"Wir werden die Liquidität bei Bedarf rechtzeitig dem System entziehen"

Die Unsicherheiten bezüglich Europa machten nach wie vor eine Deckelung des Frankenkurses durch die Schweizerische Nationalbank notwendig, sagte Zurbrügg in einem am Montag veröffentlichten Interview mit der Aargauer Zeitung.

"Wir werden die Liquidität bei Bedarf rechtzeitig dem System entziehen"

“Der Franken ist aber auch beim heutigen Kurs gegenüber dem Euro überbewertet”, erklärte Zurbrügg. “Der Mindestkurs bleibt auf absehbare Zeit das geeignete Instrument zur Gewährleistung der Preisstabilität.”

Die SNB hatte im September 2011 einen Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro eingeführt, um den Exporteuren zu helfen und eine Deflation abzuwenden, nachdem die eidgenössische Währung fast die Parität zum Euro erreicht hatte. Seitdem hat der Franken sich abgeschwächt, da ein Nachlassen der Euroraum- Schuldenkrise die Nachfrage nach als sicherer Hafen geltenden Vermögenswerten gedämpft hat.

Zwar hat der Franken in diesem Jahr gegenüber der europäischen Gemeinschaftswährung 1,6 Prozent verloren, aber er liegt immer noch elf Prozent höher als der fünfjährige Durchschnitt und 27 Prozent über dem Tief vom Oktober 2007 von 1,6828.

Im Zuge der Verteidigung des Mindestkurses sind die Fremdwährungsreserven der SNB auf ein Rekordvolumen angestiegen, die Bestände zogen um mehr als 50 Prozent auf 427 Mrd. Franken an, seit die Deckelung eingeführt wurde.

SNB mit extremer Bilanzausweitung

“Vor allem im zweiten und dritten Quartal 2012 mussten wir stark intervenieren”, berichtete Zurbrügg in dem Interview. “Die Ausweitung der Bilanz ist eine Folge dieser Politik. Aber das war unumgänglich, um gegen die starke Überbewertung des Frankens vorzugehen.”

Zwar seien die “Extremrisiken auf den Finanzmärkten” verschwunden, da das Vertrauen in den Euroraum zurückkehre. Aber “wir haben immer noch Risiken in Europa und damit die Gefahr von größeren Wechselkursbewegungen”, erläuterte Zurbrügg. “Der Mindestkurs bleibt deshalb wichtig.” Trotz der mit der Euro-Untergrenze verbundenen Geldmengenausweitung gebe es in der Schweiz auf absehbare Zeit keine Inflationsgefahr. "Wir werden die Liquidität bei Bedarf rechtzeitig dem System entziehen", sagte Zurbrügg.

Er wollte sich gegenüber der Zeitung nicht dazu äußern, ob die SNB bei der Regierung die Einführung eines so genannten antizyklischen Kapitalpuffers für Banken zur Abkühlung des Immobilienmarktes beantragt hatte. Er wies darauf hin, dass eine derartige Maßnahme vom Bundesrat mitgeteilt werden müsste.

Auf die Frage nach der Kapitallage der zwei größten Schweizer Banken, UBS und Credit Suisse Group, lobte Zurbrügg die “beachtlichen Fortschritte”, die die Banken gemacht haben. “Trotzdem ist der Verschuldungsgrad bei beiden Großbanken immer noch recht hoch”, sagte er gegenüber der Aargauer Zeitung. “Daher begrüßen wir ihre Anstrengungen, die Kapitalsituation weiter zu verbessern.”

Im Jänner stieg der Euro bis auf über 1,25 Franken. Zum Wochenschluss gab die Einheitswährung wieder auf Kurse unter 1,23 Franken nach.