ThyssenKrupp will wieder Dividende zahlen

ThyssenKrupp will wieder Dividende zahlen

Nach Jahren mit Milliardenverlusten will der deutsche Stahlkonzern wieder eine Dividende auszahlen. Im Geschäftsjahr 2014/15 sollen sogar die Ergebnisse wieder steigen. Die Börsianer jubeln bereits. Doch Vorsicht ist geboten.

Essen. Nach drei Verlustjahre ensuite gibtes bei ThyssenKrupp wieder positive Stimmung. Der Industriekonzern schreibt wieder schwarze Zahlen. Eine Dividende von 11 Cent soll sogar für das Geschäftsjahr 2013/14 (per Ende September) ausgeschüttet werden, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Zur Überraschung vieler Analysten - sie hatten damit nicht gerechnet.

Einen Nettogewinn von 210 Mio. Euro konnte zuletzt erzielt werden. Im Vorjahr wurde noch eine Fehlbetrag von über 1,4 Milliarden Euro eingefahren. Den Gewinn (Ebit, vor Zinsen und Steuern) konnte ThyssenKrupp mit 1,3 Mrd. Euro mehr als verdoppeln. Die Börsianer jubelne bereits: Im frühen Handel bei Lang & Schwarz stiegen die Aktien des Konzerns um gut fünf Prozent. Im Verlauf des Vormittags notierte die Aktie bei 20 Euro rund 1,47 Prozent im Plus.

Vorstandschef Heinrich Hiesinger, dessen Vertrag am Vortag bis 2020 verlängert wurde, will im laufenden Geschäftsjahr die Ergebnisse weiter steigern. Der Überschuss solle deutlich verbessert werden. Das Ebit mindestens auf 1,5 Mrd. Euro klettern. Perspektivisch peile ThyssenKrupp ein Ebit von mindestens zwei Mrd. Euro an. Einen Zeitraum dafür nannte Hiesinger aber nicht.

Stahlharte Disziplin

Doch Vorsicht ist noch immer angebracht. Die Stahlindustrie in Europa steckt in einer Konjunkturflaute, der anhaltende Preisdruck und Überkapazitäten machen der Stahlindustrie zu schaffen. Hiesinger erklärte einmal mehr, dass der Konzern die Wende noch nicht geschafft habe. Der langfristige Geldzufluss müsse sicher gestellt werden. ThyssenKrupp habe in seinen Krisenzeiten mehr Geld ausgegeben als eingenommen. Erlöse aus Unternehmensverkäufen hätten den Konzern gestützt. Ohen diese Erlöse hätte das Unternehmen mehr erneut mehr Geld verbrannt.

Die letzte Dividende hatte ThyssenKrupp für das Geschäftsjahr 2010/11 gezahlt. Damals gab es 45 Cent je Aktie. Über die jetzige Gewinnausschüttung dürfte sich auch die Krupp-Stiftung freuen, deren wichtigste Einnahmequelle die Dividenden aus der 23-prozentigen Beteiligung sind. Zu den Anteilseignern zählt auch der Finanzinvestor Cevian, der mit gut 15 Prozent neuer Großaktionär ist. Cevian kündigte an, seinen Deutschland-Chef Jens Tischendorf Anfang 2015 in den Aufsichtsrat schicken zu wollen.

Kräftiger Schuldenabbau

"Das Geschäftsjahr 2013/14 markiert einen Meilenstein in unserer Ergebnisentwicklung", sagte der ThyssenKrupp-Chef. Der Konzern komme voran, er wolle aber nicht nachlassen und die Ergebnisse weiter verbessern. Die Nettofinanzschulden konnte er binnen eines Jahres um rund 1,5 Mrd. auf 3,5 Mrd. Euro verringern. Hiesinger schraubte das bis September 2015 geplante Einsparziel um 200 Mio. auf 2,5 Mrd. Euro nach oben. ThyssenKrupp soll weiter zu einem breit aufgestellten und profitablen Industriekonzern umgebaut werden. "Die Summe der Konzernteile schafft mehr Wert, als jeder einzelne Geschäftsbereich es jemals alleine könnte."

Im vergangenen Geschäftsjahr profitierte der Konzern von seinem Kostensenkungsprogramm. Das ursprünglich angepeilte Einsparziel von 850 Mio. Euro sei um 150 Mio. Euro übertroffen worden. Die Sparte Steel Americas, zu der nach dem Verkauf des US-Stahlwerks nur noch das Hüttenwerk in Brasilien gehört, konnte ihre operativen Verluste auf 60 Mio. Euro verringern nach einem Fehlbetrag von 495 Mio. im Vorjahr. Verluste schrieben allerdings auch die von dem finnischen Outokumpu-Konzern zurückgenommenen Töchter VDM und Terni. Auch die europäische Stahlsparte machte Boden gut. Sie konnte ihr Ergebnis um 73 Mio. auf 216 Mio. Euro verbessern. Der Stahlindustrie in Europa machen die Konjunkturflaute, der anhaltende Preisdruck und Überkapazitäten zu schaffen.

Finanzen

Schon 75 Millionen Kunden: Netflix revolutioniert das Fernsehen

Börse

US-Konzerne: Quartalsgewinne brechen ein - Droht Rezession?

Finanzen

Zalando steigert Umsatz um ein Drittel - Gewinn ist aber noch unklar