Aktien 2021: Bis zu 9 Prozent Dividendenrendite erwartet

Die Dividendensaison 2021 verspricht trotz Krise und Staatshilfe gute Renditen abzuwerfen. Firmen, die keine Staatshilfe in Anspruch genommen haben, zahlen bis zu knapp neun Prozent Dividendenrendite. Die Ausschüttungen steigen im Verhältnis zum Gewinne sogar deutlich. Welche österreichischen, deutschen und andere europäischen Titel solide Dividenden zahlen und welche davon Experten zum Kauf empfehlen.

Aktien 2021: Bis zu 9 Prozent Dividendenrendite erwartet

Am deutschen Aktienmarkt sind derzeit Aktien mit bis zu neun Prozent Dividendenrendite zu haben.

Rund um das Thema Dividenden - jene Gewinnanteile von Aktien- oder Kapitalgesellschaften, die an Aktionäre oder Teilhaber ausgeschüttet werden - gab es im Jahr 2020 heftige Diskussionen. Besonders massive Kritik gab es an Unternehmen, die einerseits staatliche Unterstützung erhielten und andererseits Dividenden in Millionenhöhe gezahlt haben. Wobei sich die Unternehmen auf das Aktienrecht beriefen, demzufolge eine Ausschüttung erzielter Gewinne an die Aktionäre zu erfolgen hat.

Nun steht die nächste Dividendensaison an, und es ist zu erwarten, dass die Diskussion um die Gewinnausschüttungen wieder aufflammt. Im Jahr 2021 sind das nämlich jene Gewinne, die im Pandemie-Jahr 2020 gemacht wurden.

Die Coronakrise hat auch bei Dividendentiteln Spuren hinterlassen. Viele Unternehmen haben in der Krise ihre Dividenden gekürzt oder gänzlich gestrichen, um liquide zu bleiben. So haben die EZB und etwa auch die österreichische Finanzmarktaufsicht Banken empfohlen, Dividendenzahlungen auszusetzen oder auf maximal 15 Prozent des Gewinns für 2019 und 2020 zu begrenzen.

Vor allem die deutschen Autohersteller treten sind bei drt Dividenden-Ausschüttung auf die Bremse gestiegen. Sie haben bereits im Vorjahr die Ausschüttungen um 3,5 Milliarden Euro zurückgefahren, für 2020 wird eine Dividendenkürzung um 1,7 Milliarden Euro erwartet. Deutlich geringe Kürzungen soll es hingegen in den Sektoren Gesundheit und Industrie geben, wie eine große Studie über Dividendentitel der deutschen DZ Bank ergab.

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Für die Anleger bedeutet das, dass in der nächsten Dividendensaison hohe Ausschüttungen zu erwarten sind. So planen Unternehmen im Dax, MDax und im TecDAX Ausschüttungen in Höhe von rund 40 Milliarden Euro, ein ähnlich moderates Niveau wie im Vorjahr, so das Ergebnis der DZ Bank. Im Rekordjahr 2018 gab es für die Anleger noch 48,5 Milliarden Euro als Zubrot. Im März 2020 winkte bei diesen Titeln im Schnitt eine Dividendenrendite von 5,3 Prozent - damit war aber auch der Peak erreicht.

Investoren, die sich jetzt in Stellung bringen, könnten in den nächsten beiden Jahren mit Ausschüttungen schon wieder reichlich belohnt werden. Bereits in der nächsten Dividendensaison könnte die Rekordmarke fast geknackt werden (siehe Grafik). Die Coronakrise trifft schließlich nicht alle Unternehmen gleichermaßen. So manches Unternehmen ist bereits wieder am Pfad der Erholung und versucht am Weg aus der Krise mit seiner Dividendenpolitik die Anleger bei der Stange zu halten. So wollen vor allem Telekom- und Immobilien- und Konsumgüter-Unternehmen ihre Dividenden bereits wieder anheben.

Die 110 Unternehmen im Dax, MDax und TecDax dürften im kommenden Jahr wieder fast so viel Dividende ausschütten wie 2018.

Dividende schlägt Anleihe

Die Zinsen, die es für 10-jähriger Staatsanleihen bester Bonität gibt, können da schon lange nicht mehr mithalten. Für solche soliden Anleihen sind Anleger in Deutschland und Österreich sogar bereit, Verluste in Kauf zu nehmen. Bei 10-jährigen österreichischen Staatsanleihen ist die Rendite mit 0,3 Prozent unter Wasser, bei deutschen Staatspapieren müssen Anleger ein Minus von 0,5 Prozent pro Jahr hinnehmen.

Wer sich statt dessen Dividendentitel ins Depot legt, erhält laut DZ Studie auf Dax-Wertpapiere derzeit im Schnitt einen Renditeaufschlag von 3,3 Prozent (siehe Grafik). Ähnlich ist die Situation auch bei anderen europäischen Dividendentiteln im Vergleich zu Staatsanleihen. Selbst für Anleihen von Firmen, deren Bonität mit BBB nicht als sehr hoch eingestuft wird, gibt es in Europa derzeit nur eine Zitterprämie von im Schnitt 0,2 Prozent.

