Tesla: Eine Wette auf die Zukunft

Tesla: Eine Wette auf die Zukunft

Das neue Wunder-Auto soll 170.000 Dollar (135.000 Euro) kosten - viel zu teuer für die Masse.

Das neue Modell S P85D erkennt eigenständig Gefahren, fährt bis zu 250 km/h - und ist für die meisten potenziellen Kunden unleistbar. Doch Tesla setzt bereits Schritte, um mehr Kunden mit günstigeren Autos zu erreichen - angeblich ist sogar eine Fabrik in der Slowakei geplant. Das Vertrauen der Aktionäre bekam CEO Elon Musk schon vorab: Seit dem IPO ist der Aktienwert auf das 13fache gestiegen.

Vergangene Woche hat der Elektroauto-Pionier Tesla ein neues Fahrzeug präsentiert, das US-Medien begeistert als „Superauto“ bezeichneten. Das Modell S P85D wird zwar vom Hersteller bewusst nicht als „selbstfahrendes Auto“ vermarktet, kommt dieser Vision aber einen großen Schritt näher: Über Sensoren erkennt es Gefahren und bremst rechtzeitig ab, auf Knopfdruck wechselt es die Spur auf der Autobahn, und angeblich kann eine integrierte Kamera sogar Verkehrsschilder mit Geschwindigkeitsbeschränkungen lesen, um anschließend das Tempo automatisch zu drosseln.

A propos Tempo: Zur Beschleunigung auf 100 km/h braucht der P85D bloß 3,2 Sekunden – eine Sekunde schneller als das Vorgänger-Modell, und etwa gleich schnell wie ein Porsche 911 Turbo. Die Maximalgeschwindigkeit des Elektroblitzes liegt bei 155 Meilen pro Stunde (250 km/h).

Video: Testfahrt mit dem Tesla Model S P85D.

Billig ist dieser Spaß allerdings nicht: Einem Bericht des IT-Mediums TechCrunch zufolge wird das neue Wunder-Auto bis zu 170.000 Dollar (135.000 Euro) kosten – zum Vergleich: Der Tesla S ist bereits um bescheidene 70.000 Dollar (56.000 Euro) erhältlich. Von der ursprünglichen Vision des Firmengründers und CEOs Elon Musk, Elektroautos für die Masse zu produzieren, ist Tesla nun also einen Schritt weiter entfernt als vor der Präsentation des neuen Flaggschiffs. Vielleicht ist dies der Grund dafür, dass Teslas Aktien (ISIN: US88160R1014) am Tag nach der Präsentation einbrachen.

Vielleicht nahmen aber auch einige Spekulanten – wie vom Tech-Blog Wired vermutet – lediglich über den Verkauf der Aktien ihre Gewinne mit. Denn vor der Präsentation hatten die Aktien um acht Prozent zugelegt; wer also zu Beginn des Hypes investiert hatte, der konnte gleich nach der Präsentation Kasse machen.

Kleiner Rückschlag - großer Erfolg

Abgesehen von diesem kleinen Rückschlag an der Börse können sich Käufer der Tesla-Aktie aber beruhigt selbst auf die Schulter klopfen – denn seit Jahresbeginn hat der Wert des Papiers um knapp 50 Prozent zugelegt; aktuell hat Tesla eine Marktkapitalisierung von knapp 28 Milliarden US-Dollar; 26,7 Prozent der Aktien befinden sich in Streubesitz. Richtig profitiert haben aber jene Investoren, die schon früh auf den Zug aufgesprungen sind: Denn als Tesla im Juni 2010 an die Börse ging, lag der Ausgabepreis bei 17 Dollar – heute ist die Aktie rund 227 Dollar, also das 13fache, wert.

Und das, obwohl Tesla wegen der hohen Entwicklungskosten in den roten Zahlen steckt: Im zweiten Quartal stand unter dem Strich ein Minus von 62 Millionen Dollar; im gesamten ersten Halbjahr lag der Verlust bei 166,5 Millionen Dollar, trotz eines Umsatzes von 2,4 Milliarden Dollar. Im Gesamtjahr 2014 will das Unternehmen aber positiv bilanzieren, prognostiziert wird ein Gewinn von knapp 142 Millionen Dollar.

Eigentümer: Daimler und Toyota

Dass das Unternehmen mit wehenden Fahnen in Richtung Zukunft fährt, bringt ihm also Image-Punkte bei Aktionären und Kunden – aber auch wirtschaftliche Turbulenzen. Das zeigte sich bereits im Jahr 2008, als Tesla kurz vor dem Konkurs stand und erst in letzter Minute durch den Investor Dibalog gerettet werden konnte.

