Schweizer Franken: SNB entscheidet über weitere Geldpolitik

Thomas Jordan, Präsident der Schweizerischen Nationalbank SNB

Thomas Jordan, Präsident der Schweizerischen Nationalbank SNB

Die Geldpolitik der Schweizer Nationalbank wird in Österreich genau beobachtet, denn immer noch stehen die Österreicher mit Krediten in Schweizer Franken über rund 23 Milliarden Euro in der Kreide. Am Donnerstag wird der Kurs für die nächste Zeit festgemacht.

Fremdwährungskredite in Schweizer Franken waren für österreichische Haushalte lange Zeit eine vergleichsweise günstige und sichere Finanzierungsform. Auch wenn bei der Aufnahme von Fremdwährungskrediten auf das Kursrisiko hingewiesen wurde, schien es, dass dieses Risiko kaum jemals schlagend werden könnte. Es müsse schon eine Weltwirtschaftskrise kommen, dass sich der Kurs von Euro und Franken dramatisch zu Ungunsten der heimischen Kreditnehmer verschlechtern würde, wurde oft frank und frei erklärt. Wer das für ein realistisches Szenario hielt, galt beinahe als Apokalyptiker.

Im Sommer 2007 war die Finanzkrise und in der Folge dann auch die Weltwirtschaftskrise dann doch plötzlich da. Und die österreichischen Privathaushalte mit gut 48 Milliarden Euro (Stand laut FMA im Herbst 2008) in Franken verschuldet. Das große Problem für die Kreditnehmer: Seit Anfang 2008 hat der Schweizer Franken gegenüber dem Euro um rund 51 Prozent aufgewertet. Im selben Maße sind die Kreditschulden der Österreicher gestiegen.

Seit dem Herbst 2008 hat sich das Volumen der Schweizer-Franken-Kredite der österreichischen Privathaushalte auf 22,79 Milliarden Euro mehr als halbiert und der Fremdwährungsanteil an allen aushaftenden Krediten privater Haushalte ist auf rund 16 Prozent gesunken. Den Haushalten, die noch Kredite halten, hilft das angesichts der massiven Franken-Aufwertung allerdings auch nicht weiter.

Franken ist der Schweiz zu stark

Umso genauer wird in Österreich die Geldpolitik der Schweizerischen Nationalbank (SNB) beobachtet. Die versucht seit Jahren, den Franken mit verschiedensten Maßnahmen zu schwächen. Ein Mindest-Wechselkurs zum Euro wurde eingeführt und wieder aufgehoben, Zinsen immer weiter gesenkt und schließlich sogar Negativzinsen festgesetzt und parallel dazu kauft die SNB Devisen en masse, um die eigene Landeswährung zu schwächen.

Wechselkurs EUR/CHF; 10-Jahres-Entwicklung; Stand vom 12.09.2016: 1,094

Wechselkurs EUR/CHF; 10-Jahres-Entwicklung; Stand vom 12.09.2016: 1,094

Alles mit mäßigem Erfolg. Der Schweizer Franken pendelt seit rund einem Jahr zwischen 1,09 und 1,10 Euro, nachdem er kurz nach der Aufhebung der Wechselkursbindung den Euro sogar einmal an Wert überholt hatte. Der bis Jänner 2015 gültige EUR/CHF-Kurs von 1,20 Euro scheint vorerst unerreichbar zu sein. Ganz zu schweigen vom Stand der Jahre 2006 bis 2008. Damals hatte der Euro gegenüber dem Franken einen Wert jenseits von 1,60 (Höchststand vom 1. November 2007: 1,678) erreicht. Wer in dieser Phase einen Fremdwährungskredit im Schweizer Franken aufgenommen hat, hat aktuell einen Kursverlust von zigtausend Euro und kann nur noch hoffen, dass sich der Kurs bis zum Ende der Laufzeit wieder in eine andere Richtung bewegt. Fremdwährungskredite sind nämlich in der Regel endfällig, was bedeutet, dass die Verluste derzeit nur am Papier existieren, weil die Kredite erst am Schluss getilgt werden müssen.

Zur Monatsmitte, am 15. September, gibt die SNB ihre neue geldpolitische Lagebeurteilung ab, die richtungsweisend für den mittelfristigen Kurs der Nationalbank sein könnte. Nachdem sich aber an der allgemeinen wirtschaftlichen Situation reichlich wenig geändert hat und SNB-Chef Thomas Jordan weiterhin betont, dass er den Franken für grob überbewertet hält, gehen Analysten allgemein davon aus, dass die SNB ihre Politik unverändert fortführt.

Weiter mit Negativzinsen

Das gilt auch für die Zinsen, von denen die Kreditnehmer aktuell profitieren. Aktuell gelten in der Schweiz Negativzinsen von -0,75 Prozent. Der Negativzinssatz könnte auf -1,0 Prozent erhöht werden. Allerdings rechnen die Experten, dass die SNB - falls überhaupt - frühestens Ende 2017 an der Zinsschraube dreht. Das hängt allerdings von der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung in Europa und den USA ab. Auch die US-Notenbank Fed zögert Zinsschritte, für die sie eine theoretische Absichtserklärung abgegeben hat, immer wieder hinaus. Ein Fragezeichen ist auch ob die Europäische Zentralbank ihr Anleihenkaufprogramm abermals verlängert oder ob dieses tatsächlich im Sommer 2017 ausläuft.

Weitere Risiken sind der Austritt Großbritanniens aus der EU und die chinesische Wirtschaft. Der erste Fall Falls die strauchelt China in der Folge den Renminbi schwächt, steigt auch der Druck auf die EZB und die SNB, etwas gegen die Deflationsgefahr zu unternehmen. Jedoch: "Die Nationalbank hat zurzeit keinerlei Grund, an ihrer Geldpolitik etwas zu ändern. Ihr ist wohl mit ihrer zwei Säulen-Strategie", sagt Daniel Kalt., Chefökonom der UBS Schweiz . Auch Claude Zehnder von der Zürcher Kantonalbank (ZKB) und Maxime Botteron von der Credit Suisse erwarten keine Änderungen.

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