Versteckte Gebühren bei "Gratis Jugendkonten"

Banken bewerben Jugendkonten gerne als gratis. Genau genommen sind Jugendkonten aber nicht immer ganz gratis. Ein AK Test für Jugendkonten bei 14 Banken zeigt: Die Banken verlangen zwar keine laufenden Kontoführungsgebühren. Aber: Zusatzspesen können zu teuren Kostenfallen werden.

Versteckte Gebühren bei "Gratis Jugendkonten"
Versteckte Gebühren bei "Gratis Jugendkonten"

Vorsicht, Falle: Für Bareinzahlungen können Banken auch bei "Gratis-Jugendkonten" Spesen verlangen.

Mit "Gratis-Jugendkonten" werben Banken um die Gunst der Jugendlichen. Das Interesse an den Jugendlichen ist groß, denn diese sind sehr treue und langjährige Kunden. Nur wenige wechseln später zu anderen Banken.

Die sogenannten Gratis-Konten sind jedoch, wie die Arbeiterkammer (AK) nun in einem Test festgestellt hat, oft Mogelpackungen. Die Konten sind nämlich nicht bei allen Banken wirklich gratis. Für nicht alltägliche Leistungen werden verlangen die Banken oft und gern zusätzliche Spesen, die bei Vertragsabschluss gerne auch unerwähnt bleiben und bestenfalls im Kleingedruckten der Verträge erläutert werden. "In den Werbeunterlagen im Internet fehlen häufig vollständige Spesenauflistungen“, kritisiert AK Konsumentenschützer Christian Prantner

Kostenlos sind bei den Jugendkonto-Paketen die Kontoführung und eine Bankomat- oder Servicekarte. Schon bei den Barbehebungen am Bankschalter verlangen aber vier von der untersuchten Banken Geld von den Jugendlichen - bis zu 1,50 Euro pro Auszahlung am Schalter.

Noch teurer wird es, wenn zum Beispiel eimal eine Lastschrift nicht durchgeführt wird, weil das Konto nicht ausreichend gedeckt ist. 13 der 14 untersuchten Banken fordern in diesem Fall Spesen zwischen 3,86 Euro und 9,19 Euro je nicht durchgeführter Transaktion.

Normalnutzern mit 280 Buchungen im Jahr - ein von der Arbeiterkammer für alle Konten angenommener Durchschnittswert - kann ein "Gratis-Jugendkonto" auch ohne besondere Spesen oder Konto-Überziehung bis zu 27 Euro pro Jahr kosten, hat die AK festgestellt. Wirklich kostenlos ist es bei easybank (easy schüler/easy lehrling), Erste Bank (Spark7 Jugendkonto), UniCredit Bank Austria (MegaCardKonto), Volksbank Wien-Baden (Aktivkonto), Bank Burgenland (0x24), WSK Bank (1-2-3 Startkonto), Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien (Raiffeisen Taschengeldkonto), Sparda Bank Austria Süd (Jugendkonto Pauschalverrechnung).

Konto überziehen ist teuer

Besonders teuer ist es auch, das Konto zu überziehen, was vor allem bei Lehrlingen immer wieder einmal vorkommt. Die Überziehungszinsen für Jugendkonten liegen zwischen 6,125 und elf Prozent. Im Schnitt fordern die Banken von den Judendlichen bei Kontoüberziehungen acht Prozent Zinsen. Damit sind Überziehungen bei den Jungendkonten nur eine Spur günstiger als bei normalen Gehaltskonten. Hier liegt der Mittelwert laut Arbeiterkammer bei rund elf Prozent.

Bei den Habenzinsen sind die Banken dagegen bei den Jugendlichen ebenso knausrig wie bei den herkömmlichen Gehaltskonten. Jugendliche erhalten aktuell zwischen 0,1 und 0,8 Prozent Zinsen auf ihre Guthaben, bei anderen Konten sind es 0,125 Prozent.

AK-Konsumentenschützer Prantner übt daher Kritik an der Zinsenpolitik der Banken: "Die Sollzinsen sind zu hoch, auch angesichts des niedrigen Leitzinses." In Zahlen gefasst heißt das: Die Banken haben die Haben- und Sollzinsen im Vergleich zur AK Erhebung aus dem Jahr 2010 gesenkt. Die durchschnittlichen Habenzinsen sind von 0,44 auf 0,125 Prozent gefallen. Die Sollzinsen wurden jedoch nur von 8,75 auf 8,50 Prozent reduziert.

Forderungen der AK

Die Arbeiterkammer ortet bei den Jugendlichen einen Aufholbedarf im Umgang mit Geld. Vor allem Zinsen und Gebühren seien wenigen vertraut. Im Sinne der Jugendlichen wäre daher eine Finanzbildung vorteilhaft. Eine konkrete Forderung der AK wäre, die Finanzbildung in den Schulunterricht zu integrieren. Die Bildungsmaßnahmen müssten von den Geschäftsinteressen der Bank unabhängig und sollten Teil einer umfassenden Verbraucherbildung sein. "Ein Bankprodukt an sich ist keine Garantie für einen besseren Umgang mit Geld", so die AK.

Die AK fordert auch mehr Transparenz. Die Jugendlichen und deren Erziehungsberechtige müssten von den Banken vollständig über alle eventuell anfallenden Kosten informiert werden. Die Banken sollten außerdem dazu verpflichtet werden, sämtliche Spesen auf ihren Websites klar und übersichtlich zu deklarieren.

Nicht zuletzt müsse "kostenlos" auch "kostenlos" bleiben. Das betreffe Barabhebenungen an den Kassen ebenso wie die Rückleitungen von Lastschriften oder Daueraufträgen im Falle einer nicht ausreichender Kontendeckung.

Tipps für Jugendkonten

  • Vergleichen: Prüfen Sie bei Jugendkonten Konditionen, Zinsen und Leistungsumfang. Klären Sie, ob die Zinsen fix oder variabel sind.
  • Altersgrenzen: Das Alterslimit für Jugendkonten kann je nach Bank unterschiedlich sein. Oft wird dann ohne Vorwarnung auf ein kostenpflichtiges Girokonto umgestellt.
  • Kontoüberziehung: Für SchülerInnen ohne eigens Einkommen gibt es keine Kontoüberziehung, für Lehrlinge sind geringfügige Überziehungsrahmen im Einzelfall denkbar. Die Erziehungsberechtigten sollten vor Kontoeröffnung die Fragen zur Kontoüberziehung klären.
  • Spesen abklären: Nicht alles ist gratis: Gebühren können etwa bei Bareinzahlungen oder Abhebungen an der Kassa anfallen. Online-Überweisungen und Bankomat sind günstiger.
  • Einblick für Erziehungsberechtigte: Manche Banken empfehlen, dass zumindest ein Elternteil bzw. Erziehungsberechtigter zeichnungsberechtigt ist, um Einblick in die Finanzen der Jugendlichen nehmen zu können. Ohne diese gilt für die Konten das Bankgeheimnis.