Die Wette auf schwimmendes Öl geht nicht auf

Die Wette auf schwimmendes Öl geht nicht auf

Ölhändler lagerten Millionen Barrel Öl auf Hochseetankern zwischen, um es in der Zukunft gewinnbringend zu verkaufen. Der dahindümpelnde Ölpreis machte ihnen einen Strich durch die Rechnung.

Ölhändler sahen zu Beginn des Jahres 2015 in der Zwischenlagerung von billigem Rohöl auf Supertankern das große Geld schwimmen - auf bis zu 200 Dollar pro Barrel in der Zukunft wurde spekuliert. Doch die Ölpreise sind nur leicht gestiegen, nun dümpeln sie auf zu niedrigem Niveau dahin. Erste-Analyst Damas Pletser zufolge wird sich die Nachfrage nach Rohöl heuer erholen: der Preis soll sich bei durchschnittlich 55 US-Dollar einpendeln.

Es hätte das große Geschäft der Ölhändler werden sollen. Weil seit Juni 2014 der Ölpreis extrem einbrach, kamen Unternehmen wie Vitol, Glencore und Trafigura auf die Idee, das Öl auf Supertankern auf See zwischenzulagern. Rund 40 Millionen Barrel billig eingekauftes Rohöl schwammen seit Jänner 2015 auf Frachtschiffen. Später, wenn der Ölpreis wieder anzieht, sollte das Öl gewinnbringend verkauft werden. Doch die Rechnung ging nicht auf.

Laut einem Bericht der Zeitung Financial Times rentierte sich die Zwischenlagerung auf See nur für wenige Ölhändler: Insgesamt wurden fast 40 Schiffe gechartert, nur eine Hand voll davon machte mit dem Öl gute Geschäfte. Vitol etwa verkauft einen Teil des gebunkerten Rohöls. Glencore und das Schweizer Unternehmen Trafigura nutzen die Tanker nun wieder ganz konventionell, um Rohöl zu verschiffen.

Die Wette der Ölhändler ging deswegen nicht auf, da der Ölpreis sich nur geringfügig erholt hat und nun auf einem zu geringem Preis stagniert. Derzeit (Stand 11. März) kostet ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im April 56,68 US-Dollar. Verglichen mit dem Preis vor einem Monat nur ein minimaler Anstieg: Am 11. Februar kostete ein Fass 56,56 US-Dollar. Leichtöl der Sorte WTI (West Texas Intermediate) pendelt auf einem Niveau zwischen 48 und 50 US-Dollar dahin.

Die Entwicklung des Ölpreises seit März 2014 (Chart vom 11. März 2015)

Aktuelle Brent- Ölpreis-Entwicklung und Chart

Erste-Analyst: Heuer durchschnittlicher Ölpreis von 55 US-Dollar

Damit die Zwischenlagerung des dickflüssigen Rohstoffs lukrativ wird, hätte der Ölpreis in der Zukunft über dem jetzigen Preis liegen müssen. Experten sprechen von Contango: Damit wird eine Preissituation an den Warenterminmärkten beschrieben, bei dem der Terminpreis in der Zukunft über dem derzeitigen Spotpreis liegt.

Das trifft auch auf den Ölpreis zu: Das Öl in einem Jahr für 60 Dollar pro Barrel zu verkaufen bringt mehr Geld, als es jetzt um 50 Dollar auf den Markt zu werfen. "Für Contango-Geschäfte muss die Preisdifferenz zwischen acht und zehn US-Dollar liegen, sonst werden die Kosten für die Lagerung zu hoch", sagt Damas Pletser, Öl- und Gasanalyst der Erste Bank in Budapest, zu FORMAT.at. Die Lieferung des Energieträgers in einem Jahr liegt aber nur geringfügig über dem Preis für kurzfristig gehandeltes Öl. Die Kosten für die Anmietung der großen Tankschiffe samt Versicherung sind größer als die Einnahmen aus den Kursgewinnen.

Und wohl auch in Zukunft wird die Lagerung auf großen Tankern nicht profitabel sein: "Das Überangebot ist nach wie vor da, wir erwarten dieses Jahr einen durchschnittlichen Ölpreis von 55 US-Dollar", so Pletser. Im Jahr 2016 soll er auf einem Niveau von durchschnittlich 65 US-Dollar liegen.

Pletser sieht nur eine langsame Erholung des Ölpreises. Er erwarte in den kommenden zwei Jahren kein Preisniveau für Rohöl von 100 bis 120 US-Dollar - jenem Preis vor dem Verfall seit Mitte 2014. Gegen Ende des Jahres wird das Überangebot aber langsam abnehmen, und die Nachfrage wieder steigen. "2014 stieg der Bedarf um rund 0,9 Barrel pro Tag, 2015 erwarten wir bis zu 1,3 Barrel pro Tag", meint der Analyst.

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Gespeichert wird das Rohöl vorrangig an Land, wo nach wie vor ein großer Speicherbedarf besteht. Doch der Platz wird knapp, die USA verfügen schon jetzt über so viel Reserven wie seit 80 Jahren nicht mehr. In den vier amerikanischen Lagerstätten schlummerten Anfang Februar 413 Millionen Barrel Rohöl. Am 4. März betrug der vom US-Energieministerium (EIA) ermittelte Lagerbestand bereits 444 Millionen Barrel Rohöl - ein Anstieg von 7,5 Prozent innerhalb von nur einem Monat.

Rohstoffanalysten erwarten einen abermaligen Anstieg - und dieser würde die Ölpreise voraussichtlich weiter belasten. Der rasante Anstieg der Lagermenge ist vor allem auf die Förderung von Schieferöl in den USA zurückzuführen. Laut Internationaler Energieagentur (IEA) werden im ersten Quartal 2015 täglich rund 92,5 Millionen Barrel Öl weltweit verbraucht. Die Agentur schätzt, dass im Juni diesen Jahres die Tanks voll sein könnten.

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