Warum die Inflation 2017 rasch steigen könnte

Die Preise im Euroraum fallen, trotz massiven Geldspritzen der EZB. Chefökonom Hüfner von Assenagon erklärt warum das so ist, dennoch ab 2017 rasch steigende Preise drohen. Wie schnell in 30er Jahren die Preise stiegen und welche Parallelen es zu damals noch gibt.

In den 30er Jahren stieg die Inflation binnen eines Jahres um sechs Prozent.

Als sich die Wirtschaft in 30er Jahren erholte, stieg die Inflation binnen eines Jahres um sechs Prozent.

Auch wenn die Märkte in Euroland derzeit nicht auf die Geldspritzen der EZB reagieren und die Preise sinken. Doch am Grundprinzip, dass hohe Inflation droht, wenn die Liquidität zu hoch ist.

Geldmenge ist im Verhältnis zum Wachstum zu hoch

Zwei ökonomische Gesetze sind für steigende Preise verantwortlich. Das eine ist, dass eine höhere Geldmenge die gesamtwirtschaftliche Nachfrage erhöht. Das ist derzeit aufgrund der Anleihenkäufe der EZB der Fall. Martin Hüfner, Chefökonom der Fondsgesellschaft Assenagon: „Es hat zwar etwas gedauert, bis die expansiven Maßnahmen der Notenbank in den Konten der privaten Haushalte und der Unternehmen ankamen, aber jetzt ist es der Fall. Die Geldmenge M3 ist um fünf Prozent gestiegen. Das ist für ein reales Wachstum von zwei Prozent im Euroraum zu viel.“
Das andere ist das Gesetz des Marktes von Angebot und Nachfrage. „Der Wettbewerb hat zwar in den vergangenen Jahren in manchen Bereichen an Biss verloren, aber wenn die Nachfrage größer ist als das Angebot, steigen die Preise trotzdem“, erläutert Hüfner. Die Expansion der Geldmenge muss daher, wenn die Wettbewerbsfähigkeit nicht merklich steigt, am Ende zu höheren Preisen führen.

Inflation sinkt derzeit in Euroland, trotz hoher Geldspritzen der EZ.

Inflation ohne niedrigen Ölpreis bei ein Prozent

Dass wir das im Augenblick noch nicht sehen, liegt an Sondersituationen. Erstens gehen die Ölpreise zurück. Hüfner: „Ohne diesen Faktor wäre die Inflation heute nicht Null, sondern über ein Prozent.“ Zweitens ist die Weltkonjunktur schwach. Hüfner: „Es gibt viele unausgelastete Kapazitäten. Das führt dazu, dass nicht nur die Preise der Rohstoffe sinken, sondern auch die anderer Güter und Dienste auf den Weltmärkten.

Preise sinken in Reformländern, trotz anziehender Konjunktur

Drittens fallen die Konsolidierungsanstrengungen der Reformländer ins Gewicht. Hüfner: Die Preise steigen trotz Hüfner, mancherorts besserer wirtschaftlicher Lage nicht, sondern gehen zurück, wie in Spanien. Hüfner: „Dort sinkt das Preisniveau derzeit um 0,3 Prozent, obwohl die Wirtschaft schon wieder um über drei Prozent wächst.

1930er Jahre: In einem Jahr stiegen die Preise um sechs Prozent

Doch diese Preisentwicklung ist nach Einschätzung von Hüfner nur vorübergehend. „Es dauert vielleicht noch 2016 an, aber sicher nicht mehr 2017.“ Wenn diese Sonderfaktoren nicht mehr da sind, dann werden die Preise wieder steigen. „Das kann schneller gehen als man denkt“, warnt Hüfner. Der Chefökonom hat die Preisentwicklung in der Weltwirtschaftskrise in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts angesehen. Die Preise gingen damals zunächst zeitweise um über zehn Prozent zurück. Als sich die Wirtschaft nach 1933 dann aber wieder erholte, zog die Inflation ganz schnell wieder an. In den USA dauerte es nicht einmal ein Jahr bis sie bei sechs Prozent lag. Für Europa liegen keine Daten vor.

Weltwirtschaftskrise war schlimmer als jene 2008

Hüfner: „Ich empfehle diese Zahlen all jenen, die behaupten, nach einer so tiefen Finanzkrise wie der Lehman-Pleite dauere es eben besonders lange, bis die marktwirtschaftlichen Gesetze wieder greifen. Die Weltwirtschaftskrise war sicher schlimmer als die Krise 2008/9.“

Geldmengenausweitung könnte zu höheren Preisen führen

Womit Anleger nach Einschätzung Hüfners rechnen müssen: Die weitere Lockerung der Geldpolitik durch die EZB wirkt sich kurzfristig zwar positiv für die Kapitalmärkte aus, aber das ist noch kein Grund zu jubeln. Auf Dauer erhöhen sie die Risiken. Wenn die EZB nicht rechtzeitig gegensteuert, wird die Geldmengenausweitung zu höheren Preisen führen. Dann geht es mit der Inflation auch nicht so langsam nach oben, wie die EZB in ihren Prognosen unterstellt (2016: 1,0 %, 2017: 1,6 %).

Ab 2017 drohen höhere Zinsen, sinkende Aktienkurse

Das wird sich dann auch in höheren Zinsen und einem Rückschlag bei den Aktien niederschlagen. Hoffentlich bleibt uns das im nächsten Jahr noch erspart. 2017 aber sicher nicht mehr.