Schweizer Franken: IWF kritisiert Polen wegen Zwangsumtausch

Schweizer Franken: IWF kritisiert Polen wegen Zwangsumtausch

IWF-Chefin Christine Lagarde kritisiert die Schweizer Franken-Pläne der polnischen Regierung.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat die polnische Regierung davor gewarnt, wie geplant einen Zwangsumtausch von Schweizer Franken-Krediten in Zloty einzuführen: Dies könne das Finanzsystem untergraben und das Wirtschaftswachstum ausbremsen. Stattdessen soll die Regierung fallweise unter Druck geratene Hypothekenschuldner unterstützen.

Ratingagenturen hatten Polen wegen der Pläne zum Zwangsumtausch von Schweizer Franken-Krediten in Zloty bereits mit einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit gedroht. Polens Zentralbank befürchtet, dass durch den Zwangsumtausch rund 70 Prozent des Bankensektors in die roten Zahlen rutschen könnten.

Schweizer Franken-Kreditnehmer suchen Hilfe

Die euroskeptische PiS-Partei hat im vergangenen Jahr die absolute Mehrheit mit dem Versprechen gewonnen, tausenden Polen zu helfen, die Kredite in Schweizer Franken aufgenommen hatten. In den Jahren 2007 und 2008 hatten rund 500.000 Polen Hypotheken in der Schweizer Währung aufgenommen, da dafür deutlich geringere Zinsen fällig wurden. Inzwischen ist der Franken zum Zloty aber um gut 80 Prozent nach oben geschnellt - die Schuldenlast der Hausbauer stieg dadurch massiv an. Staatspräsident Andrzej Duda will die Bürger entlasten und die Banken zwingen, die Kredite in Zloty umzuschreiben.

Ratingagenturen drohen mit Herabstufung

Auch von anderen Seiten ehr der polnischen Regierung ein rauer Wind entgegen. Die Ratingagentur Moody's hat Polen am vergnngenen Wochenende mit einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit gedroht. Da die Finanzlage seit Antritt der neuen nationalkonservativen Regierung unsicherer geworden sei, werde der Ausblick auf "negativ" von zuvor "stabil" gesenkt, teilten die Bonitätsprüfer am Samstag mit. Hauptgründe für die Entscheidung seien die deutliche Erhöhung der Staatsausgaben und die geplante Absenkung des Rentenalters. Falls sich die Staatsfinanzen oder das Investitionsklima im Land weiter verschlechterten, würde Polen das seit 2002 geltende "A2"-Rating verlieren.

Im Januar hatten bereits die Bonitätswächter der Rating-Agentur S&P die Daumen gesenkt. Mit der Herabstufung der Kreditwürdigkeit auf "BBB+" von zuvor "A-" sackte der polnische Zloty auf ein Vierjahrestief. Die Agentur begründete den Schritt ebenfalls mit den umstrittenen Reformen der mit absoluter Mehrheit herrschenden PiS-Partei. Die Kollegen von Fitch warnten im Januar ebenfalls vor einer Herabstufung und nannten als Grund die Entscheidung für den Zwangsumtausch von Hypothekenkrediten, der den Bankensektor unter Druck setze. Bislang stuft Fitch die Bonität des EU-Mitglieds mit "A-" ein.

Die seit Oktober regierende euroskeptische PiS-Partei hat unter anderem durch eine neue Kindergeldregelung die Staatsausgaben um mehr als sieben Prozent erhöht. Viele Ökonomen sind skeptisch, ob dies durch die von der Regierung vorhergesagten höheren Steuereinnahmen kompensiert werden kann. Polens Finanzministerium kommentierte die Entscheidung von Moody's mit einem Verweis auf den mittelfristigen Finanzplan, nach dem das Defizit im kommenden Jahr unter drei Prozent des Bruttoinlandsprodukt liegen und in den nächsten Jahren weiter abnehmen soll.

Gute Nachricht für Franken-Kreditnehmer: Zumindest die Zinsen bleiben in der Schweiz weiter günstig.

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