Erneuter Kursabsturz: Aktienkurs von Wirecard im freien Fall

Erneuter Kursabsturz: Aktienkurs von Wirecard im freien Fall

Die Wirecard-Aktie im freien Fall: Nach den Berichten von FT haben die Ermittler nun die Niederlassung in Singapur durchsucht.

Der Münchner Zahlungsdienstleister Wirecard, gegründet von CEO Markus Braun aus Wien, bekam in einer Auslandsniederlassung nun Besuch von den Ermittlern. Nach dramatischen Kursbeben in der Vorwoche ging der Kursabsturz zum Wochenschluss weiter. Wirecard dementiert abermals die von der "Financial Times" erhobenen massiven Vorwürfe.

Aschheim. Wirecard kommt nicht zur Ruhe. Nach mehreren Exklusiv-Story der "Financial Times" über Manipulationen an Konten und Dokumenten haben nun die Ermittlungsbehörden ihre Arbeit aufgenommen. In Singapur haben die Wirecard-Mitarbeiter von den Ermittlungsbehörden Besuch bekommen.

Nach den Kursverlusten vom Donnerstag von bis zu über 15 Prozent ist am Freitag abermals der Aktienkurs abgestürzt. Um über 21 Prozent hat die Aktie verloren. Nach leichten Zugewinnen zur Eröffnung von 110,44 Euro auf 118,10 rasselte der Kurs zwischenzeitlich auf 86 Euro, was der absolute Tiefstand im Betrachtungszeitraum der vergangenen 52 Wochen entspricht. Knapp nach 16 Uhr notierte die Wirecard-Aktie bei 83,73 Euro mit einem Minus von 15,78 Prozent gegenüber dem Vortag. Zum Börseschluss hat sich das Minus bei 12,54 Prozent auf einem Kurs von 98,86 Euro eingependelt .

Die Polizei in Singapur bestätigte Durchsuchungen, sprach aber von einem "normalen Vorgang". Wirecard teilte mit, die Firma habe der Polizei Unterlagen übergeben und kooperiere mit den Ermittlern. Das in der Nähe von München ansässige Unternehmen, gegründet von dem aus Wien stammenden Vorstandschef und CEO Markus Braun, stemmt sich einmal mehr gegen die Berichte der "Financial Times". Die englische Wirtschaftszeitung hatte mittlerweile drei Berichte mit dem Vorwurf krimineller Kontomanipulationen und Dokumentfälschungen gegen einen Wirecard-Mitarbeiter in Singapur veröffentlicht.

Am Freitagmorgen noch hat Wirecard angkündigt die "Financial Times" (FT) rechtlich vorzugehen und zu klagen. "Wirecard geht rechtlich gegen FT und seine unethische Berichterstattung vor", erklärte der Dax-Konzern aus Aschheim bei München

Im jüngsten Bericht der FT wird berichtet, dass es Grund zu der Annahme gäbe, dass diese Fälschungen andere Taten verdecken sollten, etwa Betrug, Untreue, Korruption oder Geldwäsche.

Vorige Woche ist der Kurs nach den ersten beiden Berichten bereits auf Talfahrt gegangen, die Aktie notierte um 110 Euro. Bis zur Mitte der Woche konnte sich der Aktienkurs wieder erholen.

Der Wirecard-Vorstand hatte sich Mitte der Woche selbst an die Staatsanwaltschaft München I gewandt. Nur wenig später geriet die an der Frankfurter Börse erneut unter massiven Beschuss mutmaßlicher Spekulanten.

Nach einem mehrtägigen Aktienbeben beim DAX-Neuling Wirecard hat die Münchner Staatsanwaltschaft keine Hinweise auf kriminelle Kursmanipulation durch die Konzernspitze. "Wir haben keinen ausreichenden Anfangsverdacht, um ein Ermittlungsverfahren gegen Verantwortliche der Wirecard einzuleiten", sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Hans Kornprobst am Donnerstag in München.

Vergangene Woche hatte die Aktie des Zahldienstleisters zeitweilig mehr als ein Drittel ihres Wertes verloren. Derart große Kursschwankungen sind bei DAX-Unternehmen sehr ungewöhnlich. Wirecard weist die Vorwürfe immer wieder zruück. Auch die Finanzaufsicht BaFin prüft, ob es sich um eine gezielte Attacke von Spekulanten handelte. Beide Behörden sind nun im Austausch: "Wir stehen im engen Kontakt mit der BaFin", sagte Kornprobst.

Dies führte zuletzt auch dazu, dass die Finanzaufsicht Bafin prüft, ob es sich beim Absturz der Aktie in der vergangenen Woche um Marktmanipulation gehandelt haben könnte. Auch die Münchner Staatsanwaltschaft befasst sich mit der Sache.

Wirecard war bereits in den vergangenen Jahren Ziel von Leerverkäufern geworden. Das sind Spekulanten, die mit fallenden Kursen Geld verdienen. Eine Methode dabei ist, geliehene Aktien zu einem hohen Kurs zu verkaufen und anschließend die Papiere mit Hilfe gezielt gestreuter Gerüchte oder Falschinformationen in den Keller zu schicken. Mit den Einnahmen aus dem Verkauf der geliehenen Aktien können die Spekulanten anschließend eine größere Zahl der nun billigeren Papiere wieder kaufen. Nachdem sie die geliehenen Papiere zurückgegeben haben, verbleibt ihnen der Profit in Form günstig erworbener Aktien.

Wirecard hatte im vergangenen Herbst Schlagzeilen gemacht, als das Unternehmen die Commerzbank aus dem Dax verdrängte. Zu diesem Zeitpunkt war die Firma mehr als 23 Mrd. Euro wert und überrundete damit sogar die Deutsche Bank. Wirecard war 1999 auf dem Höhepunkt der Internetblase gegründet worden und konzentrierte sich schnell auf den Zahlungsverkehr im Internet.



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