Schweizer Franken: Wieder Turbulenzen für Kreditnehmer

Schweizer Franken: Wieder Turbulenzen für Kreditnehmer

Düstere Wolken, aber Licht am Horizont: Der Euro-Franken-Wechselkurs lässt Kreditnehmer weiter zittern.

Seit einigen Monaten gewinnt der Schweizer Franken gegenüber dem Euro kontinuierlich an Gewicht. Experten rechnen damit, dass der Franken in nächster Zeit weiter zulegt. Auf Franken-Kreditnehmer kommen damit neue Turbulenzen zu. Allerdings gibt es auch Licht am Horizont.

Keine guten Aussichten gibt es derzeit für alle, die im Schweizer Franken investiert haben. Die über hunderttausend österreichischen Franken-Kreditnehmer - Privatpersonen ebenso wie Unternehmen und Kommunen - müssen nach einer längeren Phase der Erholung wieder zusehen, wie der Franken gegenüber dem Euro mehr und mehr zulegt.

Im Jahr 2017 und bis in den Mai 2018 hinein machte sich unter Franken-Schuldnern Hoffnung breit. Vom Tiefststand von 1,06 im Jänner 2017 ausgehend stieg der Euro-Franken-Wechselkurs bis in den Mai 2018 auf über 1,20 und damit über den vor einigen Jahren von der Schweizer Nationalbank SNB festgesetzten Mindestkurs. Danach rasselte der Wechselkurs allerdings wieder nach unten. Ende Mai lag er nur noch bei rund 1,14; im September fiel der Wechselkurs sogar auf 1,12. Aktuell (Stand 25.10.2018) bekommt man für einen Euro 1,1385 Schweizer Franken und nach Einschätzung von Experten könnte der Franken in den nächsten Monaten weiter zulegen. „Turbulente Zeiten könnten vor uns liegen“, warnt Martin Hüfner, Chefökonom der Investmentboutique Assenagon.

Euro/Franken-Wechselkurs; 5-Jahres Entwicklung. Stand vom 25.10.2018: 1,1385; für aktuelle Kursinformationen klicken Sie bitte auf den Chart.

Euro/Franken-Wechselkurs; 5-Jahres Entwicklung. Stand vom 25.10.2018: 1,1385; für aktuelle Kursinformationen klicken Sie bitte auf den Chart.

"Die Risikofaktoren haben sich geändert“, begründet Hüfner seine Einschätzung. Der Grund: „In Europa ziehen mit den Ereignissen in Italien neue Wolken auf. Italien ist auf dem besten Weg, das neue Griechenland zu werden.“ Noch hat deshalb die Flucht in den Schweizer Franken nicht eingesetzt, aber das könnte sich bald ändern. Deshalb werde wieder Geld in die Schweiz fließen, glaubt Hüfner. Der Euro käme dann wohl wie 2008 schwer unter die Räder, was die Schuldenlast von Franken-Kreditnehmern abermals erheblich vergrößern würde.

Es sieht also nicht gut aus für all jene, die vor der Finanzkrise - oft bei Wechselkursen von 1,50 und mehr - den Empfehlungen von Banken und Finanzberatern vertraut haben und Kredite in der Schweizer Landeswährung aufgenommen haben.

Internationale Investoren könnten Geld von den USA in die Schweiz umschichten

Auch die internationalen Verwerfungen lassen nicht nach. „Sie könnten sich sogar noch verschärfen“, meint Hüfner. Viel Fluchtgeld geht zwar weiter in die USA. Angesichts des schwer einzuschätzenden amerikanischen Präsidenten und seinem Ziel den Dollar zu schwächeren Dollar dürften Anleger aber auch nach anderen sicheren Plätzen für ihr Kapital suchen - und traditionell ist das eben die Schweiz.

Für die Schweiz spricht neben der bekannten Stabilität auch die nach wie vor gute wirtschaftliche und monetäre Lage der Nation. Hüfner hält die Eidgenossenschaft für ein Muster stabiler Wirtschaftspolitik, und das locke weiter Kapital an.

Allerdings haben die Franken-Kreditnehmer einen wichtigen Mitspieler auf ihrer Seite: Die Schweizer Nationalbank bemüht sich seit Jahren mit allen Mitteln, die eigene Landeswährung zu schwächen, um die stark von Exporten und dem Tourismus abhängige Wirtschaft zu fördern. "Jeder, der in die Schweiz fährt, weiß, dass es dort sehr teuer ist. Die Kaufkraftparität des Frankens liegt deutlich über dem gegenwärtigen Wechselkurs“, sagt Hüfner. Auch wenn sich die Situation seit dem absoluten Tief vor vier Jahren gebessert habe - damals war der Euro zeitweise nur noch 0,97 Franken wert - könne die Notenbank weitere Aufwertungen zulassen.

Wenn wieder mehr Geld ins Land fließt würde das einen Aufwertungsdruck auf den Schweizer Franken ausüben. Ohne Interventionen seitens der SNB wäre bald wieder die Parität gegenüber dem Euro erreicht, schätzt der Chefvolkswirt. Angesichts der bisher an den Tag gelegten Entschlossenheit der SNB, auf den Märkten zu intervenieren, hält Hüfner dieses Risiko allerdings für begrenzt und rät daher auch zu Investments in Schweizer Aktien. Nicht nur Blue Chips wie Nestlé oder Roche empfiehlt er. Auch Titel mittelständischer Unternehmen böten sich an.

Weitere Experten sehen die Entwicklung des Euro-Franken-Kurses ebenfalls gelassener. Die Investmentgesellschaft Helaba meint in ihrer aktruellen Einschätzung: "Falls sich die Probleme um Italien nicht dramatisch zuspitzen, dürfte der Euro-Franken-Kurs bis auf weiteres um 1,15 pendeln." Die DZ Bank ist noch zuversichtlicher und erwartet auf Sicht von zwölf Monaten wieder eine Trendumkehr und rechnet mit einem Euro-Franken-Kurs von 1,20 - womit dann Schuldner wieder etwas aufatmen könnten.


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