Trotz Sorgenkind Ungarn: Erste Group blickt zuversichtlich auf zweite Jahreshälfte

Trotz Sorgenkind Ungarn: Erste Group blickt zuversichtlich auf zweite Jahreshälfte

Erste-CEO Andreas Treichl: "Ungarn nächstes Jahr wieder in der Gewinnzone".

Die Erste Group setzt ihren Erholungskurs im zweiten Quartal dank des Wirtschaftsaufschwungs in weiten Teilen Osteuropas fort. Von April bis Juni verbuchte das Spitzeninstitut der Sparkassen einen Nettogewinn von 261 Millionen Euro - und damit mehr als von Analysten erwartet. Wegen der anhaltenden Verluste bleibt Ungarn das Sorgenkind der Bank.

Für das heurige zweite Quartal 2015 hat die Erste Group insgesamt einen Nettogewinn von 261,4 Mio. Euro ausgewiesen, nach 225,8 Mio. Euro Überschuss im ersten Quartal. Im zweiten Quartal 2014 hatte die Bank nach hohen Abschreibungen und Wertberichtigungen im Osten (vor allem in Rumänien) einen Rekord-Quartalsverlust von 1,033 Mrd. Euro geschrieben.

Dank der anziehenden Konjunktur erwartet das Institut im laufenden Jahr weiter sinkende Vorsorgen für faule Kredite: Sie sollen nun auf 0,9 bis 1,1 Milliarden Euro zurückgehen - und nicht wie zuletzt in Aussicht gestellt auf ein bis 1,2 Milliarden Euro.

Die Erste Group ist der drittgrößte Kreditgeber in Osteuropa und anders als ihre beiden größeren Konkurrentinnen UniCredit Bank Austria und Raiffeisen Bank International nicht in Russland und der kriselnden Ukraine engagiert. Das kommt der Bank nun zugute: In einigen ihrer Kernmärkte wie Österreich, der Slowakei und Rumänien wächst die Wirtschaft nach der Krise der vergangenen Jahre nun wieder stärker. Die Erste profitiert davon durch eine anziehende Kreditvergabe und geringere Risikovorsorgen: Solche Rückstellungen müssen Banken bilden, wenn ihre Kunden in wirtschaftlich schlechten Zeiten Kredite nicht zurückzahlen können.

Sorgenkind Ungarn

Die bessere Entwicklung spiegelt sich auch einem dickeren Kapitalpolster wider. Die bei den Aufsehern viel beachtete harte Kernkapitalquote (Basel 3) stieg auf 11,3 von 10,6 Prozent Ende 2014.

Einziger Wermutstropfen waren die anhaltenden Verluste in Ungarn: "Doch angesichts der Verbesserungen im Geschäftsumfeld und der Tatsache, dass die Regierung ihre Zusage einhält, die Bankensteuer zu senken, sind wir zuversichtlich, dass wir nächstes Jahr wieder in die Gewinnzone zurückkehren werden", sagte Bankchef Andreas Treichl.

Die UniCredit-Tochter Bank Austria musste im ersten Halbjahr wegen hoher Verluste in der Ukraine einen Gewinnrückgang um gut ein Drittel hinnehmen. Nun will sich das Institut so rasch wie möglich von den Aktivitäten trennen. Die Raiffeisen Bank International will ihre Halbjahresbilanz am 19. August vorlegen.

Dividende für 2015 angepeilt

Nach dem Verlustrekord von 1,44 Mrd. Euro waren die Aktionäre der Erste Group 2014 leer ausgegangen. Nach dieser Bereinigung von Altlasten und "stark verbesserter Profitabilität" im bisherigen Jahresverlauf peilt die Erste Group für 2015 die Zahlung einer Dividende an. Wie hoch diese ausfallen soll, sagte Vorstandschef Andreas Treichl nicht, da noch nicht klar ist, wie es mit den neuen Kapitalvorschriften aussieht.

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