Überraschender Chefwechsel bei Thomas Cook - Aktie bricht ein

Überraschender Chefwechsel bei Thomas Cook - Aktie bricht ein

Die vor zwei Jahren als "Krisenmanagerin" geholte Harriet Green verlässt zweitgrößten Reisekonzern Europas. Die Reaktion an der Börse folgte postwendend: Die Aktie der Thomas Cook Group verlor zwischenzeitlich um fast 25 Prozent. Ein Schweizer Sanierungsexperte soll das Ruder nun umdrehen.

Peterborough/London. Überraschender Chefwechsel bei Thomas Cook: Harriet Green tritt nach nur zwei Jahren an der Spitze zurück. Der bisherige Leiter des Tagesgeschäfts, Peter Fankhauser, übernimmt mit sofortiger Wirkung die Unternehmensführung, wie Europas zweitgrößter Reiseveranstalter (Neckermann Reisen, Condor) am Mittwoch im englischen Peterborough mitteilte. Die Aktie brach daraufhin 20 Prozent ein.

"Es war eine einhellige Entscheidung", sagte Verwaltungsratschef Frank Meysman. Auch Green sei damit einverstanden. Nach der Managerin mit ihrem frischen Blick von außen brauche es nun einen erfahrenen Reisefachmann an der Konzernspitze.

Die Thomas-Cook-Aktie reagierte mit einem Kurssturz. Kurz nach Handelsbeginn verlor das Papier an der Londoner Börse 24,6 Prozent an Wert. Am späten Nachmittag war das Minus bei 17,6 Prozent.

Austausch der Sanierer

Green hatte den Chefposten vor zwei Jahren in der schwersten Krise des Unternehmens übernommen. Zuvor hatte sie den Elektronikgroßhändler Premier Farnell geführt. Dem Reiseveranstalter verordnete sie einen harten Sanierungskurs. An der Börse stieg der Wert von Thomas Cook seit ihrem Antritt von 148 Millionen auf knapp 2 Mrd. britische Pfund (2,52 Mrd. Euro). "Harriet hatte einen äußerst positiven Einfluss auf das Unternehmen", sagte Meysman. Ihr sei immer klar gewesen, dass ihre Aufgabe irgendwann erfüllt sein werde.

Ihrem Nachfolger Fankhauser geht es nun "um die Umsetzung und darum, zu liefern", wie er in einer Telefonkonferenz sagte. Der 54-jährige Schweizer hat bereits die deutsche Konzerntochter Thomas Cook mit Marken wie Neckermann Reisen, Bucher Last Minute und der Fluglinie Condor zum Erfolg geführt. Danach brachte er zusätzlich die angeschlagene Großbritannien-Sparte auf Kurs. Vor einem Jahr übertrug ihm der Verwaltungsrat die Führung des kompletten Tagesgeschäfts im Konzern.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2013/2014 (30. September) steigerte Thomas Cook seinen um Sondereffekte bereinigten operativen Gewinn um 23 Prozent auf 323 Mio. britische Pfund. Allerdings steckte der TUI-Konkurrent unter dem Strich weiterhin in den roten Zahlen. Der Nettoverlust halbierte sich im Vergleich zum Vorjahr nahezu auf 118 Mio. Pfund.

Der Umsatz schrumpfte um acht Prozent auf 8,6 Mrd. Pfund, nachdem sich Thomas Cook von Geschäftsbereichen getrennt und viele Billigreisen aus dem Programm genommen hatte. Zudem zogen ungünstige Währungskurse und die schwache Nachfrage nach Ägypten-Reisen die Erlöse nach unten.

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