Konsum. Der Konsum könnte durch massive Steuerentlastung von Geringverdienern im Inland angekurbelt werden. Bürokratieabbau für inländische Unternehmen könnte die US-Binnenwirtschaft ebenso stützen.
  • Bürokratie-Abbau. Die Flut an Vorschriften könnte reduziert werden. Darüber hinaus will er ein Regulierungs-Moratorium durchführen, um die Flut an Vorschriften und Regulierungen zu reduzieren. Dies soll vor allem die Unternehmen
    entlasten.

Sektoren, die profitieren könnten:

  • Fossile Brennstoffe: Trump hat immer wieder davon gesprochen, die Energieunabhängigkeit der USA forcieren zu wollen. Er hat auch angekündigt strenge Regulierungen für den Kohlemarkt aufzuheben. Auch die Öl- und Gasindustrie dürfte laut Raiffeisen Research in den Genuss weniger Regularien kommen. Davon dürften etwa Pipelinebetreiber profitieren. Allerdings, schränkt Raiffeisen ein, sind solche Auswirkungen vielfach erst langfristig zu spüren. Die betreffenden börsennotierten Unternehmen könnten aber schon im Vorfeld Kursgewinne verbuchen.
  • Pharmabranche: Nach Einschätzung von Raiffeisen Research dürfte der Pharmasektor von einem Sieg Trumps am eindeutigsten profitieren. So dürften die strikte Preiskontrolle in der bisherigen Form wohl der Geschichte angehören und die Branche sich so wieder über höhere Gewinne freuen, erwartet Erik Weisman, Chefökonom von MFS Investment Management.
  • Finanzbranche: Für den Finanzsektor kündigte Trump an, die jüngsten Regulierungsmaßnahmen (Dodd-Frank Act) fast zur Gänze streichen zu wollen. Strenge Vorschriften könnten damit nicht nur in der Kohle- und Pharmabranche, sondern auch in der Finanzbranche entschärft oder aufgehoben werden. Raiffeisen-Research: "Wir halten es aber für wahrscheinlich, dass Trump das umfangreiche Regelwerk für Banken, auf das sich diese sechs Jahre lang eingestellt haben, vorerst eher nicht anfassen wird, zumal er andere Prioritäten hat.
  • Infrastruktur: Als klaren Gewinner sieht die britische Fondsgesellschaft Columbia Threadneedle Unternehmen der Infastrukturbranche. Der Fokus liegt auf den Bau oder die Sanierung von Straßen, Brücken, Flughäfen und anderen Sektoren, die von Übernahmen profitieren, da Trump von einer Konsolidierung der Industrie überzeugt sei.

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