Spekulation mit Fallschirm

Spekulation mit Fallschirm

Aktienanleihen schützen Anleger vor allzu großen Verlusten - bieten aber ebenfalls Gewinnchancen an den Börsen, wenn auch nur begrenzt.

Aktienanleihen bieten die Chance, mit begrenztem Risiko von Aktien zu profitieren.

Konsumenten haben derzeit wenig zu lachen, wenn es darum geht, das hart erarbeitete Geld anzulegen. Bei sicheren Staatsanleihen wird nicht einmal mehr die Inflation vergütet. Die Sparzinsen sind sowieso total im Keller. Bliebe dem Anleger eigentlich nur, höhere Risiken zu nehmen. Zunehmend wurde das auch gemacht, so mancher legte seine Scheu vor den Börsen ab. Jedoch: Die Talfahrt der Aktienkurse seit Ende März hat die Lust auf Risiko und damit auf Aktien-Investments wieder gehörig gedämpft.

Wer Geld in Aktien steckt, muss gute Nerven haben und sich im Klaren sein, dass die Wertpapierbörse keine Einbahnstraße Richtung Gewinn ist. Die Ursachen für herbe Verluste können irgendwo liegen, zum Beispiel in China. Der Abschwung der dortigen Wirtschaft hat auch in Europa Spuren hinterlassen. Der DAX hat seit dem Hoch im März über 20 Prozent verloren, Österreichs Leitindex, ATX, notiert um 15 Prozent niedriger als im Mai. Am schlimmsten hat es zuvor boomende Schwellenländer erwischt.

Anleihen mit Schutzschild

"Protect-Anleihen" sind daher die Zauberformel der Finanzbranche für besorgte Investoren. Das sind Aktienanleihen für Anleger, die sich nicht völlig auf die riskante Veranlagung mit Aktien stürzen und das Risiko eines Totalverlusts vermeiden wollen.

Die Anleihe, die nach der Emission an der Börse gehandelt wird, ist quasi ein "künstliches Produkt" einer Bank, die als Emittent auftritt. Die Talfahrt des Aktienkurses des oder der zugrundeliegenden Aktienkurse wird mit einer Barriere gebremst, womit ein Risikopuffer aufgebaut ist. Der Ertrag der Aktienanleihen soll über der Dividendenrendite reiner Aktien landen. Zum Vergleich: Die Aktien im Eurostoxx der 50 größten Aktiengesellschaften Europas bringen es aktuell auf eine Rendite von 3,2 Prozent im Schnitt.

Antizyklische Investition

Der optimale Einstiegszeitpunkt für das Investment in Aktien scheint aber für viele Anleger derzeit noch nicht reif zu sein. Die erwähnten Kursverluste infolge des China-Crashs haben die Lust deutlich eingebremst. Einzelereignisse wie der Abgas-Skandal von Volkswagen, der im September den Aktien der Automobilhersteller und ihrer Zulieferer herbe Kursverluste bescherte, haben den Optimismus auch nicht angestachelt. "Es herrscht Vorsicht, aber wer antizyklisch investieren will, kann mit Protect-Aktienanleihen das Risiko dank Teilschutz abfedern", sagt Philipp Arnold von RCB. Finanzprodukte wie diese, die das Risiko des Anlegers abfedern, können derzeit eine durchaus interessante Option sein.

Philipp Arnold, RCB: "Protect-Aktienanleihen bieten dem Anleger aufgrund der eingezogenen Barriere einen Teilschutz."

Aktienanleihen werden in unterschiedlichen Laufzeiten von einem, zwei oder bis zu fünf Jahren angeboten. Sie können bei der Erstemission direkt über Banken gekauft werden, danach im Sekundärhandel via Börse. Die Nominale lautet in der Regel auf Euro oder Dollar. Bei Dollar-Anleihen ist neben einem möglichen Kursverlust der Aktie(n) noch das Währungsrisiko zu bedenken.

"Der Fokus liegt daher aktuell wieder stärker auf Aktienanleihen in Euro und auf europäischen Aktien", sagt Uwe Kolar, Retail-Chef für Veranlagung in Anleihen und Zertifikaten bei der Erste Bank. Noch vor einem Jahr, als der Euro wackelte, hätten Anleger verstärkt Aktienanleihen in Dollar, norwegischen Kronen und sogar in Schweizer Franken nachgefragt.

