US-Techbörse Nasdaq im Höhenrausch

An der Börse läuft derzeit die Techparty auf Hochtouren. Seit September hat der Kurs der Nasdaq um 20 Prozent zugelegt. Google und Amazon schreiben gar Geschichte: Ihr Börsenwert übersteigt nun 300 Milliarden Dollar. Für Anleger wird es zwar riskanter, aber der Aufwärtstrend ist stark. Wo Experten noch zum Zugreifen raten und welche Tech-Fonds und ETFs derzeit zu den besten zählen.

An der Nasdaq gab es Aktien mit bis zu 740 Prozent Plus seit Jahresbeginn.

An der Nasdaq gab es Aktien mit bis zu 740 Prozent Plus seit Jahresbeginn.

Lange war die Stimmung in der US-Technologiebranche nicht mehr so gut wie jetzt. Tech-Riesen wie Google, Amazon, Facebook oder Microsoft lassen die Börsen jubilieren. Das bisherige Jahreshoch der größten Technologiebörse der Welt mit 4.695 Punkten ist mit aktuell 4.717 klar überschritten. Bis zu den Hochs aus dem Jahr 2000 von 4.816 Punkten fehlt nicht mehr allzu viel. Die Technologiebörse befindet sich damit aus charttechnischer Sicht in einem intakten Aufwärtstrendkanal.
Aktien des Internetriesen Google, mit dem neuen Dachnamen Alphabet oder des sozialen Netzwerks Facebook wurden auf neue Allzeithochs katapultiert. Der Software-Riese Microsoft notiert sogar auf einem Mehrjahreshoch. Bei der Aktie von C-Commerce-Player Amazon gab es eine regelrechten Kursexplosion.
Aktien des Nasdaq 100, dort sind die 100 größten Tech-Konzerne konzentriert, die in vergangenen drei Monaten an der Börse am besten abgeschnitten, waren unter anderem Amazon (+20,5 Prozent), Intel (+17,2 Prozent) und Alphabet (Google) mit einem Plus von 15,7 Prozent. Doch das sind nur jene Top-Performer des Nasdaq 100, an der Nasdaq Composite, in dem insgesamt 5.000 wachstumsstarke Firmen ihre Aktien listen, erzielte der Bestperformer, innerhalb der vergangenen drei Monate, Aquinox Pharmaceuticals, einen Wertzuwachs von 747 Prozent.
Auf Jahressicht ist Neflix mit 133 Prozent Wertzuwachs der große Gewinner der Techbörse, gefolgt von Amazon (106 Prozent) und Starbucks (51 Prozent).

Umsatzbooster Internet-Werbung und Cloud

Grund für die Partylaune sind die guten Quartalszahlen. Der neue Dachkonzern von Google, Alphabet, überzeugte sowohl bei Umsatz und Gewinn. So lagen die Erlöse im dritten Quartal bei 15,1 Milliarden Dollar. Analysten hatten mit schwächeren Zahlen gerechnet. Die Klicks haben unerwartet stark zugelegt. Der Konzern, der sich vor fünf Jahren wegen Unstimmigkeiten aus China zurückgezogen hat, will nun dort wieder starten und kräftig zulegen. Das KGV der Aktie beträgt zwar vergleichsweise moderate 25. Doch allein die Bekanntgabe der neuen Holdingstruktur sorgte im Sommer für einen Kurssprung von 540 Dollar in Richtung 700 Dollar. Die Luft wird damit für Anleger deutlich dünner.

Facebook: 300 Milliarden Dollar Börsenwert

Bei Facebook rechnen Analysten, selbst nach dem starken Kursanstieg, mit neuen Hochs. Im dritten Quartal ist der Umsatz kräftig gestiegen, der Gewinn auch. Facebook ist der ganz große Profiteur vom deutlichen anziehen der Internetwerbung. Dort rollen die Dollars derzeit richtig. Die Einnahmen aus Werbung wuchsen im letzten Quartal um mehr als 45 Prozent auf 4,3 Milliarden Dollar, davon entfielen fast 80 Prozent auf mobile Geräte. Hohe Gewinne bescherte etwa Displaywerbung am Handy, zudem fängt Facebook an YouTube das Wasser abzugraben. Mehr als jede fünfte Minute der Online-Nutzung von mobilen Geräten in den USA aus gehe nun auf das Konto von Facebook und des Fotodienstes Instagram, sagte Chief Operating Officer Sheryl Sandberg in einer Analystenkonferenz. Facebook verkündete zudem wiederholt einen kräftigen Anstieg der Nutzerzahlen. Demnach sehen sich täglich 500 Millionen Menschen acht Milliarden Videos auf Facebook an, eine Verdoppelung seit April.Der Konzern dürfte auch in Zukunft stark wachsen, plant dieser doch Investitionen in Höhe von drei Milliarden Euro. Doch die Bewertung der Aktie scheint mit einem KGV von 105 jenseits. Der Börsenwert des Unternehmens steigt in völlig neue Dimension. Erstmals liegt der Börsenwert des Unternehmens über der Marke von 300 Milliarden Dollar. Doch Analysten sind angesichts der guten Aussichten weiterhin zuversichtlich.

