Twitter will endlich wachsen - und entlässt 336 Mitarbeiter

Twitter will endlich wachsen - und entlässt 336 Mitarbeiter

Heute war ein düsterer Tag für die Twitter-Belegschaft: Das Unternehmen will bis zu 336 Stellen streichen.

Twitter zieht aufgrund des langsamen Wachstums nun Konsequenzen: Der Kurznachrichtendienst entässt acht Prozent seiner Belegschaft - was 336 Mitarbeitern entspricht. "Die Restrukturierung ist Teil eines Gesamtplans, um die Firma auf die obersten Produktprioritäten zu konzentrieren und die Effizienz voranzutreiben", hieß es.

Twitter tritt auf die Sparbremse. Der Kurznachrichtendienst will mehr als 300 Stellen streichen - vor allem bei Ingenieuren und im Produktteam. Dies kostet das Unternehmen eigenen Angaben zufolge rund zehn bis 20 Millionen Dollar an Abfindungen.

Die Ausgaben für den Umbau würden auf fünf bis 15 Millionen Dollar geschätzt. Die langfristigen Ersparnisse durch die Stellenstreichungen sollen demnach in das Unternehmenswachstum investiert werden.

Die Anleger nahmen die Nachricht positiv auf: Die Twitter-Aktien gewannen satte 4,59 Prozent.

Nutzerzahlen lassen zu Wünschen übrig

Twitter hatte zuletzt enttäuschende Geschäftsberichte vorgelegt und die Nutzerzahl seit dem Börsengang im Herbst 2013 nicht so stark steigern können wie erwartet. Vergangene Woche war Mitgründer Jack Dorsey dauerhaft als Unternehmenschef zurückgekehrt, nachdem er im Juli nach dem Rücktritt des Vorgängers Dick Costolo bereits übergangsweise an die Firmenspitze gerückt war.

Twitter hat nach eigenen Angaben weltweit gut 300 Millionen aktive Mitglieder. Andere soziale Dienste sind Twitter mehr als eine Nasenlänge voraus. Der zu Facebook gehörende Fotodienst Instagram knackte Ende September die Marke von 400 Millionen Nutzern. Der Messaging-Dienst Whatsapp - ebenfalls eine Facebook-Tochter - erreicht monatlich rund 900 Millionen aktive Nutzer.

Seit seiner Gründung hat das soziale Netzwerk noch keinen Gewinn gemacht. Von April bis Juni schrieb das Unternehmen einen Verlust von 137 Mio. Dollar. Die Zahlen für das laufende Quartal legt Twitter Ende Oktober vor.

Arabischer Prinz seit kurzem zweitgrößter Aktionär

Ende Juli hatte Dorsey Wachstumsprobleme eingeräumt. Neue Angebote von Twitter hätten sich bisher nicht wie gewünscht in einer höheren Nutzerzahl niedergeschlagen, sagte er. "Das ist inakzeptabel und wir sind darüber nicht glücklich." Finanzchef Anthony Noto erklärte damals, nennenswertes Wachstum sei für einen "erheblichen" Zeitraum nicht zu erwarten. Im Bemühen um neue Nutzer hob Twitter im August die Beschränkung auf 140 Zeichen bei privaten Textnachrichten auf. Seitdem wird spekuliert, ob die Grenze bald auch bei öffentlichen Tweets fallen könnte.

Erst vergangene Woche erwarb der saudi-arabische Milliardär Prinz Al-Walid bin Talal und seine Holding-Gesellschaft weitere Anteile an Twitter und sind dort nun der zweitgrößte Aktionär.

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