Dividendenzahlende Dax-Konzerne bringen deutlich mehr als deutsche Staatsanleihen.

Austro-Dividendenpapiere: Kleiner Dividendenadel

Österreich zählt auch was Dividenden betrifft, eher zu den Nischenmärkten. Üppig sprudeln die Dividenden bei den Blue Chips des ATX meist jedoch nicht.

  • Seit Jahren zum österreichischen Dividendenadel zählt vor allem die Aktie von Mayr-Melnhof Karton. Das Unternehmen, einer der weltweit größten Produzenten von Kartonverpackungen für Konsumgüter, zahlt derzeit 3,6 Prozent.
  • Die OMV hat kürzlich angekündigt ihre Dividende um sechs Prozent auf 1,85 Euro je Aktie anzuheben und damit in diesem Jahr 5,3 Prozent Rendite auszuschütten.
  • Die Dividendenrendite der CA Immo kann sich mit 3,2 Prozent ebenfalls sehen lassen.
  • Mehr zahlt auch noch die Telekom Austria, mit 3,2 Prozent.
  • Wienerberger, der größte Ziegelproduzent weltweit, profitiert vom anhaltenden Bauboom und lässt auch Anleger in Form einer Dividende teilhaben. Aktuell sind das 2,3 Prozent.
  • Bei kleineren Titeln ist da oft mehr zu holen, wenn diese vielfach auch riskanter sind, wie etwa die Aktie von Atrium Real Estate, die für 2021 eine Dividendenrendite von 8,5 Prozent prognostiziert, nur der Kurs der Aktie ist seit Jahren mau.
  • Die Uniqa will bei der nächsten Ausschüttung 6,7 Prozent zahlen. Die Aktie ist jedoch mit einem Kursverlust von fast 60 Prozent in zehn Jahren alles andere als der Quell reinster Freude.

Deutsche Unternehmen: Verlässliche Dividendenzahler

Im Schnitt üppigere Dividenden zahlen deutsche Unternehmen. Sie zählen auch zu den verlässlichsten Dividendenzahlern weltweit. Über 20 Unternehmen, die entweder im Dax, im MDax oder im TecDAX notieren, haben in den vergangenen zehn Jahren ihre Dividende bezahlt und stabil gehalten, acht davon haben ihre Dividende auch jedes Jahr wie auch im Vorigen erhöht, ergab eine Untersuchung der DZ Bank.

Zu Unternehmen, die in den letzten zehn Jahren die Dividende erhöht haben, zählen Linde, SAP, Merck und TAG Immobilien. Die Dividendenrenditen für 2021 liegt laut Schätzungen der Bank aber bei höchstens 3,6 Prozent. Rund 20 weitere Unternehmen haben bis auf wenige Ausnahmen jedes Jahr eine Dividende bezahlt und fast immer diese auch auf stabilem Niveau gehalten, wenn auch nicht mehr ganz so konstant erhöht wie jene in der Spitzengruppe. Zu diesen Unternehmen zählen Fresenius(die Aktie ist in den letzten drei Jahren um 46 Prozent abgestürzt), Münchener Rück, Allianz, Software AG und die Deutsche Post.

Ausschüttungsquote steigt kräftig

Die Unternehmen wollen, auch wenn ihre Gewinne in dem schwierigen wirtschaftlichen Fahrwasser unter Druck geraten sind, ihrem Ruf als verlässliche Dividendenzahler treu bleiben. „Die Dividenden sind weniger stark gesunken als die Gewinne“, resümiert die DZ Bank in einer Analyse. So ist die Ausschüttungsquote im Verhältnis zu den Gewinnen deutlich angestiegen. Während die deutschen Unternehmen im Durchschnitt der letzten 16 Jahre rund 43 Prozent der Gewinne ausgeschüttet haben, ist die Quote zuletzt auf fast 60 Prozent geklettert. Ähnlich hat es sich in der Finanzkrise 2008/09 verhalten.

In absoluten Zahlen plant die Allianz 2020 die höchste Dividende in Deutschland zahlen. Der Versicherer will trotz eines schwierigen Jahres - im ersten Halbjahr brach der Gewinn je Aktie um 30 Prozent ein - eine Dividende von vier Milliarden Euro ausschütten. Das entspricht einer Dividendenrendite von 5,4 Prozent.

Die höchste Dividendenrendite an deutschen Märkten wird die Assekuranz damit aber längst nicht ausschütten. Die Nummer eins am Dividendenmarkt ist derzeit Telekomanbieter freenet.Dieser hat eine Rendite von 8,7 in Aussicht gestellt, Konkurrent Telefonica 7,8 Prozent (siehe Grafik). Sechs Sektoren zählen in Deutschland zu jenen, die für 75 Prozent der ausgeschütteten Dividenden stehen: Chemie, Versicherung, Industrie, Gesundheit, Auto und Telekom. Die großen Zahler stammen somit überwiegend aus den etablierten Sektoren. Der größte Geldfluss kommt aus den Branchen Chemie mit rund und Versicherungen mit je einem Anteil von rund 15 Prozent.