Amazon überrascht mit schwarzen Zahlen.

Selbst Amazon, der chronisch gewinnschwache E-Commerce-Anbieter, überraschte die Investoren mit einem Überschuss. Im vergangenen Quartal stieg dieser auf 79 Millionen Dollar. Das ist ein satter Erfolg im Gegensatz zum Vergleichsquartal des Vorjahres, als das Unternehmen 437 Millionen Dollar Verlust hinnehmen musste. Vor allem die Umsätze in Nordamerika und die der Cloud-Sparte haben überzeugt. In der Cloud-Sparte sprang der Umsatz gar um 78 Prozent. Amazon erreichte am Mittwoch erstmals einen Börsenwert von mehr als 300 Milliarden Dollar.
Kursziel von JP Moragn für Amazon: 750 Dollar. Aktueller Kurs: 640 Dollar.

Microsoft mischt bei Cloud und Big Data groß mit

Auch bei Microsoft rettet die Cloud den Umsatz. Microsoft hat sich mit der Software aus dem Internet robuster gemacht. Auch Büro-Software Office, die man im Internet kaufen kann, ist gefragt. So ist Microsoft im Bereich Datenbanken Konkurrent Oracle vom Thron zu stoßen. Mit der wachsenden Akzeptanz von Cloud- und Big-Data-Konzepten in der Unternehmens-IT beginnen nun auch Marktverschiebungen innerhalb der Branche. Ausschlaggebend dafür seien unter anderem Microsofts Investitionen in seine Data-Plattform, so Marktforscher Gartner in seiner Analyse "Magic Quadrant for Operational Database Management Systems". Oracle dagegen habe im Cloud-Zeitalter zunehmend Schwierigkeiten, seine führende Position zu behaupten, so Gartner. Die Kunden forderten flexiblere Lizensierungsmodelle, um die Vorteile von Cloud-Konzepten nutzen zu können. Zum ersten Mal nimmt Gartner Amazon Web Services (AWS) in den Kreis der führenden Datenbankanbieter auf. Den etablierten Anbietern IBM, Microsoft und Oracle muss das zu denken geben. Wer in diesem Bereich vorne ist, wird langfristig auch die Aktionäre erfreuen. Doch es bleibt spannend. Garnter rechnet damit, dass der Markt sich bis 2017 konsolidiert.

Apple: 53 Milliarden Dollar Gewinn und niedrige Bewertung

Für Anleger ein Blick wert könnte Apple sein. Das Unternehmen hat im vergangenen Jahr 53,4 Milliarden Dollar verdient. So viel hat kein Unternehmen der Welt jemals so viel verdient. Das KGV mit 13,3 ist dagegen geradezu minimal.

Ein Bereich, der die Digitalisierung noch weitgehend vor sich hat, ist das Gesundheitswesen. Die derzeit angesagtesten Trends in der Medizin sind digitale, personalisierte und mobile Gesundheit. Und genau hiervon will Open Source Health (WKN: A119AX) profitieren. Das High-Tech Unternehmen aus Kanada entwickelt eine innovative, cloudbasierte Realtimelösung für das Gesundheitswesen, die diesen Bereich revolutionieren könnte. Cromwell & Partner Capital Corp. Die cloudbasierte Realtimelösung in Kombination mit der myAva Plattform sowie dem Hormonsensor bietet die Möglichkeit einer Diagnose und Behandlung zu Hause anstatt in der Arztpraxis. Unser mittelfristiges Kursziel lautet dementsprechend 1,00 Euro und dies lässt das Unternehmen noch günstig erscheinen. Durch den Hormonsensor können Untersuchungen zu Hause in Echtzeit durchgeführt werden und die jeweiligen Daten umgehend an Spezialisten wie Fachärzte oder Kliniken weiter geleitet werden. http://www.opensourcehealth.com.

