Strategisch investieren: Die Mischung macht's aus

Die Experten der INVESTORS CHALLENGE erklären die Vor- und Nachteile von Value- oder Growth-Aktien. Und warum die Buy-and-Hold-Stratregie langfristig höhere Renditen bringt.

BERNARD ARNAULT, Hauptaktionär des Luxusgüterkonzerns LVMH (li) und JEFF BEZOS, Gründer von Amazon.

BERNARD ARNAULT, Hauptaktionär des Luxusgüterkonzerns LVMH (li) und JEFF BEZOS, Gründer von Amazon.

Bernard Arnault ist laut " Forbes" der reichste Mann der Welt. Das Vermögen des Mehrheitseigentümers des Luxusgüterkonzerns LVMH (Moet Hennessy Louis Vuitton) wird auf 198 Milliarden US-Dollar geschätzt. Amazon-Gründer Jeff Bezos rangiert mit 192 Milliarden auf Platz zwei.

Die Männer und ihre Unternehmen stehen für zwei grundverschiedene Aktien und Investmentstrategien. LVMH (FR0000121014) ist ein klassischer Value-Wert. Amazon (US0231351067) hingegen eine typische Growth-Aktie. Bei Growth-Titeln stehen die künftigen Wachstumschancen im Mittelpunkt. Bei Value-Werten interessiert Anleger hingegen primär die Substanz des Unternehmens und wie sich der Aktienkurs zum Gesamtwert des Unternehmens verhält. Die Kurse von Value-Aktien entwickeln sich meist langsam, aber stetig. Jene von Growth-Titeln unterliegen oft heftigen Schwankungen.

Value und Growth

Einer der berühmtesten Value-Investoren ist Warren Buffett. Mit seinem Beteiligungsunternehmen Berkshire Hathaway (US0846707026) wurden er - und seine Aktionäre - reich. Zu seinen wesentlichsten Aktien zählen Coca-Cola (US1912161007), Kraft Foods (US5007541064), Johnson & Johnson (US4781601046), General Motors (US37045V1008) oder American Express (US0258161092). Buffett hat aber 2016 mit Apple (US0378331005) erstmals auch groß in eine Wachstumsaktie investiert. Heute zählt Apple zu den erfolgreichsten Beteiligungen in Buffetts Portfolio.

Stefan Walde, Leiter des Asset Managements bei der Hypo Tirol Bank

Stefan Walde, Hypo Tirol Bank: "Ein aktiver Handel birgt das Risiko, zum falschen Zeitpunkt zu verkaufen. Ganz nach dem Motto: Hin und her macht die Taschen leer."

Auch Stefan Walde, Leiter des Asset Managements bei der Hypo Tirol Bank, rät zu einem Mix: "Eine Mischung aus Wachstums- und Value-Aktien bietet sich für ein gut diversifiziertes Portfolio an. Zum einen sind Aktien mit einer starken Wachstumsdynamik berücksichtigt und zum anderen Titel, die solide Gewinne und hohe Ausschüttungen bieten. Dazu ist es notwendig, Aktien aus verschiedenen Sektoren zu mischen."

Und wie findet man diese Aktien? Hypo Tirol Bank-Aktienexperte Walde rät: "Für langfristige Anlagestrategien eignen sich Blue-Chip-Werte mit soliden Geschäftsmodellen." Um aber die unterbewerteten "versteckten Perlen" zu finden, muss man jedes Unternehmen im Detail analysieren, um überprüfen zu können, ob es nicht zu Recht unterbewertet ist. David Striegl, Leiter des Aktienfondsmanagements bei Kepler, warnt daher: "Eine große Gefahr des Value-Investings sind sogenannte Value-Fallen. Das sind Unternehmen, die bei den gängigen Value-Kennzahlen wie Kurs-Gewinn-Verhältnis oder Kurs-Buchwert-Verhältnis günstig erscheinen, operativ allerdings auf raue See zusteuern oder gar in die Insolvenz schlittern."

Buy and Hold

Manfred Nosek, Leiter bankdirekt.at

Manfred Nosek, bankdirekt.at: "Bei der Buy-and-Hold-Strategie profitieren Anleger auch davon, dass sie Transaktionsgebühren vermeiden, die die Renditen schmälern."

Oft sind Börseneinsteiger vom Traden so fasziniert, dass sie schnelle Gewinne sofort realisieren und bei Verlusten Aktien rasch wieder verkaufen. Dabei führt die sogenannte Buy-and-Hold-Strategie langfristig viel eher zu einem Anlageerfolg. Kern dieser Strategie ist es, Aktien gut überlegt auszuwählen, über viele Jahre von ihrer nachhaltigen Wertentwicklung zu profitieren und langfristig eine Rendite zu erzielen.

Manfred Nosek, Leiter des Onlinebrokers bankdirekt.at der RLB OÖ, erklärt: "Abgesehen von weniger Stress profitieren Anleger dabei auch von geringeren Nebengeräuschen, indem sie Transaktionsgebühren vermeiden, die sonst die Rendite schmälern würden. Wer ständig Aktien und Fonds kauft und wieder verkauft, läuft den Gewinnen oft hinterher, ohne selbst welche zu erzielen. Je kurzfristiger ein Investment ist, desto stärker fallen Kursschwankungen ins Gewicht." Oder, wie es Hypo Tirol Bank-Experte Walde auf den Punkt bringt: "Hin und her macht die Taschen leer."


Investors Challenge #IC21

Mit Börsenwissen gewinnen

Sind Sie schon dabei bei der Investors Challenge #IC21? Stellen Sie Ihr Börsenwissen unter Beweis, sammeln Sie damit Punkte und gewinnen Sie eine Vespa Elettrica , eine Photovoltaik-Anlage von EET , einen Solar-Rucksack von SunnyBag oder eines von zahlreichen Genusspaketen von Markta . Jetzt registrieren unter investors-challenge.at

Take Aways
  • BEI VALUE-AKTIEN stehen der Substanzwert des Unternehmens (Gebäude, Maschinen, Patente) sowie künftige Gewinne im Fokus.
  • KENNZAHLEN zur Bewertung von Value-Aktien sind das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) und das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV). Sie setzen Gewinn und Buchwert in ein Verhältnis zum Aktienkurs.
  • BEI GROWTH-AKTIEN stehen Umsatz- und Marktanteilswachstum im Vordergrund.
  • KENNZAHLEN zur Bewertung sind ein überdurchschnittlich hohes Umsatz- und Marktanteilswachstum.
  • BEWERTUNG Während bei Value-Aktien KGV und KBV niedrig sein sollten, können diese Werte bei Growth-Aktien auch höher sein.
  • Für die BUY-AND-HOLD-STRATEGIE eignen sich am besten BLUE CHIPS mit zukunftsorientiertem Geschäftsmodell und hoher Marktkapitalisierung.
  • PORTFOLIOCHECKS sollen überprüfen, ob die ursprünglich nach diesen Kriterien ausgewählten Aktien diese auch noch erfüllen.
  • BEI EINEM CRASH sollte man nicht in Panik verkaufen. Er wird die Kurse nach unten ziehen, bei soliden Werten werden sie aber rasch wieder steigen.
  • DAS INVESTIERTE KAPITAL sollte über einen längeren Anlagehorizont nicht benötigt werden, da bei einem ungünstigen Verkaufszeitpunkt Verluste drohen.
  • UNTERNEHMEN, die ihre Dividenden regelmäßig steigern, eignen sich besonders für die Buy-and-Hold-Strategie.