Welche Risiken Banken 2016 am meisten fürchten

Banken sind die Nervenzentren der Gesellschaft - und zahlreichen Bedrohungen ausgesetzt. Die Berater von PWC und CSFI haben 600 Finanzinsider befragt, welches derzeit das größte Risiko für Banken darstellt und was zu den zehn größten Bankenrisiken zählt.

Welche Risiken Banken 2016 am meisten fürchten

Die Gefahr, dass die Wirtschaft ins Stocken gerät, macht Bankern weltweit große Angst.

Belastend hohe Regularien, politische Krisenherde, Cyber-Attacken, faule Kredite. Die Bankindustrie ist von vielen Seiten unter Beschuss, nicht nur durch traditionelle Risiken, sondern auch vor neuen Unsicherheiten. Doch nicht alle Risiken sind gleich bedrohlich und verschieben sich immer wieder. Das macht das „Banken-Bananenschalen-Ranking 2015“ (Banking-banana-skins-2015) von PWC, in Kooperation mit das New Yorker Zentrum für Studien von Finanz-Innovation (CSFI), deutlich. Dazu hat CSFI 670 Banker, Vertreter von Regulierungsbehörden und Experten außerhalb des Bankensektors aus 52 Ländern nach den aktuell größten Risiken für Banken befragt. Aus Österreich wurden zwei Personen befragt, aus Deutschland 5, aus Luxemburg 28, aus England 113 und beispielsweise aus den USA 20.

Hohes Schuldenniveau birgt hohe Risiken für Banken
Doch aktuell fürchten Finanzprofis weltweit nicht vor Kriminellen oder nicht rückzahlbare Kredite am meisten, sondern die künftige konjunkturelle Entwicklung. Sie fürchten, der fragile ökonomische Aufschwung zum Stillstand kommt. Bleibt der globale Aufschwung aus, droht das Banken nachhaltig zu schädigen. Dieses Szenario erachten Experten derzeit als das größte Risiko für Banken. 2014, als die letzte Umfrage von SCFI gemacht wurde, lagen wirtschaftliche Risiken noch auf Platz drei. Trotz zahlreicher Reformen bleiben Banken, vor allem aufgrund des hohen Schuldenniveaus, ihrer Einschätzung nach verwundbar. Bedrohlich ist in diesem Zusammenhang auch die zukünftige Entwicklung der Zinsen, die Schwäche Chinas und anderer Emerging Markets und die niedrigen Rohstoffpreise. Niedrigere Wachstumsraten als in der Vergangenheit und auch der hohe Aufwand für regulatorischen Reformen, bringen laut den Befragten, Banken und damit deren Ertragssituation derzeit besonders stark unter Druck.

Angst vor Kriminalität am stärksten gestiegen
Den stärksten Anstieg unter den Besorgnissen der Bankenbranche gegenüber dem Vorjahr verzeichnete laut Studie das Thema Kriminalität. Diese steig von Platz 9 auf Platz 2 im Banking Banana Skins 2015. In diesen Bereich fallen Auswirkungen durch Geldwäsche, Steuerhinterziehung oder Cyberattacken. Mit der Angst vor Kriminalität gehen auch technologische Risiken (Platz 4) einher. Dort stellen mitunter zu geringe Investitionen und veraltete Technologien laut den Befragten große Risiken dar, auch der Boom der sogenannten Fintechs stellen Banken vor große Herausforderungen. Das sind neue technische Anwendungen etwa in Form mobiler Bezahlungen oder Social Trading für Anleger. Im Firmenbereich zählen zu Fintechs elektronische Marktplätze für Unternehmensfinanzierungen oder Online-Portfolio-Management. In diesen Bereichen machen Start-ups und andere Unternehmen klassischen Banken Konkurrenz. Um ihre Rentabilität zu erhöhen, experimentieren Banken mit neuen Lösungen, die sich weniger an Produkten orientieren, sondern an den Bedürfnissen der Kunden. Dadurch steigen aber auch die Risiken für Banken anfällig für Cyberattacken und Finanzterrorismus.

Strenge Auflagen der Regulierungsbehörden für Banken bedenklich hoch Wenig überraschend ist, dass die Banken Regulierungen als hohes Risiko einstufen (Platz 3). Während Banken zwar auf der einen Seite härtere Kontrollen als wichtig erachten, sehen sie die damit verbundenen hohen finanziellen Risiken als bedenklich und bezweifeln auch den Effekt der nun vorgeschriebenen Standards. Banken tragen nicht nur die direkten Kosten (neue Kapital- und Liquiditätsvorschriften, die Restrukturierung ihrer Kosten, mögliche Strafen von Regulierungsbehörden, höhere Kosten für Compliance als auch höhere Kosten für die Kundenaquisition)


Keine Angst vor Liquiditätsengpässen
Andrew Hilton, Direktor der CSFI- Studie zeigt sich überrascht "dass die befragten Experten zum Thema Liquidität so entspannt sind. So rutschten die Ängste über Liquidität von Platz 15 auf Platz 18. Der Grund: Man hat großes Vertrauen, dass die Zentralbanken weiter Geld in die Märkte pulvern.
Genügend Kapital da, für jene, die es nicht brauchen
Damit ist auch die Verfügbarkeit von Kapital kein nenneswertes Angstthema unter den weltweit befragten Experten. "Es gibt genügend Kapital, vor allem für jene, die es nicht brauchen", so das Resumee. Das bedeutet: Jene, mit hoher Bonität und guter Kapitalausstattung, kommen auch leicht an Geld.
Banken leiden nach wie vor unter den Folgen der 2008-Krise
Hilton überraschte auch, dass die Ängste über die starke Zunahme der Regulierungen gesunken sind und dass Banken noch immer massiv für ihre Post-2007/08-Sünden finanziell bluten müssen.
Risiken für Banken durch Corporate Governance stark reduziert
Gefallen sind auch die Risiken beim Corporate Governance. Das Ergebnis der Studie dazu: "Es wurde viel Arbeit investiert, um die Risiken, wie Banken geführt werden, zu minimieren."

Banken mangelt es am kulturellen Wandel
Die Qualität der Banken leidet, laut Studie, aufgrund eines eingehenden kulturellen Wandels in den Instituten.

Risiko soziale Medien
Die Risiken für Banken steige durch den Austausch von Erfahrungen von Usern sozialer Netzwerke.

Die Top-Risiken im Überblick

Banking Banana Skins 2015

(2014 Ranking in Klammern)

1 Macro-economic environment (3)
2 Criminality (9)
3 Regulation (1)
4 Technology risk (4)
5 Political interference (2)
6 Quality of risk management (11)
7 Credit risk (7)
8 Conduct practices (16)
9 Pricing of risk (6)
10 Business model (-)
11 Social media (19)
12 Reputation (-)
13 Capital availability (10)
14 Interest rates (12)
15 Emerging markets (17)
16 Shadow banking (20)
17 Currency (22)
18 Liquidity (15)
19 Corporate governance (8)
20 Management incentives (21)
21 Derivatives (18)
22 Human resources (23)
23 Reliance on third parties (24)
24 Sustainability (25)

Die Studie zum Downloaden finden Sie hier.