Griechenland-Krise: Schweizer Notenbank bekämpft Franken-Kurs

Griechenland-Krise: Schweizer Notenbank bekämpft Franken-Kurs
Griechenland-Krise: Schweizer Notenbank bekämpft Franken-Kurs

SNB-Präsident Thomas Jordan

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat nach dem Scheitern der Schuldengespräche mit Griechenland zur Schwächung des Frankens am Devisenmarkt interveniert. "Wir haben immer gesagt, dass wir bei Bedarf am Devisenmarkt aktiv sind", sagte SNB-Präsident Thomas Jordan am Montag beim Swiss International Finance Forum in Bern. Die Wirtschaftsaussichten für die Schweiz trüben sich ein.

Der starke Geldzufluss nach der Eskalation der griechischen Schuldenkrise hat die Schweizer Währungshüter zu Interventionen gegen den Franken veranlasst. "Gestern und über die Nacht gab es einen bestimmten Anstieg bei der Nachfrage nach Franken", sagte der Schweizer Notenbankchef Thomas Jordan am Montag beim Swiss International Finance Forum in Bern. "Der Euro war unter Abgabedruck und die Nationalbank ist in diesen Marktverhältnissen stabilisierend am Markt aufgetreten." Jordan wollte sich nicht zum Umfang der Interventionen äußern.

"Eine Situation, wie wir sie jetzt über das Wochenende erlebt haben, ist eine Situation, die diesen Bedarf rechtfertigt und wir sind stabilisierend am Markt aufgetreten." Jordan wollte sich nicht zum Umfang der Interventionen äußern. Die Zentralbank will die Entwicklung weiterhin genau beobachten, erklärte Jordan.

Aktueller Wechselkurs EUR/CHF

Fünf-Jahres EUR/CHF Wechselkurs-Entwicklung

Die Zentralbank stemmt sich seit der Abkehr vom Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken im Januar mit Negativzinsen gegen die Stärke der Landeswährung, die der exportorientierten Industrie und der Tourismusbranche zu schaffen macht. Jordan und seine beiden Direktoriumsmitglieder haben wiederholt betont, dass sie auch am Devisenmarkt intervenieren werden, sollte eine neue Geldwelle auf die Schweiz zurollen. Der Euro hält aktuell bei einem Kurs von 1,0390 Franken.

Euro-Zone "In guter Verfassung"

Eine Gefahr, dass die Turbulenzen in Griechenland andere Euro-Länder destabilisieren, sieht der SNB-Präsident nicht. Die Euro-Zone sei in besserer Verfassung als vor einigen Jahren. Die Entwicklung habe die SNB nicht unvorbereitet getroffen, sagte Jordan. "Es war nicht unser Basis-Szenario, dass es in diese Richtung geht, aber man hat immerhin auch damit rechnen müssen."

Die Ökonomen der Credit Suisse gehen davon aus, dass die SNB weiterhin am Devisenmarkt eingreifen wird, um der starken Franken-Nachfrage entgegenzutreten. Es sei nicht ausgeschlossen, dass die Notenbank den Leitzins stärker in den negativen Bereich drücke, Negativzinsen seien allerdings nicht die wirksamste Reaktion auf eine vorübergehende Krise. Das Zielband für den Referenzzins Dreimonats-Libor liegt derzeit bei minus 1,25 bis minus 0,25 Prozent, die Giroguthaben der Banken bei der SNB werden mit 0,75 Prozent belastet.

Die Schweizer Börse hat am Dienstag belastet von der anhaltenden griechischen Schuldenkrise weiter nachgegeben. Die Anleger machten einen Bogen um die Aktien. Sämtliche 20 Standardwerte büßten Terrain ein. Trotz positiver Produktnachrichten blieben auch die Genussscheine von Roche nicht von Abgaben verschont und verloren 0,7 Prozent.

In der Schweiz haben sich Aussichten für die Wirtschaft eingetrübt. Das KOF Konjunkturbarometer, das als wichtiger Frühindikator für die weitere Entwicklung gilt, ging im Juni unerwartet auf 89,7 Punkte von revidiert 92,7 Zählern im Mai zurück. Volkswirte hatten mit einem Anstieg auf 93,5 Zähler gerechnet.

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