Seitdem wirkt Tesla zwar wie ein agiles Start-up, in dem CEO Elon Musk nach freiem Willen schalten und walten kann, doch der Schein trügt. Musk selbst ist zwar mit 22,7 Prozent noch der größte Inhaber des Unternehmens, auf den weiteren Plätzen folgen aber ironischerweise die Mitbewerber der etablierten Autobranche: Darunter Daimler mit 3,91 Prozent und Toyota mit 2,36 Prozent.

Elon Musk - der neue Steve Jobs?

Doch die Erwartungen an das Unternehmen aus Palo Alto, Kalifornien, sind dennoch hoch – und das liegt vor allem an dem Esprit, den Firmengründer und CEO Elon Musk versprüht. Er besitzt ein Vermögen von rund zehn Milliarden Dollar – das entspricht 2,6 Prozent des österreichischen BIP, beziehungsweise in etwa der Marktkapitalisierung des Öl- und Gaskonzerns OMV (ISIN: AT0000743059).

Den großen Wurf machte er um die Jahrtausendwende, in der Ära der ersten Dotcom-Blase: 1995 gründete er mit einem Startkapital von 2000 Dollar das heute unbekannte Online-Unternehmen Zip2, das er im Jahr 1999 für 307 Millionen Dollar an Compaq verkaufte. Im Anschluss gründete er X.com, das im Jahr 2000 mit dem Konkurrenten Confinity fusionierte – dessen Kernprodukt PayPal entwickelte sich in den folgenden Monaten zu einem wichtigen Online-Bezahlsystem und wurde schließlich 2002 für 1,5 Milliarden Dollar an Ebay verkauft. Musk hielt zu diesem Zeitpunkt 11,7 Prozent der Firmenanteile und war damit der größte Anteilseigner.

Musks nächste Schritte gingen über das Internet hinaus und trugen ihn ins weite Universum – denn neben Tesla hat er auch das Unternehmen SpaceX gegründet, das als erstes privates Unternehmen unbemannte Raumflüge für die NASA durchführt. Nichts scheint Musk aufzuhalten, und kein Schritt scheint ihm zu unkonventionell zu sein: Das zeigte sich auch im Sommer 2014, als er kurzerhand verkündete, alle Tesla-Patente der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. Eine ungewöhnliche Aktion, die aber Sinn macht: Denn durch die breitere Verwendung der Patente wächst der Markt der E-Autos insgesamt, es entsteht eine entsprechend Infrastruktur – und letztlich soll davon auch Tesla profitieren.

Fabrik in der Slowakei – und andere Wetten

Waghalsige Wetten auf eine ungewisse Zukunft – das ist in Wahrheit das, was Tesla und CEO Elon Musk auszeichnet. So lässt sich auch jener massive Kursanstieg erklären, den die Aktie in den vergangenen Jahren und Monaten verzeichnete: Denn auch die Investoren glauben, dass viele der Tesla-Wetten aufgehen.

Dazu zählt etwa, dass im Jahr 2017 mit dem „Model 3“ tatsächlich ein E-Auto für das Volk kommen soll, das bloß 35.000 Dollar kostet. Oder die so genannte „Gigafactory“ – eine gewaltige Batteriefabrik, in der Musk günstiger für sich selbst und seine Mitbewerber produzieren möchte. Oder ein Gerücht, das kürzlich von einem slowakischen Medium verbreitet wurde: Für den Vertrieb in Europa soll Tesla eine Fabrik in Österreichs Nachbarland bauen.

Der „Slovak Spectator“ berichtet, das Unternehmen sei bereits in Gesprächen mit dem slovakischen Wirtschaftsministerium; der Minister habe die Gerüchte bestätigt, heißt es – von Tesla werden dies allerdings nicht kommentiert. Ohnehin ist es unwahrscheinlich, dass eine derartige Fabrik in naher Zukunft eröffnet wird. Denn dafür müsste der Absatz in Europa auf 160.000 Fahrzeuge pro Jahr steigen; einem Bericht von Autoblog.com zufolge hat Tesla in den ersten vier Monaten 2014 aber bloß 3.500 E-Autos verkauft.

Fazit: Elon Musk mag eine schillernde Unternehmer-Figur sein, die einem Steve Jobs in nur wenig nachsteht. Und Tesla mag auf die Pferdestärken der Zukunft setzen. Die waghalsigen Wetten werden vielleicht aufgehen, vielleicht auch nicht. Vor allem braucht es aber eine breitere Marktdurchdringung, damit der hohe Wert der Aktie auch gerechtfertigt ist. Und dafür sind niedrigere Preise, innovative Ideen und vor allem ein langer Atem erforderlich.

Finanzen

Schon 75 Millionen Kunden: Netflix revolutioniert das Fernsehen

Börse

US-Konzerne: Quartalsgewinne brechen ein - Droht Rezession?

Finanzen

Zalando steigert Umsatz um ein Drittel - Gewinn ist aber noch unklar

Börse

Adidas hat einen neuen Teamchef: Aktie geht durch die Decke