Fonds: Das wurde aus 10.000 Euro seit der Finanzkrise

Fonds: Das wurde aus 10.000 Euro seit der Finanzkrise

Börsenhändler aber auch Anleger in Aktien- und Anleihenfonds haben nach zehn Jahren Börsenhausse allen Grund zum Jubeln.

Anleger, die vor zehn Jahren in Aktien- oder Anleihenfonds investiert waren, als die US-Bank Lehman Pleite ging und trotz des darauf folgende Börsencrashes nicht verkauft haben, konnten seither ihr Vermögens beträchtlich vermehren. Wie die einzelnen Fondskategorien abgeschnitten haben, mit teils überraschenden Ergebnissen.

Die Finanzkrise 2008 hat vielen Anlegern eine gehörige Angst eingejagt. Die Kurse schienen ins Bodenlose zu stürzen. Binnen kurzer Zeit wurden schließlich auch rund 60 Prozent des Börsenkapitals vernichtet. Der Wiener Börsenindex ATX fiel beispielsweise bis März 2009 um rund 55 Prozent. Viele haben in Panik die Reißleine gezogen und haben alle ihre Aktien abgestoßen und sind seither vielfach auch nicht wieder eingestiegen. Im Nachhinein betrachtet keine gute Idee. Denn nach dem Kursgemetzel setzte an den Weltbörsen eine der längsten Erholungsphasen ein, in den USA sogar die längste Kurserholung der Börsengeschichte.

Selbst wer noch kurz vor dem großen Absturz eingestiegen ist, kann heute, zehn Jahre später, hohe Kursgewinne verbuchen. Das Finanzjournalistenforum und die Capital Bank haben anlässlich des 15. September 2008, der Tag als Lehman Brothers Pleite ging und in Folge dessen die Märkte spektakulär crashten, für Anleger in Aktien- und Anleihenfonds Bilanz gezogen.

Weltaktienfonds: 8,6 Prozent pro Jahr in zehn Jahren

Wer ausgerechnet Anfang September 2008 in einen Welt-Aktienfonds eingestiegen ist und 10.000 Euro investiert hat und die Fonds bis heute gehalten hat, liegt von 320 Prozent mit fast allen Fonds deutlich im Plus. Nur zwei sind unter Wasser. Wer damals einen Weltaktienfonds für 10.000 Euro gekauft hat, besitzt heute im Schnitt 22.960 Euro. Die durchschnittliche Jahresrendite betrug in diesem Zeitraum auf 8,66 Prozent. (siehe Tabelle unten)

Europa-Aktienfonds konnten Kapital verdoppeln

Mit einem durchschnittlichen Europa-Aktienfonds hätte sich der Einsatz auf 19.230 Euro vermehrt. Das entspricht einer Rendite von 6,67 Prozent. Von 305 gewerteten Fonds liegt da nur ein einziger im Minus.

Techfonds: Aus 10.000 Euro wurden fast 41.000 Euro

Am besten waren Anleger jedoch mit einem Technologie-Fonds dran. Bei diesen Investments konnte man seinen Einsatz vervierfacht, selbst wenn man nur einen durchschnittlich performenden Fonds im Portfolio hatte. So wurden aus 10.000 Euro innerhalb der vergangenen zehn Jahre im Schnitt fast 41.000 Euro. Selbst mit Finanztitel, Werte für die lange Zeit Alarmstufe Rot galt, konnte man sei Vermögen verdoppeln.

Mischfonds mit schwachen Ergebnissen

Auffällig ist aber das relativ schwache Abschneiden von Mischfonds. Gerade diese Fondskategorie zählt nach der Krise zu jenen mit den höchsten Mittelzuflüssen, hofften Anleger doch nach dem Crash mit Fonds, in denen der Aktien- und Anleihenanteil aktiv gemanagt wird, besser vor Börsenabstürzen gewappnet zu sein. Gerade defensive Fonds mit rund einem Drittel Aktien haben aber sogar schlechter abgeschnitten als reine Euro-Anleihenfonds. „Mischfonds, speziell konservative Mischfonds, sind eine der schwierigsten Fondskategorien. Die Kosten dieser Fonds fressen oft die Rendite auf“, so Martin Kwauka, Gründer des Finanzjournalistenforums. Besonders Fonds, die von kleineren Vermögensberatern aufgelegt werden, können richtig teuer sein. „Wenn der jährliche Ertrag bei drei Prozent liegt und die Kosten ebenfalls bei drei Prozent, ist klar wer gewinnt“, bemerkt Kwauka. Aber auch große Flaggschifffonds dieser Kategorie haben sich mitunter schwer getan.

