KMU-Finanzierung: Wenn das Geld knapp wird

KMU-Finanzierung: Wenn das Geld knapp wird

Klein- und Mittelbetriebe haben oft Probleme, Kredite zu bekommen. Doch es gibt erfolgreiche Beispiele, die zeigen, wie man zum nötigen Kapital kommt.

Mitte der Neunzigerjahre war Thomas Grabner noch beim Wiener Neustädter Flugzeughersteller Diamond Aircraft tätig. Der Techniker analysierte dort die Ursachen von Flugunfällen, um die Erkenntnisse in die Fertigung der weltweit gefragten Kleinflugzeuge einfließen zu lassen. Doch Grabner wollte als Unternehmer auf eigenen Beinen stehen und nutzte sein Wissen rund um die Sicherheit im Flugbereich für ein eigenes kleines Unternehmen. Er entwickelte den G-Force-Trainer, den weltweit ersten Fliehkraftsimulator für Gleitschirmpiloten. Um die Kosten für seine Erfindung finanzieren zu können, griff er auf sein Erspartes zurück, benötigte aber auch zusätzlich einen Bankkredit. Grabner rückblickend: "Es war alles andere als einfach, um eine Bank von so einem Projekt zu überzeugen.“

So wie Grabner ergeht es vielen kleineren und mittleren Unternehmern in Österreich. Eine Finanzierung für die Gründung oder die Expansion ihrer Betriebe zu bekommen, ist schwer. Dabei sind gerade sie es, die das Rückgrat der heimischen Wirtschaft bilden. Die rund 310.000 KMU erzielen 63 Prozent der gesamten Umsatzerlöse und beschäftigen knapp 70 Prozent aller Arbeitnehmer in Österreich. Dennoch ist die Möglichkeit für diese Betriebe, zu Krediten zu kommen, oft extrem schwierig. Herbert Wimberger, Geschäftsführer des Sanitär- und Armaturenherstellers Wimtec und Vertreter der kleinen und mittelständischen Betriebe im Österreichischen Gewerbeverein: "Das Thema Kreditklemme gibt es für uns seit fünf Jahren, und nichts passiert. Niemand in der Politik schaut sich dieses Thema an. Und dass die Banken mit den strengen Eigenkapitalbestimmungen Kredite immer seltener vergeben, ist klar.“

Belastungen der Banken


Die heimischen Banken bestreiten, dass sie bei der Kreditvergabe an KMU besonders zurückhaltend sind. Doch natürlich müssen sie prüfen, ob bei einem Darlehen auch ausreichende Wahrscheinlichkeit zur Rückzahlung gegeben ist. Raiffeisen-Bank-International-Generaldirektor Karl Sevelda meint, dass die Nachfrage derzeit gar nicht so stark sei, dass die Banken Probleme bekämen (siehe Interview).

Tatsache ist jedoch, dass Österreichs Kreditinstitute selber hohen Belastungen ausgesetzt sind. Durch die Verpflichtung zu mehr Sicherheit und Stabilität nach dem Basel-III-Abkommen müssen sie höhere Eigenkapital- und Liquiditätsanforderungen erfüllen. Zusätzlich dazu wird, wie in Österreich auch, in mehreren Staaten eine Bankenabgabe eingehoben. Und ein Ausweg der Banken, diese Belastungenzu reduzieren, besteht in der restriktiven Kreditvergabe. IHS-Direktor Christian Keuschnigg erklärt: "Banken können derzeit nur schwer neues Eigenkapital bilden, weil sie geringe Gewinne schreiben und ihre Profite durch die außerordentlich hohe Bankenabgabe und die Insolvenzfondsbeiträge in der Bankenunion wegbesteuert werden. Wenn sie nicht ausreichend Eigenkapital haben, müssen sie eben die Kreditvergabe zurückschrauben.“

Ohne Kredit kein Wachstum.

Eine mögliche weitere Reduzierung bei der Kreditvergabe könnte laut dem Ökonomen aber beträchtliche Folgen für das Wirtschaftswachstum haben. Eine drohende Kreditklemme würde das ohnehin schwache Wachstum in Österreich um einen weiteren halben Prozentpunkt senken. IHS-Chef Keuschnigg: "Wenn wir den Bankensektor sicherer machen, aber nicht gleichzeitig darauf achten, dass er Wachstum über Kredite finanzieren kann, haben wir ein Problem.“

Die Probleme mit denen sich kleinere und mittlere Unternehmen bei der Finanzierung ihres Wachstums konfrontiert sehen, haben auch zu alternativen Wegen geführt. Der Waldviertler Schuhproduzent Heini Staudinger beispielsweise greift statt auf einen Bankkredit auf das Modell des Crowdfundings zurück. Drei Millionen Euro hat er aus dem Umfeld seiner Kunden und Bekannten bekommen und verspricht, dafür vier Prozent Zinsen zu zahlen. Auch wenn dieses Finanzierungsmodell rechtlich in vielerlei Hinsicht problematisch erscheint, hat es zu einer intensiven Diskussion darüber geführt. Mittlerweile gibt es sowohl in der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) als auch beim Austria Wirtschafts Service (AWS) Arbeitgruppen, um die Finanzierung für KMU weiterzuentwickeln. Auch Förderungen und Garantien, die Banken bessere Sicherheit für die Kreditvergabe zu bieten, sind ein möglicher Weg.

Mehr Sicherheit. Eines der größten Probleme von KMU bei der Kreditvergabe ist ihre Bonität. Nach einer Umfrage der WKO und des AWS waren fehlende Sicherheiten zu 70 Prozent ausschlaggebend für negative Kreditbescheide. "Das muss aber nicht sein“, sagt Wieland Schmid-Schmidsfelden, der sich bei der Anwaltskanzlei Reich-Rohrwig Hainz mit dem Thema KMU-Finanzierung beschäftigt. Oft wissen kleinere Unternehmen nicht, welche Möglichkeiten es durch Garantieübernahmen und Förderungen österreichischer und europäischer Stellen gibt. Das AWS ist für kleinere Betriebe eine wichtige Anlaufstelle in Österreich. Aber auch die Europäische Investment Bank (EIB) und der European Investment Fund (EIF) bieten Förderungen und Unterstützungen für die Kreditvergabe (siehe Kasten).

Aber es gibt sogar manche Kleinunternehmer, die den Spieß bei der Kreditvergabe mit den Banken umdrehen können. Robert Bauer ist mit seinem 2008 gegründeten Unternehmen Stahl-Bauer erfolgreich in der Planung und Umsetzung von Stahlbauten tätig (siehe Kasten links). Für ein neues Projekt benötigte er einen Kredit von 1,7 Millionen Euro. Bauer: "Zwei Banken wollten mir unbedingt einen Kredit geben. Also habe ich mit ihnen um die besten Konditionen feilschen können.“

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