Wenn es um wirklich große Werte geht

Wenn es um wirklich große Werte geht

Großes Geld: Je mehr Anleger zu verlieren haben, desto eher suchen sie Rat im Private Banking.

Österreichs Reiche verlassen sich gerne auf den Rat profunder Vermögensverwalter. Doch Rendite und Expertenwissen stehen auf dem Prüfstand

Man könnte glauben, bei Geldangelegenheiten ist es mittlerweile fast so wie bei der Gesundheit. Das Internet macht heute ja jeden zum Experten, zum Vermögensverwalter oder zum Arzt. Man gibt bei Dr. Google ein, wo es einen zwickt, und schon weiß man, was einem fehlt und natürlich auch, wie man wieder gesund wird. Und genauso schnell wird man auch online reich. Wer braucht noch einen Vermögensverwalter, wenn im World Wide Web ohnehin alle Informationen abrufbar sind?

Die Abteilung für Asset Management der Johannes Kepler Universität Linz unter der Leitung von Professor Teodoro Cocca hat im Auftrag der liechtensteinischen Privatbank LGT Group den Private Banking Report 2014 verfasst. Und der bringt dazu ein bemerkenswertes Ergebnis: Natürlich ist die Technologieaffinität gerade bei den Wohlhabenden sehr groß. Sogar bei den Über-70-Jährigen sind noch 20 Prozent in Social Media wie Fecebook, LinkedIn oder Facebook aktiv. Aber nur 15 Prozent aller Altersgruppen gaben darin an, diese Medien auch für den Finanzbereich zu nutzen. Internet -schön und gut, .aber wenn es ums Geld geht, braucht es Menschen. Man sieht also: Private Banking ist noch immer People's Business.

Mehr Mut zum Risiko

Die Studie ist eine gründliche Erhebung zur Frage, wie die Reichen wollen, dass man mit ihrem Vermögen umgeht. Speziell nach der Finanzkrise 2008, in der es herbe Verluste in den Portfolios fast aller Anleger gab, sollte Klarheit über die Bedürfnisse der Private-Banking-Kunden geschaffen werden. Und darum wird der Private Banking Report nun in regelmäßigen Abständen durchgeführt. Es wurden diesmal insgesamt 257 Personen befragt (in der Schweiz 156 und in Österreich 101), deren frei verfügbare Einkommen in Österreich mehr als 500.000 Euro und in der Schweiz mehr als 900.000 Schweizer Franken betragen.

Ein bemerkenswertes Ergebnis im Vergleich zu der letzten Erhebung besteht darin, dass die Bereitschaft zum Risiko in der Veranlagung der Vermögen gestiegen ist. Bezeichneten sich vor zwei Jahren in der Schweiz noch 23 Prozent aller befragten Vermögenden als risikofreudig, waren es nun sogar 33 Prozent. In Österreich stieg der Anteil der Investoren mit Mut zum Risiko immerhin von 22 auf 28 Prozent. Diese Änderung im Anlageverhalten zeigte auch entsprechend Wirkung. Die durchschnittliche Rendite, die in der Vermögensverwaltung erzielt wurde, lag bei den -offensichtlich mutigeren - Schweizern bei 8,9 Prozent. Die etwas zurückhaltenderen Österreicher konnten auf ihren Depots hingegen nur ein durchschnittliches Plus von 5,1 Prozent verbuchen. Der FORMAT-Vergleich unterstreicht dieses Ergebnis: Bei der Veranlagung von 500.000 Euro mit einem ausgewogenen Risiko erzielten die heimischen Vermögensverwalter im Schnitt jährliche Ergebnisse zwischen 4,5 und 8,2 Prozent.

Wenig überraschend hingegen ist dafür das Ergebnis nach der Frage der Zufriedenheit mit der erzielten Performance. 56 Prozent der Reichen in der Schweiz erklärten sich mit dem erzielten Vermögenszuwachs einverstanden. Bei den Österreichern waren hingegen nur 30 Prozent mit dem erreichten Plus in ihren Depots wirklich glücklich. Hierzulande werden an die Vermögensverwalter also sehr hohe Ansprüche gestellt: Trotz der ausgeprägteren Risikoaversion sollte auch ein hohes Ergebnis bei der Veranlagung erzielt werden.

Dementsprechend ambivalent fällt auch die Beurteilung der Beratungsqualität aus. Die Hälfte der Befragten in Österreich gab an, vom Expertenwissen der Betreuer überzeugt zu sein. Was aber auch heißt, dass zumindest 50 Prozent mit der Beraterqualität nicht wirklich zufrieden waren. Hier kommt sicherlich auch zum Tragen, dass das Wissen über die Finanzmärkte in der wohlhabenden und wohl auch gebildeteren Bevölkerungsschichte ein sehr hohes ist. Und hier schließt sich der Kreis zu der eingangs gemachten lakonische Betrachtung über Einfluss und Auswirkung des Internets auf den allgemeinen Wissenstand. Private-Banking-Kunden sind sehr gut über die Situation an den Finanzmärkten sowie die diversen Anlagemöglichkeiten informiert.