Attraktiver Teilschutz

Die vom Emittenten - in der Regel eine Bank - geschnürte Aktienanleihe kann mit Aktien von einem, zwei oder mehreren Unternehmen als Basiswerten hinterlegt sein. Das relativ neue Finanzprodukt entspricht einer herkömmlichen Anleihe mit Nominale schon ab 1.000 Euro Nennbetrag und einem fix verzinsten Kupon, der einmal pro Jahr oder, je nach Design, am Ende der Laufzeit ausbezahlt wird. Am Ende der Laufzeit bekommt der Anleger auch 100 Prozent des angelegten Kapitals ausbezahlt, sofern der Kurs der zugrunde liegenden Aktien nicht unter eine festgesetzte Barriere abgestürzt ist. Die Barriere ist ein Prozentsatz des Aktienkurses zum Zeitpunkt der Ausgabe der Anleihe, etwa 60 oder 80 Prozent.

Ein Beispiel: Die "7,75 %Deutschland Protect Aktienanleihe" in Euro von Raiffeisen Centrobank (RCB) verspricht dem Anleger während der zweijährigen Laufzeit einen jährlichen Fixzinssatz von 7,75 Prozent. Die Anleihe bezieht sich auf die Aktien der drei deutschen Unternehmen BMW, Deutsche Börse und Merck, deren Kurse als Basiswert herangezogen werden.

Der Anleger verzichtet mit der Veranlagung in die Aktienanleihen auf die Dividende und Mitsprachrechte bei den genannten Unternehmen. Zur Endfälligkeit der Anleihe im Oktober 2017 erhält der Anleger die Rückzahlung des Nominalbetrags zu 100 Prozent, wenn der Aktienkurs der drei Aktien stets über der Barriere von 55 Prozent notiert hat.

Wird die Barriere von zumindest einer der drei zugrunde liegenden Aktien berührt oder unterschritten, notieren aber am Laufzeitende alle Aktien über dem, wird die Aktienanleihe ebenfalls zu 100 Prozent zurückgezahlt.

Erst wenn die 55-Prozent-Barriere von zumindest einer der drei zugrundeliegenden Aktien unterschritten wird und mindestens eine der Aktien unter dem Basispreis bei der Emission notiert, schlägt das Risiko zulasten des Anlegers zu.

Dann wird statt Cash die Aktie mit der geringsten Wertentwicklung physisch geliefert. Dabei wird die prozentuelle Entwicklung vom Startwert bis zum letzten Bewertungstag herangezogen. Die Aktie mit der schlechtesten Entwicklung - die "Worst of" - wird in diesem konkreten Fall dem Anleger zum aktuellen Kurs ins Depot gebucht. Das heißt: Der Anleger bekommt sein ursprünglich eingesetztes Kapital nicht zu 100 Prozent ausbezahlt, sondern nur die im Wert gesunkenen Aktien und zumindest den versprochenen Zins laut Kupon ausbezahlt - im konkreten Fall sind es immerhin noch 7,75 Prozent Zinsen auf den Nennbetrag.

Frank Weingarts, UniCredit onemarkets: "Aktienanleihen eignen sich für Anleger, die von sich seitwärts bewegenden oder nur leicht steigenden Märkten ausgehen."

Zweistelliger Kupon. Anleger, die auf einen Kupon in zweistelliger Höhe spitzen, können auch fündig werden. Société Générale, UniCredit onemarkets oder auch RCB bieten Aktienanleihen mit Kupons in zweistelliger Höhe an. Allerdings heißt es aufpassen: Die Rendite liegt häufig darunter, dazu kommen oft noch ein Währungsrisiko und Ausgabeaufschläge zwischen 0,5 und zwei Prozent. Beachtet werden sollte auch die Bonität der Basis-Aktie(n).

Die kürzlich von der RCB emittierte "Tech Plus+ Protect Dollar Aktienanleihe" mit Aktien von Apple, Facebook und Google als Basiswert - Laufzeit bis Oktober 2016 - und einem Kupon von 10,75 Prozent klingt verlockend. Als maximale Rendite werden 8,19 Prozent avisiert.

Fazit: Auch bei Aktienanleihen mit Rettungsschirmen gilt: hoher Ertrag, hohes Risiko. Und: Genau die Emissionsbedingungen prüfen, weil jede Aktienanleihe ein Unikat ist.

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