US-Hedgefonds verdienen am Handel mit Lehman-Schulden Milliarden

US-Hedgefonds verdienen am Handel mit Lehman-Schulden Milliarden

Rund 20 Hedgefonds, die sich in den Morast der Finanzkrise vorwagten, haben mit dem Handel von Schulden der Bank mittlerweile Milliarden an Dollar verdient. Alleine seit Anfang 2013 ist die Rendite um 45 Prozent gestiegen. Sie verdienen bis zu 65 Cent pro Dollar Schulden.

Die Methode der Hedgefonds: Die Forderungen werden, oft oft zu einem Vielfachen der ersten Schätzungen, ausbezahlt. Die genannten Hedgefonds, haben den Bankrott jahrelang analysiert und ihr Geld in neu verfügbare Kredite investiert. Das hat eine Rally ausgelöst, bei der Aktien und hochriskante Anleihen nicht mithalten können.

“Es ist ein etwas überraschender Aspekt, dass man nach so langer Zeit noch immer so hohe Erträge rausholen kann”, sagt Marcia Page, Co-Investmentchefin von Varde, die seit 2008 in Ansprüche gegenüber Lehman investiert. “Es gibt einfach so viele Schulden.”

Zu den Profiteuren zählen unter anderem die Hedgefonds Paulson & Co., King Street Capital Management LP, Varde Partners Inc., Halcyon Asset Management LLC und Solus Alternative Asset Management LP.

Nur wenige wagen sich an die Investments heran

Die Investments waren ein Lichtblick in einer Welt sich stetig verteuernder Wertpapiere gewesen. Da sie schwer zu analysieren sind, teils von Entscheidungen der Richter abhängen und eine Auszahlung lange auf sich warten lassen dürfte, bleibt ihr Käuferpool auf jene begrenzt, die angemessene Ressourcen und verfügbares Kapital haben.

Hilfe der Notenbanken als Geldsegen für Hedgefonds

Mittlerweile haben die Vermögenswerte massiv an Wert gewonnen. Grund dafür ist zum einen, dass die Treuhänder Rechtsstreitigkeiten zu besseren Bedingungen beilegen konnten als erwartet. Zum anderen sind dafür auch die beispiellosen Maßnahmen der Notenbanken zur Stützung des Finanzsystems verantwortlich - nachdem die Lehman-Pleite damals zu einer weltweiten Kreditklemme geführt hatte. Diese Zentralbankmaßnahmen haben die Preise für alles, von Immobilien bis zu Derivaten, nach oben getrieben.

Lehman-Schuldentitel haben seit 2013 um 45 Prozent zugelegt

Lehman sei “ein Handelsgeschäft, das sich weiter auszahlt”, sagte John Paulson, dessen Firma mit dem Investment mehr als 1 Mrd. Dollar verdient hat, im April bei einer Telefonkonferenz mit Kunden. Die Lehman-Schuldtitel haben in diesem Jahr bis Ende des ersten Quartals um rund elf Prozent zugelegt und seit Anfang 2013 etwa 45 Prozent gewonnen, erklärte Paulson & Co. in einem Investorenbrief, in den Bloomberg News Einsicht hatte.

Hochrentierliche und hochriskante Anleihen haben seit Ende 2012 einen Ertrag von 12 Prozent eingebracht, zeigen Indexdaten von Bank of America Merrill Lynch. Der US-Aktienindex Standard & Poor’s 500 hat mehr als 30 Prozent zugelegt.

Lehman hat im September 2008 mit 613 Mrd. Dollar an Schulden Gläubigerschutz nach “Chapter 11” des US- Insolvenzrechts beantragt

- nachdem die in New York ansässige Bank weder Hilfen der US-Regierung erhalten noch einen Käufer finden konnte. Nach ihrer Gründung 158 Jahre zuvor als Baumwollhändler brach das Institut schließlich unter einer enormen Schuldenlast zusammen - infolge riskanter Immobilien- Investments, wie aus dem Bericht des Konkursprüfers hervorgeht.

Die ersten großen Verkäufer von Lehman-Forderungen waren Gegenparteien für Handelsgeschäfte wie Morgan Stanley. Die US- Bank entledigte sich ihrer Positionen in den Jahren 2009 und 2010, sagten zwei mit dem Vorgang vertraute Personen, die namentlich nicht genannt werden wollten.

Paulson und Varde gehörten zu den frühen Käufern der Forderungen. Kurz nach der Insolvenz wurden Papiere des Mutterkonzerns für etwa 8 Cent pro Dollar und für die Broker- Händler-Sparte im mittleren zweistelligen Bereich gehandelt. Lehman schätze 2011, dass der durchschnittliche Gläubiger für schätzungsweise 370 Mrd. Dollar an gewährten Ansprüchen zur Auszahlung bis 2016 etwa 18 Cents je Dollar erhalten würde.

Hohe Renditespannen für Gläubiger

Einige Teile von Lehman sind besonders lukrativ gewesen. Der Handel mit Schulden der Lehman-Sparte für Spezialfinanzierungen startete Ende 2009 bei etwa 29 Cents und liegt nun - mit Ausschüttungen - bei etwa 65 Cents, sagt Scott Hartman, ein Managing Director mit Fokus auf Insolvenzen bei Varde in Minneapolis. Ansprüche gegen die britische Sparte von Lehman wurden Mitte 2009 anfänglich zu 20 Cents je Dollar gehandelt, nun entsprächen sie etwa 150 Cents.

Seit dem Zusammenbruch von Lehman haben fast 20 Hedgefonds beständig in Lehman-Schuldtitel investiert, schätzt Hartman. Das Investment, das bei Varde einen niedrigen zweistelligen Prozentanteil ausmacht, habe in den letzten Jahre mitunter eine der besten Entwicklungen verzeichnet, fügt er an.

“Die Erträge sind sehr attraktiv gewesen, ein enormer Ergebnisträger in den letzten fünf Jahren”, so Hartman. “Wenn man das Geld wiederbekam, hat der Markt es tendenziell wieder in die Lehman-Struktur reinvestiert - es hat also einen Kapital- Recycling-Effekt gegeben.”

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