Die Zukunft wird rauer

Die Zukunft wird rauer

Die Welt wird rauer und die Unsicherheit nimmt zu.

Staatliche Hilfeleistungen werden weniger. Die Familie als Auffangbecken fällt zunehmend weg. Wer sicher durchs Leben will, muss selbst für Schutz sorgen.

Unsere westliche Gesellschaft befindet sich im Umbruch. Regeln, Werte, die noch vor zehn Jahren fixer Bestandteil unseres Lebens waren, gelten plötzlich nicht mehr. Politische Verantwortung, die uns früher Sicherheit im Alltag gegeben hat, schwindet immer mehr. Und Unternehmen, die Menschen einen einträglichen und vor allem zeit ihres Berufslebens fixen Arbeitsplatz bieten können, gibt es immer weniger. Die Unsicherheit nimmt zu.

Waren Menschen vor zehn, zwanzig Jahren noch eingebettet in ein engmaschiges Netz von Sicherheiten, stehen wir vor zunehmend mehr Bedrohungen ohne Schutz da: Werde ich meinen Arbeitsplatz behalten können? Reichen die staatliche Pension und mein Angespartes für den Ruhestand? Und nicht zuletzt: Wie ist es um den Erhalt meiner Gesundheit bestellt?

Früher waren all diese Risiken weitgehend durch staatliche Institutionen und Vorsorgeeinrichtungen abgesichert. Nun zwingt das Diktat der leeren Staatskassen zunehmen zu mehr Eigenverantwortung beim Schutz vor Krankheit, Arbeitsplatzverlust und Altersvorsorge.


165 Millionen Menschen in Europa leiden an einer psychischen Störung, die zur Arbeitsunfähigkeit führen kann.

Aber auch strukturelle Veränderungen in der Gesellschaft machen das Sicherheitsnetz dünner. War bislang der Familienverband ein taugliches Auffangbecken bei negativen Ereignissen aller Art, schwindet dieser Rückhalt. Denn die Familie selbst befindet sich im Wandel. Die Zahl der Singlehaushalte nimmt zu. Steigende Scheidungsraten führen zu zunehmenden finanziellen Belastungen durch Unterhaltszahlungen. Aber auch in dem zunehmenden Modell der "Patchworkfamilien" schwinden die materiellen Möglichkeiten zur Absicherung.

Mehr Belastung im Beruf. Die Psychologin und Ärztin Martina Leibovici-Mühlberger bezeichnet diese Entwicklungen als "additive soziodynamische Faktoren". Und die verursachen schwere Folgen: "Der zunehmende Stress im Arbeits-und Alltagsleben führt zu einer stärkeren körperlichen und psychischen Belastung der Menschen, die immer öfter zu Berufsunfähigkeit führt", meint Leibovici-Mühlberger. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat in ihrer Studie "Global Burden of Disease" erhoben, dass in den reichen Ländern psychische Störungen aufgrund verlorener Lebensqualität zur größten Krankheitslast werden. 38 Prozent der europäischen Bevölkerung, das sind 165 Millionen Menschen, leiden an einer psychischen Störung. Tendenz steigend. Denn die Herausforderungen, vor allem im Berufsleben, das immer mehr von Selbstständigkeit und Ich-AGs geprägt ist, nehmen weiter zu. Ganz simpel: Wenn ein angestellter Mitarbeiter eine Verkühlung hat, bleibt er zu Hause. Ein Selbstständiger oder Freelancer arbeitet weiter - um weder Geld noch Auftrag zu verlieren.

Sozialpsychologin Martina Leibovici-Mühlberger: "Der zunehmende Stress im Alltagsleben führt zu psychischen Belastungen, die immer öfter zu Berufsunfähigkeit führen."

Noch schlimmer ist es, wenn eine folgenschwere Krankheit oder Verletzung eine bleibende Berufsbeeinträchtigung zur Folge hat. Wer nicht mehr oder nur eingeschränkt arbeiten kann, steht in einer Welt, in der es für Arbeitslose zunehmend weniger Hilfe gibt, vor großen Problemen. Klaus Pekarek, Generaldirektor der Raiffeisen Versicherung: "Die eigene Leistungsfähigkeit -sprich die Arbeitskraft -ist die Existenzgrundlage jedes Einzelnen." Sie gilt es aufgrund all der Entwicklungen, abzusichern. Siehe auch das Interview auf der folgenden Seite. Es empfiehlt sich immer mehr, selbst durch eine Unfallversicherung oder eine Berufsunfähigkeitsversicherung etwaigen Risiken vorzubeugen.

Zukunftsabsicherung. Besonders junge Menschen schieben auch den Gedanken an Absicherung des Lebensabends von sich. Dabei macht es gerade für die Vorsorge der Zukunft Sinn, so früh wie möglich zu beginnen. Wer beispielsweise schon mit 25 Jahren eine Lebensversicherung abschließt, muss für eine Zusatzpension von 300 Euro ab 65 deutlich weniger im Monat ansparen, als wenn er erst mit 45 beginnt, vorzusorgen. Ein 25- Jähriger muss dafür nur knapp 100 Euro im Monat an Prämie zahlen. Bei einem 45-Jährigen sind es schon 260 Euro, um ab 65 eine lebenslange Zusatzpension von 300 Euro beziehen zu können.

Belastung: Die Kosten für die Pflege berufsunfähiger oder älterer Menschen steigen künftig sprunghaft an.

Bereits in jungen Jahren vorzusorgen, hat noch einen weiteren Vorteil: Man sichert sich damit die Berechnungsvariante für Prämien und Leistung der aktuellen durchschnittlichen Lebenserwartung. Diese steigt aber rapide. Ein Baby, das in einem Jahr geboren wird, hat eine bereits um drei Monate längere Lebenserwartung als eines, das heuer auf die Welt kommt. Schließt man erst in zwanzig Jahren einen Vertrag ab, werden die Prämien aufgrund der dann gestiegenen Lebenserwartung viel höher sein - oder die Leistung geringer.

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