Kleinere Aktien mit hohen Chancen und große Risiken

Ein weiterer Tipp für überdurchschnittlich risikobereite Investoren: SponsorOne (WKN: A12FLK). Das Unternehmen ist ein Vorreiter im Bereich des cloudbasierten Social Sponsorings und könnte sich aufgrund des bahnbrechenden und extrem innovativen Marketingtools SponsorsCloud, zu einem neuen globalen Mediengiganten entwickeln.
Gut im Rennen ist auch Dialog Semiconductor. Das Unternehmen, entstand hauptsächlich aus den Telekommunikationskonzern Ericsson und den Finanzinvestor ApaxPartners und wächst nach jahrelanger Stagnation rasant. Der Umsatz wurde beispielsweise von 160 Millionen US Dollar in 2008 auf über 1150 Millionen in 2014 gesteigert. Zu den Kunden gehören Unternehmen wie Samsung, Apple, Bosch oder Sony Ericsson, wobei der Erfolg von Apple deutlich auf das Unternehmen abfärbt. Der florierende Geschäftsverlauf ermöglichte unter anderem die Übernahmen des Anbieters für drahtlose Endgeräte SiTel (2011) und dem Anbieter für LED Technik iWatt (2013). Die Dialog Semiconductor Aktie, 2008 noch lange Zeit unter einem Euro gehandelt, stieg in 5 Jahren bis über 10 Euro und notierte kürzlich sogar bei über 50 Euro. Bisher wurden Dialog Semiconductor Bauteile in jeder Generation von Iphone und IPad verbaut und finden auch in der Apple Watch Verwendung. Ein Grund ist die guten Geschäfte ist daher das Geschäft von Apple. Der Chip-Hersteller erzielt bis zu 70 Prozent des Umsatzes alleine durch Aufträge des Technologiekonzerns aus den vereinigten Staaten.

Zwar rechnen Experten kurzfristig mit Rückschlägen, doch 2016 rechnen etliche Analysten mit einer großen Rallye.

Techs als riskante Wette

Anleger, die in die Nasdaq investieren, sollten sich jedoch bewusst sein, dass es sich um eine hochvolatile Börse handelt. Die Netflix-Aktie etwa stieg im August auf ein Rekordhoch und fiel, trotz insgesamt hoher Kurszuwächse in den vergangenen drei Monaten, wenige Wochen später auf ein Ausverkaufstief und bewegt sich nun seitwärts. Der Grund für den Absturz: Der Online-Videodienst Netflix ("House of Cards") hat Anleger im dritten Quartal mit schwächer als erwartet ausgefallenem Kundenwachstum in den USA enttäuscht. Die Abonnentenzahl am US-Heimatmarkt stieg nur um 880.000 und blieb damit deutlich hinter der eigenen Prognose von 1,15 Millionen zurück. Wegen hoher Produktions- und Expansionskosten ging der Gewinn verglichen mit dem Vorjahreswert halbierte sich der Gewinn auf knapp 26 Millionen Euro.

ETFs und Fonds: Der beste Weg um daran zu profitieren

Ein günstiger Weg um an möglichen Kursgewinnen der 100 größten Nasdaq-Unternehmen zu partizipieren, sind Index-Zertifkate. Zu den renditestärksten Index-Zertifkate im vergangenen Jahr zählte der Lyxor UCITS ETF Nasdaq-100 (ISIN: FR0010446930) mit den der größten Papieren Appl, Microsoft und Amazon.
Zu den besten Technolgie-Fonds in den vergangen drei Jahren zählte der Fidelity Global Technology Fonds mit einem jährlichen Wertzuwachs von im Schnitt 27,8 Prozent im Jahr. Die Nummer zwei, was die Performance betrifft, ist der Meinl Wall Street Capital, der auf die Auswahl von nordamerikanischen Techfirmen spezialisiert ist.

Der Pictet-Digital Communication (ISIN:LU0101692670) ist auf die Auswahl von Unternehmen spezialisiert, die sich digitaler Technologien bedienen, um interaktive Dienste und/oder mit interaktiven Diensten verbundene Produkte im Kommunikationsbereich anzubieten. Die Rendite im vergangenen zwölf Monaten: 28,3 Prozent, in den vergangenen drei Jahren per anno: 24,3 Prozent.