Schweizer Notenbankchef: "Viel zu früh für Zinserhöhung"

SNB-Präsident Thomas Jordan

SNB-Präsident Thomas Jordan: "Die Situation ist weiterhin fragil."

Zinserhöhungen wie in den USA oder wie sie in der EU diskutiert werden sind in der Schweiz vorerst noch kein Thema. In einem Interview mit CNN erklärte Thomas Jordan, Chef der Schweizerischen Nationalbank, dass es dafür "viel zu früh" sei.

Die politischen Turbulenzen in Italien haben den auch in Österreich von vielen Seiten mit Argusaugen beobachteten Schweizer Franken zuletzt gegenüber dem Euro wieder gestärkt. Aktuell liegt der Wechselkurs EUR/CHF wieder bei 1,56 Franken je Euro, vor zwei Monaten, hatte der Euro noch an der 1,20er-Marke gekratzt. Am 19. April hatte er sein 52-Wochen-Hoch von 1,1992 erreicht.

Die Entwicklung treibt nicht nur den Schweizer Franken Kreditnehmern, sondern auch der Schweizerischen Nationalbank (SNB) kalte Schauder über den Rücken, hatte es doch viele Monate gedauert, bis sich der Euro wieder annähernd an den von der SNB seinerzeit als Mindestkurs definierten Wert von 1,20 hochgearbeitet hatte.

Nicht nur deswegen spielen Zinserhöhungen in den Überlegungen der Schweizerischen Nationalbank SNB aktuell noch keine Rolle. Auch die Inflationsrate ist in der Schweiz nach wie vor extrem niedrig. In den vergangenen Monaten ist sie zwischen 0,5 und einem Prozent geschwankt und damit noch weit vom angepeilten Ziel von zwei Prozent entfernt.

Weiterhin Negativzinsen

In einem Interview mit CNN Money Switzerland hat SNB-Präsident Thomas Jordan nun erneut betont, dass Zinserhöhungen für ihn überhaupt noch nicht in Frage kommen. "Das ist im Moment viel zu früh", erklärte er, "die Situation ist weiterhin fragil, auch was den Wechselkurs betrifft."

Bei der nächsten, für den 21. Juni 2018 angesetzten Zinssitzung wird es daher zu keinen Änderungen kommen. Die SNB wird ihre lockere Geldpolitik mit Negativzinsen von minus 0,75 Prozent und bedarfsmäßigen Interventionen am Devisenmarkt fortsetzen.

Für alle, die noch Frenken-Kredite abstottern - Privatpersonen ebenso wie Unternehmen oder Kommunen - ist das zumindest ein gutes Signal.

Ein Ausscheiden Italiens aus der Eurozone hält SNB-Chef Jordan übrigens für "sehr, sehr unwahrscheinlich". Sollte das dennoch passieren, wäre es ein großer Schock mit großem Einfluss auf die Märkte. Es sei daher sehr wichtig, dass sich die neue italienische Regierung an die Budgetregeln in Europa halte und strukturelle Reformen vorantreibe.


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