Schweizer Notenbank spielt auf Zeit: Negativzinsen bleiben

Schweizer Notenbank spielt auf Zeit: Negativzinsen bleiben

Der Schweizer Nationalbank SNB ist der Franken immer noch zu stark. Um die Landeswährung gegenüber dem Euro und anderen Weltwährungen zu schwächen bleibt sie ihrem Kurs treu und verrechnet weiterhin Negativzinsen. Ähnlich ist die Lage in Japan.

Die Schweiz lässt sich mit einem Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik noch Zeit. Während andere Zentralbanken wie die Fed in den USA die Zinsen anheben und die EZB zaghaft das Ende ihrer jahrelangen Krisenmaßnahmen vorbereitet, hielt die Schweizer Notenbank SNB am Donnerstag still. Den Leitzins beließ sie auf dem Rekordtief von minus 0,75 Prozent. Damit wollen die Währungshüter den aus ihrer Sicht deutlich überbewerteten Franken für Investoren unattraktiv machen und so eine weitere Aufwertung der Währung bremsen.

Um das zu erreichen, stehen sie wie zuletzt vor den Wahlen in Frankreich auch weiterhin für milliardenschwere Eingriffe am Devisenmarkt bereit. Denn der Franken ist bei Anlegern als "sicherer Hafen" in unruhigen Zeiten stets gefragt. Doch ein starker Franken macht Schweizer Waren im Ausland teurer und bremst somit die exportorientierte Wirtschaft.

Wechselkurs EUR/CHF; Stand vom 16. Juni 2017: 1,0877; für aktuelle Kursinformationen klicken Sie bitte auf den Chart.

Wechselkurs EUR/CHF; Stand vom 16. Juni 2017: 1,0877; für aktuelle Kursinformationen klicken Sie bitte auf den Chart.

Zwar helle sich das wirtschaftliche Umfeld sowohl in der Euro-Zone als auch weltweit auf. Doch einzelne Branchen in der Schweiz kämpften weiterhin mit dem starken Franken, begründete SNB-Präsident Thomas Jordan die unverändert expansive Geldpolitik. Zudem sei die Gefahr für einen neuerlichen Höhenflug des Franken nicht gebannt. "In Phasen der Unsicherheit ist er nach wie vor erhöhtem Aufwertungsdruck ausgesetzt."

SNB wartet auf EZB

Auf die anziehende Wirtschaft in der Euro-Zone hatte vergangene Woche auch die EZB reagiert und Abstand von einer weiteren Zinssenkung genommen - eine Option, die sie zuvor stets erwähnt hatte. Experten werteten das als vorsichtige Einleitung der geldpolitischen Wende. Zudem sind laut EZB die Gefahren für die Konjunktur weniger geworden.

Nach Einschätzung von Analysten kann die SNB erst dann über höhere Zinsen nachdenken, wenn die EZB einen solchen Schritt vorexerziert. Denn die Schweizer strebten stets tiefere Zinsen als in der Euro-Zone an. Dort liegt der Schlüsselsatz für die Versorgung der Banken mit Geld derzeit bei 0,0 Prozent - ebenfalls ein Rekordtief.

In den USA ist die Fed schon weiter. Sie erhöhte am Mittwoch zum zweiten Mal im laufenden Jahr die Zinsen und will bald auch beginnen, die in der Finanzkrise aufgeblähte Bilanz zu reduzieren.

Japans Notenbank bleibt in ihrer Geldpolitik indessen so wie die SNB auf ultralockerem Kurs. Für ein Schließen der weit offenen Geldschleusen hält die Bank von Japan die Zeit noch nicht für reif. Die Inflation sei nach wie vor zu schwach, sagte Notenbank-Chef Haruhiko Kuroda nach der Zinssitzung am Freitag in Tokio. "Wir werden eine Ausstiegsstrategie erst dann diskutieren, wenn zwei Prozent Inflation erreicht sind und der Preisanstieg dort stabil bleibt", sagte er. Auf ihrem Zinstreffen beließ Japans Notenbank den Strafzins auf Bankeinlagen bei 0,1 Prozent. Sie strebt zudem weiterhin eine Rendite von null Prozent auf zehnjährige Staatsanleihen an.


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