Über wetterfeste Aktien und die Nadel im Heuhaufen

Der Manager des US-Fonds Threadneedle, Dave Dudding, über wetterfeste Europa-Aktien und warum er auch ganz gerne in Indien investiert.

Über wetterfeste Aktien und die Nadel im Heuhaufen

Dave Dudding, Threadneedle, mit Ausblick auf die Londoner City.

FORMAT: Ihr Europaaktienfonds Threadneedle European Select hat in den vergangen zehn Jahren auf Eurobasis im Durchschnitt knapp neun Prozent jährliche Wertsteigerungerung erzielt. Kann das so weitergehen?
Dave Dudding: Was die Börsen machen, lässt sich nicht vorhersagen. Ich kann nur sagen, dass ich Aktien kaufe, deren Gewinne in den nächsten fünf Jahren im Schnitt um sieben bis acht Prozent steigen sollten - und das relativ verlässlich.

Wie optimistisch sind Sie für europäische Aktien im kommenden Jahr?
Dudding: Bei Ölaktien werden wir sicher keine steigenden Profite sehen. Dementsprechend bin ich auch für den Gesamtmarkt skeptisch, vermutlich werden die Erwartungen ähnlich wie in den letzten Jahren enttäuscht. Aber das ist für mich nicht der Punkt: Ich kaufe ja nicht den Durchschnitt aller Aktien, sondern nur solche mit stabilen Profitperspektiven.

Wie stabil sind die Gewinnaussichten, wenn Europa wieder in eine Rezession zurückfällt?
Dudding : Viele Unternehmen im Fonds sind große Exporteure und erzielen einen Großteil des Gewinnes außerhalb Europas. Außerdem liegt ein Schwerpunkt unseres Fonds auf Pharmaunternehmen, die ziemlich krisenresistent sind, zum Beispiel Novartis, Roche und Novo Nordisk. Selbst Pessimisten sagen, dass der Insulin-Hersteller Novo Nordisk die Gewinne in den nächsten fünf Jahren um zehn Prozent steigern kann. Stark übergewichtet ist auch das Dialyse-Unternehmen Fresenius Medical Care. Wenn Menschen eine Nierenwäsche benötigen, brauchen sie diese in einer Rezession genau so oft. Und unsere Position in Ryanair würde sogar von einer Konjunkturschwäche profitieren, weil Menschen dann billigere Luftlinien nutzen.

Viele Exporteure hängen stark von den Schwellenländern ab. Dort geht das Wachstum deutlich zurück.
Dudding: Das hängt ganz vom einzelnen Land ab. Wir sind skeptisch für Brasilien, aber ausgesprochen optimistisch für Indien. Außerdem sollte man nicht den Fehler vieler Anleger begehen und zu kurzfristig denken. Aktien mit hohen Umsätzen in den Schwellenländern sind im Sommer stark gefallen. Wir nutzen solche Phasen der Angst, um Positionen aufzubauen. Wir haben zum Beispiel den Lebensmittelkonzern Unilever gekauft. Die jüngsten Geschäftszahlen geben uns recht, auch der Kurs stieg danach kräftig.

Was war die letzte Aktie, die Sie kauften?
Dudding: Pernod Ricard. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis lag wegen Sorgen über das China-Geschäft nur noch bei 16. Angesichts der Marken und der Stellung als einer der größten Cognac-Produzenten der Welt ist das günstig. Die Nachfrage nach Cognac steigt weltweit, man kann aber nur begrenzte Mengen erzeugen.

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Zur Person

Dave Dudding ist seit 1999 für die britisch-amerikanische Fondsfirma Columbia Threadneedle tätig, die insgesamt 451 Milliarden Euro verwaltet. Er arbeitet mit rund 600 Kollegen im neuen Großraumbüro der Fondsgesellschaft mit Blick auf die Londoner City.
Dudding wurde 1971 in Berlin geboren und studierte Geschichte sowie Politik in Oxford. Nach dem Studium war er als Finanzjournalist unter anderem für den "Investors Chronicle" tätig.