Tech-Aktien: Warum der Boom anhalten könnte

Techaktien, die Retter in der Corona-Not aller Shutdown-Betroffenen, werden an der Börse gefeiert. Ist nach der Hype nach Kurszuwächsen von bis zu 70 Prozent in vier Wochen ausgereizt oder stehen diese vor einem langfristigen Anstieg.

Tech-Aktien: Warum der Boom anhalten könnte

Die Wirtschaft liegt in Trümmern, aber nicht allen Unternehmen kann das was anhaben. Manche erleben so gar einer der größten Boomphasen ihrer Firmengeschichte. Es sind vor allem die Retter in der Not, die nun über hohe Umsatzzuwächse freuen können - und werden dafür an der Börse gefeiert. Nicht für die Kranken, sondern für die Daheimgebliebenen, die zur sozialen Isolation gezwungen sind, vorwiegend praktiziert in den eigenen vier Wänden. Es sind die bekannten Namen, die die Börsencharts wieder einmal aufs Neue anführen. Technologieaktien wie Amazon, Telsa, Apple, Netflix oder Facebook.

Der große Gewinner dieser Krise ist wohl Amazon. Die Aktie des Onlinehändlers hob in den vergangenen vier Wochen um mehr als 50 Prozent ab. Mitten drinnen im Börsenhype auch Tesla. Der Titel des Autobauers legte in der vergangenen Woche um 30 Prozent zu, im letzten Monat gar um 71 Prozent. Für die Apple-Aktie ging es um 20 Prozent nach oben. Auch Netflix zählt im Corona-Stillstand zu den großen Gewinnern. An der Börse hat der Online-Videodienst, der Wert ist seit Jahresbeginn um 38 Prozent gestiegen, sogar den Hollywood-Giganten Disney überholt.

Techaktien auch in der ersten Corona-Panik nicht stärker abgestürzt als andere
Der erste Hinweis, dass Technologiewerte sich gut in der allgemeinen Corona-Panik halten, war dass die großen Technologie-Werte nicht stärker fielen als der Gesamtmarkt. Normalerweise tendieren wachstumsstarke Werte in der Anfangsphase eines starken Ausverkaufs viel stärker zu fallen als andere.
Die Konzerne haben allesamt eines geschafft: Sie waren in einer Zeit einsatzfähig, in der andere Unternehmen durch die Krise die Hände gebunden waren.

Amazon: Bestellvolumen um 50 Prozent gestiegen
Amazon und Ebay haben davon profitiert, dass viele Menschen ihre Einkäufe in das Internet verlagert haben. In Amerika ist der Ansturm beim Onlinehändler Amazon derzeit so groß, dass sie mit der Auslieferung der Bestellungen kaum noch nachkommen. Das Bestellvolumen ist laut US-Medienberichten um 50-mal höher sein als sonst. Während viele Firmen Mitarbeiter entlassen, stockt Amazon das Personal auf, zunächst wurden 100.000 neu eingestellt, dann wurden weitere 75.000 Stellen ausgeschrieben. Auch Netflix ist ein typischer Fall eines Krisengewinners. Der Online-Videodienst profitiert wie wenige andere Firmen davon, dass zahlreiche Menschen weltweit zuhause bleiben. Es profitiert aber Tesla, der im Gegensatz zu den allermeisten Autoherstellern, schon länger groß im Onlineverkauf tätig ist.

Die Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie haben zunächst kurzfristig zu großen Veränderungen in der Arbeitsweise und persönlichen Gewohnheiten geführt. „Diese wurden durch die technoloisierte Welt, in der wir leben, erst in dieser Form möglich“, so Mark Hawtin, Chef für Technologieaktien bei GAM Investments. Doch ist der Hype, um die Retter in der Corona-Not, durch ihre Onlinedienste, nachhaltig?

Cloud macht große Datenmengen im Home-Office zum Kinderspiel
Fest steht: Das Arbeiten und die Kommunikation aus der Ferne wurden durch Cloud-Lösungen erheblich vorangetrieben. Diese erlauben es, von überall aus, auch große Datenmengen unkompliziert und für jedermann zu speichern.

