Mega-Fusion: Shell übernimmt Gaskonzern BG

Mega-Fusion: Shell übernimmt Gaskonzern BG

Der Ölmulti Shell kauft den britischen Gaskonzern BG für umgerechnet 64 Milliarden Euro (47 Milliarden Pfund) und bläst damit zum Angriff auf den Marktführer ExxonMobil.

Die Megafusion wird zudem eine Reihe von Beteiligungsverkäufen nach sich ziehen: Shell kündigte an, sich zwischen 2016 und 2018 von Werten im Volumen von 30 Milliarden Dollar zu trennen. Im Januar hatte der Ölmulti die Summe der geplanten Verkäufe pro Jahr noch mit fünf bis sechs Milliarden Dollar angegeben. Shell kündigte außerdem ein Aktienrückkaufprogramm über mindestens 25 Mrd. Dollar (23 Mrd. Euro) zwischen 2017 und 2020 an.

Damit wäre der Mega-Deal eine der größten Übernahmen in diesem Jahr. Zuvor hatten das "Wall Street Journal" und die Nachrichtenagentur Bloomberg über die mögliche Übernahme berichtet. Das Objekt der Begierde hatte zuletzt einen Marktwert von 31 Mrd. Pfund.

Für Shell wäre es der größte Zukauf seit der 41,7 Mrd. Pfund schweren Fusion des niederländischen und des britischen Zweigs. Mit der Übernahme würden der größte und der drittgrößte Gasproduzent Großbritanniens zusammengehen.

BG hatte im vierten Quartal 5 Mrd. US-Dollar abschreiben müssen, so viel wie noch nie. Das lag vor allem daran, dass Vermögensgegenstände in Australien wegen des Verfalls der Rohstoffpreise deutlich an Wert verloren hatten. Bei BG hatte vor zwei Monaten Helge Lund den Chefsessel erklommen. Er war zuvor in gleicher Position beim norwegischen Ölkonzern Statoil tätig.

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Schwieriges Marktumfeld

Das Marktumfeld ist wegen des Öl-Preiseinbruchs in einer ähnlichen Verfassung wie zu Beginn der 2000er Jahre, als es zu zahlreichen Megafusionen in der Branche gekommen war. Wegen des Schiefergasbooms in den USA und der Entscheidung Saudi-Arabiens, die Fördermenge nicht zu drosseln, haben sich die Rohölpreise seit vergangenem Sommer halbiert. In einem ähnlich schwierigen wirtschaftlichen Umfeld war es vor einem Jahrzehnt zu den Übernahmen von Amoco und Arco durch BP gekommen, Exxon hatte Mobil übernommen und Chevron hatte sich mit Texaco zusammengeschlossen.

BG steht seit Monaten unter Druck: Schwindende Gasreserven in Ägypten und die niedrigen Ölpreise bereitem dem Unternehmen Probleme. Wegen des Ölpreis-Verfalls hatte die Firma im vergangenen Jahr seine Gas-Leitungen in Australien verkauft. Das Unternehmen hat sich ambitionierte Wachstumsziele gesetzt. Es betreibt zahlreiche milliardenschwere Projekte in Brasilien, Ostafrika, Australien, Kasachstan und Ägypten.

Das britische Unternehmen wird mit rund 42,5 Milliarden Euro bewertet, Shell bringt eine Marktkapitalisierung von 186,5 Milliarden Euro auf die Waage. Ein Zusammenschluss würde den Abstand von Shell zum Branchenprimus ExxonMobil verringern, der mit gut 330 Milliarden Euro bewertet wird.

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