SNB: "Der Franken ist deutlich überbewertet"

SNB: "Der Franken ist deutlich überbewertet"
SNB: "Der Franken ist deutlich überbewertet"

Thomas Jordan, Chef der Schweizerischen Nationalbank, will an der Abkehr vom Euro-Mindestkurs festhalten.

Die SNB will ihren geldpolitischen Kurs nach der Aufhebung der Euro-Franken-Bindung weiter beibehalten. Sie hält die Schweizer Währung gegenüber dem Euro nach wie vor als "deutlich überbewertet". Das Wirtschaftswachstum 2015 korrigierte die SNB von zwei auf ein Prozent, die Arbeitslosigkeit werde leicht zulegen.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hält nach der Abkehr vom Euro-Mindestkurs am eingeschlagenen geldpolitischen Kurs fest. Die Währungshüter lassen das Zielband für den Referenzzins Dreimonats-Libor bei minus 1,25 bis minus 0,25 Prozent, erklärte die Notenbank am Donnerstag. Die Giroguthaben der Banken bei der SNB werden weiterhin mit 0,75 Prozent belastet. Die zur Attraktivitätsminderung des Franken eingeführten Negativzinsen hätten rasch Wirkung gezeigt, sagte SNB-Präsident Thomas Jordan. "Wir werden nun das gegenwärtige Zinsniveau vorerst beibehalten", ergänzte Jordan bei einer Pressekonferenz in Zürich. "Es wird die Abschwächung des Franken weiter unterstützen." Darauf hoffen und warten in Österreich tausende Frankenkreditnehmer.

Der Franken sei überbewertet, sollte sich über die Zeit aber abschwächen, erklärte die SNB. Einen für die exportorientierte Schweizer Industrie schädlichen übermäßigen Anstieg der Landeswährung wollen Jordan und seine Direktoriums-Kollegen nicht zulassen. "Bei der Gestaltung ihrer Geldpolitik trägt die Nationalbank weiterhin der Wechselkurssituation und deren Einfluss auf Inflation und Wirtschaftsentwicklung Rechnung", hieß es. "Sie bleibt deshalb bei Bedarf am Devisenmarkt aktiv, um die monetären Rahmenbedingungen zu beeinflussen."

Nach der Veröffentlichung der vierteljährlichen Lagebeurteilung der Notenbank legte der Franken zu. Ein Euro kostete zuletzt 1,0561/64 Franken, nachdem er zuvor noch zu 1,0611/15 Franken gehandelt worden war.

Aktueller Wechselkurs EUR/CHF

Euro/Franken: Die Fünf-Jahres-Kurve

Wirtschaftswachstum beträgt 2015 nur noch ein Prozent

Der starke Anstieg des Franken wird die Schweiz nach Einschätzung der SNB Wachstum kosten und die Preise deutlich sinken lassen. Die Währungshüter rechnen dieses Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von knapp einem Prozent. Im Dezember waren sie noch von "rund zwei Prozent" ausgegangen.

Ihre Inflationsprognose nahm die SNB zurück. Die Teuerung dürfte dieses Jahr bei minus 1,1 (bisher: minus 0,1) Prozent liegen. Für das nächste Jahr erwartet die SNB eine Inflationsrate von minus 0,5 (bisher: 0,3) Prozent. 2017 dürfte die Teuerung dann auf 0,4 Prozent steigen.

Die Arbeitslosigkeit dürfte leicht zunehmen und die Verbraucherpreise um mehr als ein Prozent zurückgehen, so Jordan.

Die SNB hatte Mitte Januar die mehr als drei Jahre geltende Euro-Kursuntergrenze von 1,20 Franken abgeschafft. Der radikale Kurswechsel löste an den Finanzmärkten heftige Turbulenzen aus und führte zu einem sprunghaften Anstieg des Frankens.

Dass die schlagartige Aufwertung der Schweizer Währung der Wirtschaft Probleme bereitet, räumte Jordan ein. Schweizer Produkte sind im Ausland ebenso teurer geworden wie Urlaube für Ausländer in der Schweiz. Güter aus dem Ausland können in der Schweiz billiger verkauft werden und verstärken den Konkurrenz- und Preisdruck für Schweizer Firmen. Dass das zusammen mit sinkenden Ölpreisen in eine Abwärtsspirale bei den Preisen münden könnte, befürchtet Jordan nicht. "Eine anhaltend negative Inflation oder gar eine Deflationsspirale ist nicht zu erwarten", sagte er. Auch 2016 dürften die Preise noch einmal leicht sinken. Ab 2017 werde die Inflation wieder im positiven Bereich liegen.

Rücktrittsforderungen

Nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses und der darauffolgenden Franken-Aufwertung seien keine Rücktrittsforderungen an die Spitze der Schweizerischen Nationalbank (SNB) herangetragen worden. "Es gab nie Forderungen, die an uns Drei oder an mich persönlich gerichtet waren, was einen Rücktritt betrifft", sagte SNB-Präsident Thomas Jordan.

Politiker und Wirtschaftsvertreter hatten die SNB zum Teil scharf für ihren Schritt kritisiert. "Es fehlen einem die Worte!", sagte beispielsweise Nick Hayek, Chef des Uhren-Weltmarktführers Swatch nach der Bekanntgabe der Entscheidung. "Was die SNB da veranstaltet, ist ein Tsunami." Die Notenbank hob Mitte Januar die mehr als drei Jahre geltende Euro-Kursuntergrenze von 1,20 Franken auf. Der radikale Kurswechsel löste an den Finanzmärkten heftige Turbulenzen aus und führte zu einem sprunghaften Anstieg des Frankens. Auch wenn sich die Lage inzwischen etwas entspannt hat - aktuell werden für einen Euro 1,06 Franken bezahlt - rechnen Ökonomen mit Wachstumseinbussen und höherer Arbeitslosigkeit.

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