Welt ohne Zinsen macht Fondsmanager zu schaffen

Das liegt auch daran, dass die Welt für Fondsmanager in den vergangenen drei Jahren eine andere geworden ist. Das Umfeld in dem sie sich bewegen, ist Neuland. „Bis dahin gab es keine Welt ohne Zinsen. Selbst Profis tun sich mit dieser neuen Situation mitunter schwer“, analysiert Kwauka.

Was in den letzten 10 Jahren an den Börsen aus 10.000 Euro wurde:
Technologie-Aktien 40.980 Euro
Aktien USA 32.080 Euro
Aktien weltweit 22.960 Euro
Aktien Asien-Pazifik (mit Japan) 22.840 Euro
Finanz-Aktien 19.510 Euro
Aktien Europa 19.230 Euro
Aktien Schwellenländer 19.060 Euro
Aktien Österreich 16.840 Euro
Mischfonds ausgewogen, global 14.110 Euro
Euro-Anleihefonds 13.750 Euro
Mischfonds defensiv, global 12.750 Euro
Rohstoff-Aktien 11.790 Euro
Aktien Osteuropa 11.750 Euro
Kategorien laut Morningstar.at. Stichtag 4. September 2008.

Trotz Aktienhausse: Nachfrage nach täglich fälligem Geld boomt


Die Anleger sparen sich arm

Einen explosionsartigen Zuwachs an Mitteln verzeichnete dagegen täglich fälliges Geld. 2,6 Milliarden Euro flossen seither in diese Anlagekategorie. Insgesamt liegen 61 Milliarden Euro des privaten Geldvermögens in dieser Anlagekategorie, bei einer jährlichen Durchschnittsrendite von 0,1 Prozent. „Die Anleger sparen sich arm“, konstatiert Constantin Veyder-Malberg, Vorstand der Capital Bank. So mancher sei aufgrund dieser falschen Allokation seines Vermögens mit dem Abstieg aus seiner finanziellen Klasse konfrontiert.

Viele stehen mit Null-Verzinsung da

Trotz dieser vielfach hohen Kurszuwächse haben nur wenige Anleger davon profitiert. „Nur die wenigsten Privatanleger waren dabei. In der Krise haben viele Kasse gemacht und sind seither nicht mehr eingestiegen“, bemerkt Privatbankier Veyder-Malberg. Manche hätte das Geld sogar in ein Schließfach gesperrt, das dort seither mit null Zinsen schlummert. „Der größte Feind des Anlegers, ist er oft selber. Er versucht den Markt zu timen und den optimalen Ein- und Ausstiegszeitpunkt zu erwischen. Das ist aber nicht vorhersehbar und wenn es doch gelingt, ist es reine Glücksache. Vielmehr wird verkauft, wenn auch alle anderen Kasse machen.“

Empfohlene Langfrist-Strategie: Bei Crash Zukaufen, bis die Aktienquote wieder auf festgelegtem Niveau ist

Der Privatbankier setzt bei seinen Kunden deshalb auf die sogenannte Rebalancing-Methode. Vorher wird mit dem Kunden eine Aktienquote festgelegt, beispielsweise 30 Prozent. Stürzen etwa die Märkte ab und sinkt dadurch der Aktienanteil im Portfolio wird automatisch nach einer Korrektur nachgekauft. „Zuvor wird die Investmentstrategie wie in einer Art eigenen Verfassung festgelegt“, erklärt Veyder-Malberg. Wichtig sei, darin die Aktienquote, entsprechend der eigenen Risikotoleranz, festzulegen. In der Investmentstrategie wird auch festgeschrieben, welche Verluste man bei einem Crash finanziell verkraften kann. Der restliche Anteil wird entsprechend der Aktien-/Anleihenquote riskanter veranlagt.

So erkennen Sie Fonds mit Zukunftspotential

Wer sich selbst auf die Suche nach zukunftsträchtigen Fonds macht, rät Kwauka jedoch nicht einfach die bisherigen Best-Performer ins Depot zu legen. „Sich die Entwicklung von Fonds über zehn Jahre anzusehen, ist generell sinnvoll. So lässt sich gut erkennen, wie dieser Krisen gemeistert hat und wie stark die Kurse im Vergleich zum Index schwanken“, so Kwauka. Je stärker die Kursausschläge im Vergleich zur Konkurrenz, umso mehr ist der Fonds mit Vollgas unterwegs und scheut wohl wenig Risiken. Für einen Fonds spricht vielmehr, wenn dieser sich in Krisen vergleichsweise wenig verloren hat, im Aufschwung wieder rasch profitiert und im Laufe der Jahre vergleichsweise konstante Kurszuwächse verbucht. Das können jene Fonds, die sich in den vergangenen zehn Jahren unter den besten 20 Prozent der jeweiligen Kategorie gehalten haben, häufig schon recht gut. Vergleiche liefern Investmentplattformen wie morningstar.at

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