Die heimischen Vermögensverwalter stehen also vor großen Herausforderungen. Ihre Kunden wollen höhere Renditen bei geringem Risiko und dazu noch ausführlichere Beratung -obwohl ihr Wissenstand bereits ein hoher ist. Die Quadratur des Kreises sozusagen.

Aber bei der Gestionierung großer Gelder steht noch immer noch immer die Verantwortung gegenüber dem Kunden an erster Stelle. Und es geht zunächst darum, keine Verluste zu erleiden und mehr als einen Inflationsausgleich für die Depots zu erzielen. Die Asset-Manager der heimischen Privatbanken ließen sich von den sehr hohen Wünschen ihrer Kunden nicht irritieren und versuchten, diese primäre Aufgabe zu erfüllen. Die durchschnittlichen Renditen bei einer Veranlagung im mittleren Risikobereich liegen bei ihnen im Schnitt bei rund vier bis fünf Prozent. Wer mehr will, muss die Aktienquote auf 50 Prozent und mehr anheben. Und ob das bei der derzeitigen Marktlage wirklich so ratsam ist, sei dahingestellt.

Branche im Umbruch

Auch der Fuchs-Report, eine jährliche Erhebung der Leistungen der Privatbanken im deutschsprachigen Raum, kommt zu dem Schluss: Berater sind durch das hohe Wissen ihrer Kunden immer mehr gefordert. Österreichs Privatbanken und Private-Banking-Abteilungen der Großbanken haben auf diesen Trend reagiert. War es früher durchaus üblich, bei den ersten Eingangsgesprächen mit neuen Kunden die Ertragsziele und die Risikobereitschaft abzuklären und daraufhin die Verwaltung des Kapitals stillschweigend zu übernehmen, ist das Ausmaß der diskretionären Vermögensverwaltung zurückgegangen. Die Kunden wollen mitreden und mitentscheiden. Eine vierteljährliche Information über die Performance ihrer Depots ist zu wenig.

Immer mehr Privatbanken stellen ihren Kunden nun ihr komplettes Informationsuniversum für den Kapitalmarkt zur Verfügung. Von Direktzugriffen auf die Infodienste Reuters oder Bloomberg bis zu komplexen Charttechnikanalysen. Sie führen intensive Gespräche als eine Art Sparring Partner. Der Kunde führt die Kauf- und Verkaufsentscheidungen für seine Vermögensverwaltung dann aber selber durch. Speziell bei jüngeren Kunden wird diese Form der Beratung immer öfter gewählt.

In der Private-Banking-Abteilung der Bank Austria hat man dazu sogar ein eigenes Produkt kreiert. Unter dem Namen "Univers" erhält der Kunde alle Informationen für seine eigenen Investmentenscheidungen. Der große Vorteil für diese Form der Vermögensveranlagung: Es ist nur eine einmalige Kontogebühr zu bezahlen. Alle Transaktionen sind dann gratis. Hat man sich einmal in einer Aktie oder einem Fonds vergriffen, kann man ohne großen finanziellen Aufwand wieder verkaufen. Auch bei Neuinvestsments fallen keine zusätzliche Spesen an. Das System einer "All-in Fee" setzt sich generell bei den Vermögensverwaltern durch. Es wird nur mehr eine Pauschalgebühr verlangt, die alle Dienstleistungen abdeckt. Der Kunde muss so nicht mehr befürchten, dass Provisionszahlungen, die Vermögensverwalter für den Kauf von Fonds von den Fondsgesellschaften erhalten, an ihm vorbeigehen.

Neuordnung

Aber auch bei den einzelnen Privatbanken und Private-Banking-Abteilungen der Banken gibt es neue Strukturen. Die bisher eigenständige Tochter Private Bank wurde in die Muttergesellschaft, die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, eingegliedert. Auch die Onlinebank Bankdirekt.at wurde in die RLB OÖ hineinfusioniert. Für Kunden ändert sich wenig. Die Raiffeisenlandesbank erwartet sich hingegen deutliche Kosteneinsparungen.

Denn der Konkurrenzdruck unter den Privatbanken nimmt zu. Die Hypo Landesbank Vorarlberg hat eine neue Filiale in Wien eröffnet, von der aus sie die vermögenden Kunden aus dem Osten ansprechen will. Auch die Bank für Kärnten und Steiermark wird verstärkt in Wien aktiv. Und unter den Big Playern der Branche hat das Jahr große personelle Veränderungen gebracht. Bernhard Ramsauer wechselte vom Wealth Management der Deutschen Bank in Österreich an die Spitze der Semper Constantia Privatbank und ist nun dort auch Miteigentümer. Christian Ohswald übernahm dafür den Job an der Spitze der Vermögensverwaltungstochter der Deutschen Bank in Wien. Und ihm folgte Gaston Giefing als Leiter des Private Bankings der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien. Nach der Übernahme der einstigen Kirchenbank Schelhammer &Schattera gibt es dort mit Peter Böhler und Gerd Stöcklmaier ebenfalls eine neue Führung. Und da Private Banking, wie die Studie der LGT Bank ergeben hat, ein People's Business ist, hat das Personenkarussell noch weitreichendere Folgen: Millionenschwere Mandate wechselten ebenfalls die Bank.

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