Steigen die Kurse, sinken die Dividendenrenditen

Die Attraktivität deutscher Dividendentitel hat nach den jüngsten Kursanstiegen dennoch nachgelassen. So legte der Dax in den vergangenen drei Monaten um fast zwölf Prozent zu. Der Aufwärtstrend an den Börsen dürfte weiter anhalten. So prognostiziert die DZ Bank für 2021 für deutsche Aktien ein gutes Jahr. Für Dividendenjäger ein zweischneidiges Schwert: Steigt die Aktie, schmälert das die Dividendenrendite.


Dividendenrendite

So wird die Dividendenrendite berechnet:

  • Schüttet beispielsweise die Aktiengesellschaft A eine Dividende von fünf Euro aus, während die Aktiengesellschaft B eine Dividende von sieben Euro je Aktie zahlt, sagt das noch nichts darüber aus, welche Dividende prozentuell den höheren Ertrag für den Anleger bringt.
  • Die Dividendenrendite setzt die Dividende im Verhältnis zum Aktienkurs. Zur Berechnung der Dividendenrendite wird die Dividende je Aktie mit 100 multipliziert und anschließend durch den Aktienkurs dividiert.
  • Im Fall A beträgt bei einer ausgeschütteten Dividende von fünf Euro die Dividendenrendite beispielsweise bei einem Aktienkurs von 99 Euro 5,05 Prozent.
  • Im Fall B, bei dem eine Dividende von sieben Euro je Aktie ausgeschüttet wird, liegt der Aktienkurs bei 219 Euro. Der hohe Kurs schmälert die Dividendenrendite auf 3,19 Prozent.

In Aufwärtsphasen eine deutliche Überrendite erzielen

Dividenden tragen auf längere Sicht einen beachtlichen Teil zur Gesamtrendite einer Aktie bei. In Deutschland lag der Dividendenanteil seit 1973 bei rund 35 Prozent (siehe Grafik). Zudem ist dieser Rendite-Anteil deutlich geringeren Schwankungen unterworfen. Investitionen in Dividendentitel wie etwa in den DivDAX, der in die Unternehmen mit den höchsten Dividendenrenditen investiert, können laut Untersuchung der DZ-Experten besonders in Aufwärtsphasen eine deutliche Überrendite erzielen.

Dividendenstrategien können somit nicht nur in Zeiten erhöhter wirtschaftlicher Unsicherheit und in seitwärts tendierenden Märkten einen wichtigen Teil der Ertragskomponente darstellen. "Gerade im aktuellen Umfeld, in dem wir gute Chancen für Nachzügler und Value-Werte sehen, sollten sich Dividend-Yield-Indizes gut entwickeln", so die DZ-Studien-Autoren. Dividendenwerte dürften zudem von einem Umfeld mit niedrigen Zinsen profitiert.

Der DivDAX zieht dem reinen Kursindex des Dax, ohne Dividenden, davon.


Dividendenaktien mit Top-Kurschancen 2021

Dividendenaristokraten

Um in den Augen der Analysten der DZ Bank als deutscher Dividendenaristokrat zu gelten, haben sie folgende Bedingungen aufgestellt:

  • Kontinuität: Die Dividende muss in zehn von zehn Jahren bezahlt worden sein und
  • Steigerung: Die Dividende muss mindestens in neun von zehn Jahren angehoben bzw. stabil geblieben sein.
  • Limit der Kürzung: Es darf keine Dividendenkürzung von über 30 Prozent in einem Jahr geben.
  • Rendite: Die erwartete Dividendenrendite muss mindestens zwei Prozent betragen.
  • Eigenkapitalquote: Die Eigenkapitalquote muss höher als 30 Prozent sein.
  • Nettoverschuldungsgrad: Der Nettoverschuldungsgrad zu EBITA muss größer als drei sein. Wenn ein Unternehmen also zum Geschäftsjahresende eine Nettoverschuldung von 1.000 Euro aufweist und ein EBITDA von 333,3 Euro erwirtschaftet hat, beträgt der Nettoverschuldungsgrad 3.

Kaufempfehlungen

Zu dieser Elite der deutschen Dividendenzahler, die noch dazu über eine Kaufempfehlung des DZ-Research-Teams verfügen, zählen die Aktien von Allianz, BASF, Bayer, Siemens, Deutsche Wohnen und Fresenius.

Europaweit empfehlen die DZ-Analysten folgende Werte: GlaxoSmithKline, BAE Systems, NovartisDanone, Nestlé, Diageo, CRH und Air Liquide.

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