Schweizerische Nationalbank will den Euro mit aller Macht stützen

Schweizerische Nationalbank will den Euro mit aller Macht stützen

Die Notenbank bekräftigte am Donnerstag bei ihrer vierteljährlichen geldpolitischen Lagebeurteilung, sie sei bereit, unbeschränkt Devisen zu kaufen. Stabilitätsbericht setzt Schweizer Großbanken unter Druck.

Auch beim gegenwärtigen Kurs bleibe der Franken hoch bewertet. Die Notenbank werde eine weitere Aufwertung nicht zulassen. "Wenn nötig ist sie bereit, jederzeit weitere Massnahmen zu ergreifen", hieß es in der Mitteilung.

Angesichts der Gefahren für die Konjunktur durch die Euro-Schuldenkrise und den starken Franken hält die SNB wie erwartet an ihrer Nullzinspolitik fest. Das Zielband für den Dreimonats-Libor bleibt bei null bis 0,25 Prozent.

Der Franken hat am Donnerstag im Anschluss an die Veröffentlichung der geldpolitischen Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) zum Euro und dem Dollar marginal angezogen. Der Euro sank auf 1,2009 von 1,2017 Franken zuvor. Der Dollar ermässigte sich minimal auf 0,9552 von 0,9559 Franken.

Zur weiteren Diversifizierung ihrer Anlagen investiere die Notenbank seit dem ersten Quartal 2012 neu auch in den koreanischen Won. Weitere Anlagemöglichkeiten in den Industriestaaten und den Schwellenländern würden laufend evaluiert.

Schweiz wächst stärker

Die SNB hat ihre Wachstumsprognose für die Schweiz erhöht. Die SNB geht davon aus, dass die Schweizer Wirtschaft 2012 um rund 1,5 Prozent wächst. Das ist aber lediglich einem überraschend starken Winterhalbjahr geschuldet, wie die Notenbank am Donnerstag mitteilte. Insbesondere in Europa entwickle sich die Konjunktur aufgrund der Finanz- und Schuldenkrise äusserst schwach, hieß es weiter. In der Schweiz wird im weiteren Verlauf des Jahres eine deutliche Verlangsamung der Wirtschaftsaktivität erwartet.

Im März war die Notenbank von einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um rund ein Prozent ausgegangen. Im Vorjahr hatte sich das BIP um 2,1 Prozent erhöht.

Inflationsgefahr droht nach Einschätzung der Währungshüter auf absehbare Zeit nicht. Dieses Jahr wird mit einem Preisrückgang von 0,5 (bisher: minus 0,6) Prozent gerechnet. 2013 wird dann weiterhin ein Preisanstieg von 0,3 Prozent erwartet und 2014 von 0,6 Prozent.

Schweizer Banken unter Druck

Die beiden Schweizer Großbanken Credit Suisse und UBS müssen sich nach Einschätzung der Schweizer Notenbank stärker gegen die Euro-Schuldenkrise wappnen. Zwar haben die beiden Geldhäuser kaum Kredite an die krisengefährdeten Peripherieländer der Eurozone ausstehen. Aber angesichts ihrer Verflechtungen mit dem europäischen Bankensektor könnte eine Verschärfung der Krise auch ihnen substanzielle Verluste bescheren, hieß es am Donnerstag im jährlichen Bericht zur Finanzstabilität der Schweizerischen Nationalbank (SNB). "Das Gegenparteien-Risiko für das Schweizer Bankensystem hat zugenommen" schrieb die SNB. "Das Risiko des Zusammenbruchs einer großen Bank bleibt substanziell."

Schließlich, so die SNB, seien die beiden Schweizer Häuser nicht so krisenfest wie es auf den ersten Blick aussehe. Zwar gehören Credit Suisse und UBS gemessen an den derzeit gültigen Vorschriften mit Eigenkapitalquoten von 15,6 Prozent und 18,7 Prozent zu den am besten kapitalisierten Banken der Welt. Aber da ist Kapital miteingerechnet, das nicht zur Deckung von Verlusten herangezogen werden kann. Werden die schärferen Regeln von Basel III zugrunde gelegt, liegen die Eigenkapitalquoten nach SNB-Angaben mit 5,9 Prozent und 7,5 Prozent unter dem weltweiten Branchendurchschnitt.

"Auch wenn Fortschritte erzielt wurden, ist das verlustabsorbierende Kapital immer noch unter dem Niveau, das den Banken eine ausreichende Widerstandsfähigkeit verleiht", hieß es in dem Bericht. Zwar müssen die neuen Basel-III-Vorschriften erst bis 2019 voll umgesetzt werden, aber nach Ansicht der SNB stellen sie aus wirtschaftlicher Sicht schon im heutigen Umfeld die richtige Messlatte dar. Neben der Euro-Schuldenkrise müssten die Banken auch die höheren Kreditrisiken einkalkulieren, die im teilweise überhitzten Schweizer Immobilienmarkt lauern.

Credit Suisse hat Handlungsbedarf

Vor allem Credit Suisse müsse Gas geben und das Kapital, das zur Verlustdeckung geeignet ist, noch in diesem Jahr deutlich erhöhen, heißt es in dem Bericht. Neben einem weiteren Abbau von Risiken sollte Credit Suisse einen Dividendenverzicht oder sogar eine Kapitalerhöhung ins Auge fassen, empfiehlt die SNB. Vorschreiben kann die SNB das der Bank nicht, sie ist nicht für die Aufsicht über einzelne Banken zuständig. Der Rivale UBS, der nach der Finanzkrise mit Ausnahme von zuletzt symbolischen zehn Rappen auf eine Dividendenausschüttung verzichtete, müsse den eingeschlagenen Weg fortsetzen.

Credit Suisse, die im Gegensatz zu UBS ohne staatliche Unterstützung durch die Finanzkrise gekommen war, hatte bereits 2009 wieder eine Dividende gezahlt. Parallel dazu setzte die Bank zur Eigenkapitalstärkung auf Pflichtwandelanleihen. Diese Coco-Bonds können zwar laut Schweizer Regeln zum Eigenkapital gerechnet werden. Entgegen früheren Plänen werden sie im Rahmen von Basel III aber wahrscheinlich nicht zugelassen. UBS hat bisher keine Cocos ausgegeben, da sie den im Wandelungsfall entstehenden Verwässerungseffekt für ihre Aktionäre vermeiden wollte.

Die SNB erkennt in ihrem Bericht zugleich an, dass die beiden Großbanken ihre risikogewichteten Aktiva in den letzten zwölf Monaten deutlich abgebaut und so die Eigenkapitalquoten verbessert haben. Es sei aber unklar, wie weit damit auch die wirtschaftlichen Risiken reduziert worden seien, schreibt die SNB und fordert die Banken in dieser Hinsicht zu mehr Transparenz auf. Auf jeden Fall sei der Verschuldungsgrad (Leverage Ratio) beider Banken immer noch sehr hoch.

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