Tickende Zeitbombe: Minizinsen halten Zombie-Kredite am Leben

Tickende Zeitbombe: Minizinsen halten Zombie-Kredite am Leben

Damit dürfte aber die Bereinigung von faulen Krediten hinausgeschoben werden. Vor allem in den europäischen Periepherie-Staaten wie Spanien und Italien ist die Zahl der notleitenden Kredite in den vergangenen zwei Jahren weiter gewachsen. Es droht laut BIZ eine Destabilisierung des Bankensektors. Es gebe auch schlummernde Risiken bei Banken mit vernünftigen Kreditvergabemethoden. Die US-Banken entwickeln sich dagegen besser.

Die rekordtiefen Zinsen der Europäischen Zentralbank und die reichliche Liquidität haben die Kreditmargen der Banken ausgeweitet, so dass sie Verluste in Teilbereichen übertünchen können, schreibt die BIZ in Basel in einer am Sonntag veröffentlichten Studie. Daher sei es so wichtig, andere Möglichkeiten zur Bereinigung der Bankbilanzen wie die Prüfung der Aktiva-Qualität (Asset Quality Review) durch die EZB zu finden.

Schuldner am Rande der Pleite können sich länger über Wasser halten

“Im Euroraum stellt die Durchsetzung von Bilanzsanierungen eine erhebliche Herausforderung für die Entscheidungsträger dar”, schrieb die BIZ, die als Bank der Zentralbanken gilt. “Die niedrigen Zinssätze senken auch die Kosten von Stundungen und begünstigen diese damit, d.h. faktisch insolvente Schuldner werden über Wasser gehalten, um so Verlustabschreibungen hinauszuschieben.”

Verschuldung in den USA hat sich fast halbiert

In den Jahren seit 2010 sind notleidende Kredite in den Ländern der Euro-Peripherie wie Spanien und Italien weiter gewachsen. Dort machen sie mehr als 10 Prozent des gesamten Kreditvolumens aus, da der Abschwung die Verschuldung der Privat- und Firmenschuldner bloßgelegt hat. Mittlerweile sind sie hingegen im vergangenen Jahr in den USA auf weniger als 4 Prozent zurückgegangen, verglichen mit einem Höchstwert von etwa 7,5 Prozent nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers im Jahr 2008.

EZB-Bewertung von 128 Banken soll Klarheit schaffen

Das Aufspüren von Stundungen ist eine der wesentlichen Herausforderungen, die die EZB mit ihrer “umfassenden Bewertung” der 128 größten Banken des Euroraums zu erreichen hofft. Zu dem Verfahren gehört auch eine Überprüfung, bei der festgestellt wird, ob Gesellschaften Schuldnern leichtere Zahlungskonditionen einräumen, um zu verhindern, dass Kredite als zahlungsunfähig ausgewiesen werden müssen.

Bankensektor in Euroland in Gefahr

“Die Erfahrungen Japans in den 1990er Jahren zeigen, dass fortlaufende Stundungen nicht nur den Bankensektor direkt destabilisieren, sondern auch das Kreditangebot belasten”, erklärte die BIZ. “Dies macht deutlich, wie wertvoll die Prüfung der Aktiva-Qualität durch die EZB ist; diese soll die Bilanzsanierung beschleunigen.”

Die schwelenden notleidenden Kredite in den Büchern der Banken laufen Bemühungen entgegen, die Eigenkapitalquoten zu stärken, erklärte die BIZ.

“Die Kapazität des Eigenkapitals, künftige Verluste zu absorbieren, wird erheblich durch nicht ausgewiesene Verluste aus Altlasten beeinträchtigt”, erläuterte die BIZ. “Nicht ausgewiesene Verlust verzerren die Anreize von Banken, indem Ressourcen dazu eingesetzt werden, notleidende Schuldner über Wasser zu halten, anstatt zur Finanzierung neuer Projekte.”

Risikobewusstsein soll geschärft werden

EZB-Präsident Mario Draghi kombiniert verschiedene Instrumente und die Notenbank versucht, das Risikobewusstsein der Banken zu schärfen und sie in Ländern, die gerade erst aus der Rezession kommen, dazu zu bringen, Kredite zu vergeben.

Zwar übt die EZB-Prüfung der Bankbilanzen Druck auf die Geldhäuser aus, ihre Bücher zu säubern. Aber Draghi bietet ihnen auch bis zu 400 Mrd. Euro an billiger Finanzierung, um die Kreditvergabe rasch anzukurbeln, die ein Jahr, nachdem der Euroraum seine bisher längste Rezession hinter sich ließ, immer noch lustlos ist.

Auch Schweiz und Skandinavien betroffen

Die BIZ warnte auch vor den schlummernden Risiken für Banken in Ländern, wo die Kreditvergabe gesund ist, wächst und der Gewinnausblick heiter ist. Sie verwies in diesem Zusammenhang auf einige aufstrebende Volkswirtschaften sowie die Schweiz und die nordischen Länder.

“In Ländern, in denen derzeit ein Finanzboom herrscht, sind die Banken möglicherweise schwächer als es erscheint”, heißt es weiter. “Die Wahrnehmung günstiger Kreditaussichten und eines starken Gewinnpotenzials beruht auf einer instabilen, fremdfinanzierten Expansion.”

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