SNB dürfte Franken-Deckelung trotz Angriffen, Skandal bestätigen

SNB dürfte Franken-Deckelung trotz Angriffen, Skandal bestätigen

Die Franken-Untergrenze hatte in diesem Zeitraum trotz Spekulationsangriffen, Kritik aus der Politik und einem Skandal Bestand; nur einmal wurde sie bislang durchbrochen.

SNB-Präsident Thomas Jordan wird sein Bekenntnis zu der Franken-Deckelung bei der vierteljährlichen Lagebeurteilung der Notenbank am Donnerstag bekräftigen, wie aus einer Umfrage von Bloomberg News unter zehn Ökonomen hervorgeht. Der Zinssatz wird einer anderen Befragung zufolge bei null belassen. Die SNB gibt ihre Zinsentscheidung und neue Projektionen für das Wirtschaftswachstum am Donnerstag um 9.30 Uhr MESZ bekannt.

Den Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro hat die SNB am 6. September 2011 eingeführt, um die Wirtschaft des Landes vor einer zu starken Franken-Aufwertung zu schützen und eine Deflation zu vermeiden. Dafür musste die SNB allerdings einen Preis zahlen: Zum einen musste der ehemalige Notenbankpräsident Philipp Hildebrand, der die Wechselkursgrenze eingeführt hatte, wegen Devisengeschäften seiner Ehefrau zurücktreten. Zum anderen hat die Zentralbank zur Verteidigung der Untergrenze rekordhohe Bestände an Devisen angesammelt.

"Vorsichtiges Schulterklopfen"

“Die SNB hat ein vorsichtiges Schulterklopfen verdient, aber nicht viel mehr”, sagte der leitende Devisenstratege Peter Rosenstreich von Swissquote Bank in Genf. “Jetzt sitzen sie auf einem Berg an Euros, und während Europa einen großen Schritt nach vorne macht, haben sich die Probleme nicht aufgelöst.”

Die Devisenreserven der SNB sind auf 418 Mrd. Franken gestiegen, das entspricht rund 73 Prozent des schweizerischen Bruttoinlandsprodukts (BIP). Der Euro hat zum Ende des zweiten Quartals 60 Prozent der Bestände ausgemacht, nach 51 Prozent zum Ende des ersten Jahresviertels.
Angesichts der hohen Devisenbestände hatte SVP-Politiker Christoph Blocher im Juni gesagt, die SNB könne den Mindestkurs langfristig nicht beibehalten.

Allerdings rechnen seit der Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB), im Kampf gegen die Schuldenkrise Anleihen der Euro-Staaten aufzukaufen, immer weniger Händler mit einem Bruch der Franken-Deckelung. Daten von Bloomberg zufolge erwarten dies im laufenden Jahr nur noch JPMorgan Chase, Maybank und Hamilton Court FX.

Die Optionspreise zeigen, dass Händler immer weniger auf eine weitere Aufwertung über die festgelegte Grenze hinaus setzen. Der Abstand zwischen Drei-Monats-Optionen, die das Recht einräumen, den Franken gegenüber dem Euro zu kaufen, und jenen, ihn zu verkaufen, lag am 10. September bei 0,32 Prozentpunkten. Das ist die niedrigste Differenz seit dem 5. April, als die Wechselkursgrenze das einzige Mal durchbrochen wurde. Zum Vergleich: Am 24. Mai stieg der Abstand auf bis zu 4,53 Prozentpunkte.

Wachstumsprognose wird wohl nach unten revidiert

Die Schweizer Konjunkturforschungsstelle KOF hat in der vergangenen Woche gesagt, der Euro-Mindestkurs zum Franken sei “ein wichtiger Schritt” hin zur Stabilisierung der Wirtschaft gewesen. Dennoch dürfte die SNB dazu gezwungen sein, ihre Wachstumsprognose der Schweiz für 2012 von derzeit rund 1,5 Prozent zu senken, nachdem das BIP im zweiten Quartal um 0,1 Prozent gesunken war. Auch die Regierung dürfte bei der Veröffentlichung ihrer neuen BIP-Projektionen am 18. September von einer niedrigeren Wachstumsrate ausgehen, hatte Ökonom Bruno Parnisari vom Staatssekretariat für Wirtschaft angedeutet.

Die Franken-Deckelung hat auch nicht verhindert, dass die Inflationsrate weiter im negativen Bereich liegt. Im August hatten die Verbraucherpreise um 0,5 Prozent unter dem Vorjahresniveau gelegen, es war der elfte Monat in Folge mit einer negativen Jahresrate. Im Juni hatte die SNB für 2012 einen Preisrückgang um 0,5 Prozent vorhergesagt.

Ökonom Alessandro Bee von Bank Sarasin in Zürich geht davon aus, dass das zweite Halbjahr für die SNB “schwierig” bleiben wird, auch wegen des anhaltenden Preisrückgangs. “Darum erwarten wir, dass die SNB ihre Deckelung bis 2013 beibehalten wird.”

Die Ankündigung der EZB-Bondkäufe habe der SNB zwar eine Atempause verschafft, “aber ich kann mir gut vorstellen, dass der Druck auf den Franken in den kommenden Monaten wieder zunehmen wird”, sagte Bee weiter. “Jordans Job wird nicht leichter werden.”

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