Starinvestor Warren Buffett wird 85

Starinvestor Warren Buffett wird 85

Match der Supermilliardäre: Warren Buffett ist sich für keinen Spaß zu schade und spielt auch mal eine Partie Tischtennis mit Bill Gates.

Warren Buffetts Sinn fürs Geldverdienen ist legendär. Er hat binnen eines halben Jahrhunderts aus dem unbedeutenden Textilhersteller Berkshire Hathaway eines der wertvollsten Unternehmen der Welt gemacht. An der Börse bringt es das Konglomerat auf mehr als 330 Mrd. Dollar (292,5 Mrd. Euro). Am Sonntag wird Buffett 85 Jahre alt.

In seinem Alter und mit seinem Vermögen würden andere in vollen Zügen den Ruhestand genießen. Doch das kommt für Warren Buffett nicht infrage. Der Multimilliardär fädelt munter weiter Milliarden-Deals ein und hält auch in Deutschland nach Übernahmezielen Ausschau. "Ich plane zu arbeiten, bis ich über 100 bin", versprach Warren Buffett einst.

Die Aktionäre seiner Investmentfirma Berkshire Hathaway hören das gerne, denn es scheint, als werde der Börsenguru mit dem Alter nur besser - jedes Quartal scheffelt er Milliardengewinne, auch wenn es zuletzt mal etwas weniger war. An diesem Sonntag feiert der steinreiche, aber für seinen bescheidenen Lebensstil berühmte Staranleger seinen 85. Geburtstag.

Zuletzt ließ Buffett, der wegen seines Gespürs für lukrative Geldgeschäfte und seiner Herkunft das "Orakel von Omaha" genannt wird, es noch einmal so richtig krachen: Erst vor rund drei Wochen stemmte seine Berkshire Hathaway mit dem Kauf des Flugzeug-Zulieferers Precision Castparts Corp (PCC) die größte Übernahme ihrer Geschichte. Etwa 37,2 Mrd. Dollar (32,98 Mrd. Euro) lässt sich das Konglomerat den Deal kosten.

Drittreichster Mensch der Welt

Zu dem Imperium gehören rund 80 eigene Tochterfirmen vom Textilhersteller Fruit of the Loom über die Frachteisenbahn BNSF bis hin zu Versicherungen. Überdies hält Berkshire Hathaway große Aktienpakete an Konzernen wie Coca-Cola, IBM, Kraft Heinz oder dem weltgrößten Rückversicherer Munich Re.

Buffett ist laut Bloomberg Billionaires-Ranking mit einem Vermögen 64,1 Milliarden Dollar der drittreichste Mensch auf der Welt - nach Microsoft-Gründer Bill Gates und Amancia Ortega. Im Sommer feierte er sein 50. Dienstjubiläum als Berkshire-Chef. Die alljährliche Hauptversammlung seiner Beteiligungsgesellschaft fiel deshalb noch etwas spektakulärer als ohnehin schon aus.

Das von den Besuchern als "Woodstock des Kapitalismus" bezeichnete Event, zu dem Aktionäre aus der ganzen Welt anreisen, um ein Wochenende mit ihrem Idol zu verbringen, platzte aus allen Nähten. Über 40.000 Fans versetzten Buffetts Heimatstadt Omaha im US-Bundesstaat Nebraska in Ausnahmezustand. Beim ersten Aktionärstreffen vor fünfzig Jahren kamen zwölf Personen. Der Kult um die Investorenlegende wird jedes Jahr größer.

Top 10-Lieblingsaktien von Warren Buffett
Marktwert Beteiligung Beteiligung in %
Wells Fargo 25,4 Mrd. 9
Kraft Heinz 23,5 Mrd. 26
Coca-Cola 15,8 Mrd. 9
IBM 11,8 Mrd. 8
American Express 11,7 Mrd. 15
Wal-Mart 4,0 Mrd. 1,8
Munich Re 4,4 Mrd. 11,6
Procter & Gamble 3,8 Mrd. 1,9
U.S. Bancorp 3,6 Mrd. 4,7
DaVita HealthCare Partners und DirecTV jeweils 2,9 Mrd. 17 bzw. 6
Quelle: APA/dpa

Spenden für den guten Zweck

Dabei sind Starallüren Buffett völlig fremd, trotz seines enormen Reichtums wirkt er wie der nette Opa von nebenan und verzichtet auf jeglichen Luxus. Große Teile seines Vermögens spendet er für wohltätige Zwecke, erst vor kurzem gab er 2,8 Mrd. Dollar an gemeinnützige Stiftungen. Einmal im Jahr versteigert Buffett zudem ein Mittagessen mit sich für den guten Zweck. Der "Power Lunch" spielte im Juni 2,3 Milliarden Dollar ein.

Bodenständigkeit und Bescheidenheit erklären Buffetts hohe Sympathiewerte. Der von Fans als erfolgreichster Investor aller Zeiten verehrte Selfmade-Multimilliardär kann Fehler eingestehen und sich selbst auf die Schippe nehmen - eine Ausnahme im umkämpften Geldgeschäft. Von den auf kurzfristige Gewinne erpichten Renditejägern der Wall Street distanziert er sich.

Kritik an Kooperationen

"Jemand sitzt heute im Schatten, weil ein anderer vor langer Zeit einen Baum pflanzte", meint Buffett. Nur ein langfristiger Ansatz könne stabiles Wachstum liefern. Zwar geraten auch diese Prinzipien zuweilen ins Schwanken. Für Kritik von Anhängern sorgen beispielsweise Kooperationen mit dem Private-Equity-Riesen 3G, der auch vor dem Ausschlachten von Firmen nicht zurückschreckt.

Im März hatte etwa der Ketchup-Hersteller Heinz, hinter dem Berkshire Hathaway sowie 3G Capital stehen, angekündigt, sich mit Kraft zum drittgrößten nordamerikanischen Lebensmittelkonzern zusammenzuschließen. Nach dem mit Berkshire 2013 erfolgten Kauf von Heinz strich 3G über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren 7.000 Arbeitsplätze und schloss sechs Werke.

Denkt noch nicht an Nachfolger

Aber das kann am Image des Vorzeige-Finanzkapitalisten nicht kratzen. Bleibt eigentlich nur die Frage: Wer soll seinen Job einmal übernehmen? Angesichts der Vitalität, die der Berkshire-Chef auch im fortgeschrittenen Alter noch versprüht, scheint aber selbst das Thema derzeit kaum akut. Außerdem dürfte die Nachfolge intern ohnehin schon geregelt sein, zumindest gab es zuletzt recht klare Hinweise.

Buffetts Vize Charlie Munger, der sogar schon 91 ist, sieht überhaupt keinen Grund zur Sorge: "Berkshire wird es gut gehen, wenn wir weg sind - vielleicht sogar besser", versicherte er den Aktionären im Mai. Außerdem hat Buffett noch einiges vor - und das auch in Deutschland: Nach der Übernahme des Hamburger Händlers für Motorradzubehör Louis will er in den nächsten fünf Jahren mindestens ein weiteres deutsches Unternehmen schlucken.

Finanzen

Schon 75 Millionen Kunden: Netflix revolutioniert das Fernsehen

Börse

US-Konzerne: Quartalsgewinne brechen ein - Droht Rezession?

Finanzen

Zalando steigert Umsatz um ein Drittel - Gewinn ist aber noch unklar