Schweizer Franken: Warum die Zinsen auf Kredite so wenig gefallen sind

Schweizer Franken: Warum die Zinsen auf Kredite so wenig gefallen sind

Der zur Abwertung des Schweizer Franken eingeführte Negativzins geht an den Sparern vorerst vorüber, sie bekommen zumindest einen Mini-Zins auf ihre Einlagen. Gleichzeitig sind die Zinsen auf Schweizer Franken-Kredite aber nicht so stark gefallen wie sie sollten: Die Kreditnehmer finanzieren die Sparbücher der Schweizer quasi mit.

Normale Sparer müssen in der Schweiz vorläufig nichts dafür bezahlen, ihr Geld bei einer Bank zu deponieren. Für die Banken wird es zu Zeiten von Negativzinsen bei den Zinsmargen allerdings immer enger, wie eine Studie des Beratungshauses EY ausweist. Die Zinsmargen der untersuchten 348 Banken sanken im vergangenen Jahr auf 1,17 Prozent.

Die Abnahme entsprach dabei etwa dem jährlichen Durchschnittsrückgang seit 2007. Das setzt sich im laufenden Jahr fort. Die EY-Auswertung der Halbjahreszahlen zeigt einen erneuten Rückgang um 0,03 Prozentpunkte.

Schuldner in Schweizer Franken profitieren nicht

Die Analyse zeigt weiterhin, dass seit Einführung der Negativzinsen durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) die Zinssätze von neuen Hypothekarkrediten mit Laufzeiten zwischen fünf und sieben Jahren nur geringfügig gesunken sind.

Die Hypothekarschuldner profitierten damit nicht von den gesunkenen Zinssätzen an den Kapitalmärkten. Der Grund dafür: Sie zahlen die Zeche für die Sparer. Die Banken konnten keine Negativzinsen für die Spareinlagen verrechnen.

Damit haben sich die Konditionen sowohl für Kredite und Hypotheken als auch für Spareinlagen vom Kapitalmarktzins abgekoppelt. Beide Zinsen sind aktuell höher als der Marktzins, wie EY schreibt.

Erst am Ende müssen die Sparer Zinsen zahlen

Die Detailbanken als wichtigste Kreditgeber im Land refinanzieren ihre Ausleihen primär durch Kundeneinlagen. Dabei berechnen sie abgesehen von institutionellen Anlegern und größeren Unternehmen erst wenigen Kunden Negativzinsen. Nur ein einziges Institut verlangt generell Geld für Einlagen - die Alternative Bank.

Die Erhebung der Negativzinsen ging dabei etappenweise voran: Zuerst wurden internationale institutionelle Kunden zur Kasse gebeten, dann die nationalen institutionellen Kunden gefolgt von Großunternehmen und Privatkunden mit sehr hohen Kontobeständen. Laut EY dürften erst am Schluss die kleineren Privatkunden folgen.

Nach Erkenntnissen der Berater gehen die Banken davon aus, dass die Einzelkunden empfindlich auf die Weitergabe der Negativzinsen reagieren. Zumindest in nächster Zeit sei nicht damit zu rechnen, dass die Negativzinsen an eine breite Sparerschaft weitergereicht würden.

Für Häuselbauer: Alternativen zur Bank

Neben den schwindenden Zinsmargen macht den Banken im Land auch die Konkurrenz zu schaffen. Weil die Zinsen im Hypothekarmarkt höher liegen als am Kapitalmarkt, drängen vermehrt Nicht-Banken ins Geschäft mit den "Häuselbauern".

In erster Linie sind das Versicherer und Pensionskassen, deren Anteil am Hypothekarmarkt in den 1990er- und 2000er-Jahren rückläufig war.

Verstärkt wird der Rückgang der Zinsmargen laut EY auch durch die gestiegenen Liquiditätsanforderungen und die Absicherungskosten für Risiken an der Zinsfront.

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