SNB startet Kampf gegen Blase auf dem Schweizer Immomarkt

Der Kampf von Thomas Jordan, Chef der Schweizer Notenbank (SNB), die Schweizer Wirtschaft zu stützen, könnte nach Meinung von Experten schon bald an Breite gewinnen und über Eingriffe an den Devisenmärkten hinausgehen. Vor allem der überhitzte Immobilienmarkt bedarf dringend einer Abkühlung.

SNB startet Kampf gegen Blase auf dem Schweizer Immomarkt

Analysten von der Bank Sarasin bis hin zur UniCredit prognostizieren, dass die SNB etwas gegen die Risiken aus dem “exzessiven Kreditwachstum” unternehmen wird. Eine Option dabei ist, dass sie die Banken des Landes dazu zwingt, einen Extra-Kapital-Puffer von bis zu 2,5 Prozent der inländischen risikogewichteten Vermögenswerte aufzubauen - quasi als ein Schild gegen mögliche Verluste.

Die SNB hat bereits einen Franken-Mindestkurs zum Euro eingeführt, um die heimische Wirtschaft vor einem zu starken Franken zu schützen. Zudem war die Notenbank federführend bei Bemühungen, die Kapitalanforderungen für die Großbanken UBS und Credit Suisse zu erhöhen.

Jetzt nimmt sich Jordan auch die kleineren Banken vor - angesichts der zunehmenden Gefahr, dass es zu einem starken Preiseinbruch am Schweizer Immobilienmarkt kommt. “Die SNB warnt schon seit einer ganzen Zeit vor einer Blase am Immobilienmarkt. Und sie will, dass diese sich abkühlt”, erklärte Andreas Venditti, führender Analyst bei der Zürcher Kantonalbank. “Es ist sehr gut möglich, dass der Puffer vor dem Ende dieses Jahres eingeführt wird.”

In einem im Juni vorgelegten Bericht, in dem unter anderem auch die Credit Suisse zu einer Stärkung der Kapitalbasis aufgefordert wird, weist die SNB darauf hin, dass der Hypothekenmarkt ein großes Risiko für Schweizer Kreditinstitute darstellt. Die Eigenheimkredite haben sich innerhalb eines Jahrzehnts um fast 300 Mrd. Franken (250 Mrd. Euro) erhöht. Im vergangenen Jahr stiegen sie um 5,2 Prozent auf 797,8 Mrd. Franken. Das entspricht rund 140 Prozent des Schweizer Bruttoinlandsproduktes.

SNB-Daten zufolge sind die Kosten für Wohnungen mit bis zu fünf Zimmern zur Eigennutzung in den vergangenen zehn Jahren um 40 Prozent geklettert. Bei Wohnungen, die vermietet werden, ging es im selben Zeitraum um 29 Prozent nach oben.

Ende 2011 kamen UBS und Credit Suisse auf offene Hypotheken im Volumen von 240,6 Mrd. Franken, was einem Plus von etwa 2,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entsprach. Bei Kantonalbanken stieg das Volumen sogar um sechs Prozent. Und bei Raiffeisen- Banken erhöhte es sich um 7,4 Prozent.

Am 31. Juli hatte die UBS erklärt, dass bei einem Preis- Einbruch von 20 Prozent am Schweizer Immobilienmarkt rund 99,7 Prozent durch Sicherheiten abgedeckt wären. Die Bank gehe nicht davon aus, dass sich die Entwicklungen am Immobilienmarkt destabilisierend auf die Schweizer Konjunktur auswirken oder der UBS große Verluste bringen werden.

Ursache: Niedrige Kreditkosten bei sehr niedriger Arbeitslosenquote

Hinter dem Boom am Immobilienmarkt stehen nicht zuletzt die Kreditkosten, die sich auf dem niedrigsten Niveau aller Zeiten befinden. Die Arbeitslosenquote in der Schweiz liegt bereinigt bei nur 2,9 Prozent, so niedrig war sie fast drei Jahre nicht mehr.

SNB-Vize Jean-Pierre Danthine fand im Juni sehr deutliche Worte, als er sagte, die Preise in Zürich und Genf liegen über dem, was sich mit Fundamentaldaten rechtfertigen lasse. Das Risiko einer plötzlichen Korrektur der Ungleichgewichte könne schon bald zunehmen.

Das letzte Mal war der Schweizer Immobilienmarkt Anfang der 1990er Jahre zusammengebrochen. Damals stürzte das Land deswegen in eine Rezession. Dazu will es Jordan dieses Mal nicht kommen lassen. Allerdings steht einer Zinserhöhung zur Dämpfung des Preisauftriebs bei Immobilien diesmal die Sorge entgegen, dass damit der Mindestkurs des Euro zum Franken unterlaufen werden könnte.