Coronakrise als Treiber für strukturellen Wandel
So ist etwa die Amazon-Aktie nicht nur wegen des Onlinehandels gestiegen, sondern auch wegen der Cloud. Noch vor zehn Jahren wäre das eine solche Entwicklung bei der Datenspeicherung nicht möglich gewesen. GAM Investment rechnet damit, dass Corona die Digitalisierung nicht nur während der Krise sondern auch danach massiv vorantreiben, weswegen der Bedarf an Speicherkapazitäten auch weiter stark steigen werde.
Die Experten von Jefferies haben deshalb auch das Kursziel für Amazon von 2.300 auf 2.800 Dollar angehoben. Corona treibt die Digitalisierung massiv an, weswegen der Bedarf an Speicherkapazitäten stark steigt, so auch ihr Argument.

Diese Entwicklung untermauern auch andere Beispiele: Microsoft etwa verzeichnete einen 775prozentigen Anstieg der Cloud-Nachfrage in jenen Ländern, die ihre Bevölkerung coronabedingt in Isolation geschickt haben. Das spanische Telekomunternehmen Telefonica berichtete, dass das für 2020 erwartete Wachstum des Cloud-Geschäfts durch den Shutdown binnen weniger Tage erreicht wurde. AT&T und Verizon, die größten Telekommunikationsanbieter in den USA, haben einen Sprung jeweils über 20 Prozent Verkehrsaufkommen erlebt.


Pandemie wird den Wandel beschleunigt und zu einer Veränderung der Lebensmuster führen

Video- und Sprachkonferenzen in Asien weiterhin stärker gefragt
Die offensichtlichsten Nutznießer, Video- und Sprachkonferenzen, sind in der Corona-Krise ebenfalls stark gewachsen. Die Webex-Nutzung ist um 240 Prozent gestiegen, Facebook und WhatsApp-Messaging um 50 Prozent und Videoanrufe um 200 Prozent. „In Asien, wo die Isolationsmaßnahmen schon länger gelockert wurden, werden diese Technologien nach wie vor stark genutzt“, bemerkt Hawtin von GAM Investments und resümiert „Wir glauben, dass diese Pandemie den strukturellen Wandel beschleunigt hin zu Cloud-Lösungen, zur Home-Office-Arbeit und zu einer Veränderung der Lebensmuster. Ein Wandel der dauerhaft sein könnte."

Tesla: Unangefochtener Marktführerschaft bei E-Auto-Absatz und Reichweite
The winner takes it all, gilt auch für Tesla, wenn die hochfliegenden Kruse mitten in der Krise, auch nicht so vorhersehbar waren, als die eine oder andere Digitalsierungsgewinner. Das liegt nur zum Teil daran, dass die Autos seit jeher auch online verkauft werden. Die Credit Suisse begründet etwa sein erhöhtes Kursziel für die Aktie, damit dass die Viruskrise den Wettbewerbsvorteil beim Übergang zu Elektroantrieben erhöht. Dieser Übergang werde nun für andere Autohersteller nun noch schwerer zu stemmen sei, begründete die Bank die Anhebung des Kursziels Anfang April auf 580 Dollar. Doch diese Kursziel hat die Aktie längst hinter sich gelassen. Aktueller Stand der Rallye: 747 Dollar. Goldman Sachs traut den Kaliforniern aber noch mehr zu. Erst Mitte April nahm Goldman Sachs den Elektroauto-Hersteller mit einer Kaufempfehlung und einem Kursziel von 864 Dollar in seine Bewertung auf. Aus Sicht der US-Bank ist Tesla klarer Marktführer beim Absatz von Elektroautos und bei den Batterie-Reichweiten und dürfte das noch lange bleiben.

Jetzt bei diesen hochgeflogenen Werten hinterher zu springen, könnte sich nach diesem steilen Anstieg der letzten Wochen, als riskant erweisen. Besser einen ordentlichen Rücksetzer abwarten, als dem Hype hinterher zu hechten.

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