Twitter-Chef verzwitschert Anlegern die Laune

Twitter-Chef verzwitschert Anlegern die Laune

Twitter-Chef Jack Dorsey sieht schwere Zeiten für den Social Messaging Dienst.

Twitter-Chef Jack Dorsey hat schlechte Botschaften für die Anleger. Sein Ausblick ist alles andere als optimistisch: Dorsey spricht von schweren Zeiten infolge schwachem Nutzerwachstum als großes Problem.

Jack Dorsey, der CEO mit dem markanten Bart, redet nicht um den heißen Brei. Mit Hipster-Vollbart und grauem Hoodie sagte Twitters-Interimschef frei heraus, wo das Unternehmen steht - und verdarb Investoren damit gründlich die Laune. Zuvor hatten die Quartalszahlen noch für gute Stimmung gesorgt.

Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt: Twitter hat Anleger am Dienstagabend mit besser als erwartet ausgefallenen Quartalszahlen entzückt - doch dann folgte der Schock in Form von schwachem Nutzerwachstum und trübem Geschäftsausblick. Die Aktie von Twitter hat am Dienstag in New York noch um 5,3 Prozent stärker notiert. Nachbörslich folgte der Absturz: nach einem Plusplus von rund zehn Prozent ging der Kurs auf Talfahrt auf bis auf minus zehn Prozent gegenüber dem Vortag. Ein Analyst sprach von einer "Achterbahnfahrt". In Frankfurt ging es dann am Mittwoch weiter im freien Fall: Bis 10:30 Uhr hat die Aktie an der Frankfurter Börse um rund zehn Prozent verloren.

Twitters Mitgründer und Interimschef Jack Dorsey sprach nach der Bilanzvorlage gemeinsam mit seinem Finanzvorstand Anthony Noto Klartext in einer Analystenkonferenz. Sie schworen Investoren auf schwere Zeiten ein. Vor allem das Nutzerwachstum entpuppt sich als großes Problem. Noto sprach von einer "dramatischen Verlangsamung". Die Zahl der User, die mindestens einmal im Monat Twitter nutzen, stieg im zweiten Quartal kaum noch und lag zuletzt bei 316 Millionen.

Neue Nutzer: Fehlanzeige

Der 39jährige Dorsey, der den Spitzenjob zu Monatsbeginn vom nach Dauerkritik zurückgetretenen Dick Costolo übernahm, ging mit dem bisherigen Kurs hart ins Gericht. Das Bemühen, neue Nutzer zu gewinnen, habe bisher keine nennenswerte Wirkung gezeigt: "Das ist inakzeptabel".

Twitter sei zu kompliziert, so die Kernbotschaft der über Twitters Livestream-App Periscope übertragenen Konferenz, in der sich Dorsey mit Kapuzenpulli und Hipster-Vollbart zeigte. Finanzchef Noto sagte, es werde beträchtliche Zeit in Anspruch nehmen, bis der Firma die Wende gelingen könne. Damit war die Freude am Markt über die Quartalszahlen dahin und die Aktie stürzte ab.

Zuvor hatten Anleger noch regelrecht euphorisch reagiert, weil Twitter beim Umsatz im zweiten Quartal überraschend gut voran kam. Die Erlöse stiegen verglichen mit dem Vorjahreswert um 61 Prozent auf 502 Mio. Dollar (455,3 Mio. Euro). Ohne den Einfluss des starken Dollar, der die Auslandseinnahmen nach Umrechnung in US-Währung reduziert, hätte der Zuwachs 68 Prozent betragen.

Die Werbeeinnahmen nahmen um 63 Prozent auf 452 Mio. Dollar zu. Davon entfielen 88 Prozent auf das zukunftsträchtige Geschäft mit mobilen Anzeigen auf Smartphones oder Tablets. Doch schon ein näherer Blick auf die Zahlen reichte für erste Ernüchterung. So übertraf die Umsatzentwicklung zwar die Prognosen, der Zuwachs erwies sich aber als der bisher schwächste in einem Quartal seit dem Börsengang im November 2013.

Die Aktie von Twitter hat am Dienstag in New York noch um 5,3 Prozent stärker notiert. In Frankfurt ginges dann am Mittwoch in den frein Fall: Bis 10:30 Uhr hat die Aktie rund zehn Prozent verloren.

Die Übergangsphase

Zudem verliert Twitter weiterhin Geld - auch wenn das Minus zum Vorjahr immerhin von 145 auf 137 Mio. Dollar verringert werden konnte. Das Unternehmen steckt in einer Übergangsphase, nach Costolos Abgang muss ein neuer Vorstandschef her. Firmen-Mitbegründer Dorsey, der Twitter bereits in der Vergangenheit führte, kommt für etliche Mitglieder im Twitter-Aufsichtsrat als Dauerlösung nicht infrage, weil er Twitter nur im Teilzeitjob führen kann. Er leitet parallel den Bezahldienst Square, der laut US-Medien vor dem Börsengang steht.

Twitter braucht ein klares Konzept, um Nutzer zu überzeugen und profitabel zu werden. Doch große Hoffnungen sollen sich Investoren vorerst nicht machen: "Wir erwarten kein nachhaltiges, bedeutendes Wachstum, bevor wir den Massenmarkt erreichen", sagte Finanzchef Noto. Und das werde noch erheblich dauern. Möglicherweise wird sich um diese Baustelle ohnehin bald ein anderes Management kümmern - Twitter wird schon länger als Übernahmekandidat gehandelt.

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